Freiwilliges Jahr in Frankreich

Das Allerschlimmste befürchtete Caroline vor ihrem freiwilligen Jahr: Aus Berlin ging‘s in die französische Einöde. Doch es kam anders...

Ackerarbeit
privat

Freiwilligendienst: Normandie statt New York

»Eigentlich wollte ich nach New York«, sagt Caroline. Der Verein ›Aktion Sühnezeichen Friedensdienste‹ (asf) wollte es anders: In Frankreich, der Normandie würde sie ihr freiwilliges Jahr verbringen. »Komischerweise war ich darüber gar nicht enttäuscht, viel mehr gespannt, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte«, meint sie und erinnert sich an die Reaktionen ihrer Freunde und Familie: »Alle haben mir davon abgeraten, glaubten, dass ich damit nicht klarkomme und es gar nicht mein Ding ist.«

Schließlich ist die gebürtige Berlinerin eher Stadtmaus als Landei ... »Ich habe Horrorgeschichten gehört und mich auf das Allerschlimmste eingestellt«, sagt die 20-Jährige, die sich nach ihrem Abitur im Sommer 2009 mutig auf ihren Weg in die Einöde der Normandie machte. Tatsächlich ging es an ihrem Zielort ziemlich »rustikal« zu. »Ich habe mit einem Mitfreiwilligen in einem kleinen Haus mit Ofen gewohnt. Es gab zwar immer fließend warmes Wasser, aber nur eine ›trockene Toilette‹, das heißt, alles landete in einem Eimer, den wir regelmäßig ausschütten mussten«, erläutert sie.

Auf den Acker in Frankreich!

Täglich klapperten die beiden jugendlichen Selbstversorger eine Liste von umliegenden Bauern ab und halfen beim Ernten und Jäten. »Wir haben viel mit Gemüse gemacht, weil man da unglaublich viele Leute braucht«, berichtet Caroline. »Auch beim Unkrautjäten – ein Großbauer sprüht da einmal mit seinem Traktor Pestizide drüber, aber bei unseren Biobauern müssen alle von Hand zupfen.« Caroline hält ihre Landarbeit im Rahmen des Vereins asf für ziemlich ungewöhnlich: »Unsere Organisation betreut eher soziale Projekte mit alten Leuten, Straßenkindern, Menschen mit Behinderungen oder vergewaltigten Frauen.« Gegen eine andere Arbeit hätte sie aber nie tauschen wollen.
»Ich bin sehr daran gewachsen«, sagt die Freiwillige. »Für jemanden, der aus der Stadt kommt, ist es unglaublich wichtig mal zu sehen, wie denn das ›andere‹ Leben funktioniert und wie man sich beschäftigen muss, wenn man keinen Fernseher hat, keine Shoppingstraßen und 1.000 Clubs vor der Haustür.« Ihre Freizeit verbrachte sie hauptsächlich im Grünen, beim Wandern, Joggen oder mit dem Nachbarshund, den sie schließlich auch nach Berlin ›exportierte‹. »Wenn man eine Zeit in anderen Lebensumständen verbracht hat, kann man zuhause seine Umwelt viel besser wahrnehmen«, resümiert Caroline die Erkenntnisse aus ihrem herausfordernden, freiwilligen Jahr. »Es ist nicht selbstverständlich, dass wir einfach einen Knopf drehen und schon wird es warm.«


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