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Freiwilligendienst in Marocco

Sie haben zu Fuß eine Wüste durchquert: Franziska engagierte sich für afrikanische Flüchtlinge in Marokko.

Tausende Kilometer zu Fuß: Flüchtlinge in Marokko

Sie sind von weit her. Sie haben ihre Heimatländer verlassen, da sie dort keine Zukunft haben. Sie haben die Sahara zu Fuß oder in Lastwagen durchquert, Grenzkontrollen bestochen, sind mehrere Male zurückgeschickt worden, haben schlimmen Hunger, Durst und Krankheiten durchlitten; eine unbekannte Zahl von Menschen hat es noch nicht einmal bis dahin geschafft. Nun sind sie hier in Tanger, im Norden Marokkos, nur einen Steinwurf von ihrem Ziel entfernt: Spanien, Europa, das gepriesene Land. Und sie sitzen fest. Es war leichter, die tausenden Kilometer von ihrer Heimat zurückzulegen – Nigeria, Kamerun, Sierra Leone, Mali – als diese letzten 14 zur spanischen Küste zu schaffen.

Ein paar von ihnen sind bereits einige Jahre hier – ohne offiziellen Pass, ohne legalen Bürgerstatus, ohne die Möglichkeit, Arbeit zu finden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, einen anständigen Platz zum Leben zu finden. Die Lebenssituation der Migranten aus den Subsahara-Ländern ist nichts, worüber man eine Urlaubskarte nach Hause schreiben würde. Sie leben zusammengequetscht in kleinen Zimmern, die ihnen von Marokkanern überlassen worden sind. In vielen Fällen sind diese Zimmer nicht viel größer als winzige Kleiderkammern, von einem halben Dutzend Menschen geteilt, mit Matratzen auf dem Boden, einem Gaskocher als Küche, ohne Fenster oder jegliches Tageslicht.

Freiwilligendienst bei >World Unite!<

Ich bin hier als Freiwillige mit ›World Unite!‹ und helfe der marokkanischen Organisation ›Chabaka‹, die sich mit der Situation der Immigranten beschäftigt. Chabaka arbeitet mit vielen anderen Nichtregierungsorganisationen an politischen sowie bildungsfördernden Projekten. Einer der Flüchtlinge ist Jordan. Ich besuche ihn, seine Frau Ella und die beiden Kinder in ihrem Zuhause. Sie haben es gut erwischt, im Gegensatz zu vielen anderen – sie haben zwei fensterlose Räume und eine Küche für sich. Ein Badezimmer ist auf dem Flur. 140 Euro bedeutet das pro Monat. Um dies bezahlen zu können, muss die ganze Familie betteln gehen – und das den gesamten Tag. Jordan und Ella sind aus Nigeria und kamen vor etwa zehn Jahren nach Tanger.

Seitdem wurde Jordan 20 Mal von der marokkanischen Polizei gefangen genommen und zur algerischen Grenze abgeschoben. Jedes Mal kommt er zurück nach Tanger – zu Fuß! Denn hier sind sie ihrem Traum am nächsten: Endlich die letzten 14 Kilometer über die Straße von Gibraltar zu bewältigen. Und sie zweifeln nicht daran, dies eines Tages zu schaffen: »Was mich anbelangt«, sagt Jordan, »so ist das die einzige Option, die ich habe. Marokko gibt uns keine Chance.« Jordan ist 33 Jahre, gebildet, offen. Er hat in Nigeria BWL studiert, spricht fünf Sprachen. Zehn Jahre lang hat er von der Hand in den Mund gelebt, unter deprimierendsten Verhältnissen, doch sein Geist ist nicht gebrochen. Der einzige Motor, der alle Migranten antreibt, ist der Wunsch, ein anständiges Leben in Sicherheit führen zu können. Geschätzte 1.000 Subsahara-Flüchtlinge leben in und um Tanger.

Nicht alle haben eine Unterkunft; viele müssen draußen in den Wäldern in der Nähe von Sebta hausen, einem spanischen Stützpunkt an der marokkanischen Küste. Sie sind nicht in Marokko, weil eine Laune sie hergetrieben hat. Sie sind da, weil sie ihre Familien nicht ernähren konnten oder weil sie in ihrem Heimatland nicht sicher waren. Wer kann es den jungen Menschen verübeln, dass sie versuchen, eine bessere Zukunft anderswo zu finden – fern von ihrer Heimat, die zerrüttet sind von Armut und unfähigen Staatsführern?


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