Summer Schools: Reisen und lernen

Es muss nicht immer gleich ein ganzes Semester sein: In Summer Schools lernen Studenten in kurzer Zeit viel kennen

Es gibt Sätze, die man als Student kaum mehr hören kann:

  • »Jetzt beginnt der Ernst des Lebens« ist so ein Satz.
  • Oder auch: »Nutze das Studium, um die Welt zu bereisen.«

Ein schöner und ein schlauer Satz, sicherlich auch gut gemeint, aber für viele Studenten weder zeitlich noch finanziell realisierbar. Nur rund jeder dritte Student verbringt einen Teil seines Studiums im Ausland. Da ein Auslandssemester für immer mehr Studierende fast schon ein Luxus-Gut ist, steigt das Interesse an Alternativen. Eine davon sind Summer Schools. Diese führen Studierende für im Schnitt drei bis sechs Wochen an eine Hochschule im Ausland, wo in aller Regel über die gesamte Zeit ein vorher festgelegtes Thema zusammen mit Kommilitonen aus aller Welt behandelt wird.

Vorteile von Summer Schools

Die Vorteile von Sommerschulen liegen auf der Hand. Studenten mit deutlich knapperem Zeit- und Geldbudget müssen nicht auf elementare Auslandserfahrungen verzichten, können in fremde Kulturen eintauchen, ihre Sprachkenntnisse vertiefen und ihre viel zitierten Soft Skills weiterentwickeln. Da aber auch ein kurzer Auslandsaufenthalt das studentische Portemonnaie spürbar belastet, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) im Rahmen seiner Programminitiative ›Go East‹ Sommerschulen-Stipendien ins Leben gerufen.

Mit diesen Teilstipendien können Studenten eine Summer School in einem von 20 verschiedenen Ländern Osteuropas besuchen, unter anderem in Albanien, Bulgarien, Estland, Lettland oder auch Tadschikistan. Ein Stipendienangebot, das auch Hendrik Möller überzeugt hat. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens erfuhr 2011 zum ersten Mal von Summer Schools, nachdem Kommilitonen von ihm eine Sommerschule im russischen Novosibirsk besucht hatten. Nachdem Möller sich auf der Homepage des DAAD näher über Sommerschulen informiert hatte, startete er in die Bewerbungsphase.

»Ich habe mich circa vier Monate vor Start der Summer School auf der Homepage der Gastgeberuniversität beworben. Nach einer Rückmeldung via E-Mail habe ich mich beim DAAD mittels des Online-Bogens für die Summer School beworben. Das Bewerbungsverfahren ist sehr unkompliziert und übersichtlich gestaltet. Die Stipendienannahmeerklärung erhielt ich etwa einen Monat später direkt vom DAAD zunächst per Mail und dann noch einmal die Stipendienzusage per Postschreiben«, blickt der 23-Jährige zurück.

Summer School in Novosibirsk

Genau wie seine Kommilitonen, die ihm erstmals von Summer Schools berichteten, führte auch Möller der Weg nach Novosibirsk, die größte Stadt Sibiriens. »Ich bin sehr an anderen Kulturen und Ländern interessiert und habe auch schon viele Teile von Europa und den USA kennenlernen können. In Russland war ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewesen und ich versprach mir viele neue Eindrücke und das Kennenlernen einer für mich neuen Mentalität und Lebensweise«, erklärt der Bachelorand seine Beweggründe dafür, in die drittgrößte Stadt Russlands zu gehen.

Doch es sprachen noch weitere Punkte für Novosibirsk: »Besonders interessant für mich als Wirtschaftsingenieur war auch das Thema der Summer School ›General Engineering and Materials Science, Advanced Technologies‹. Viele Themen, die ich in meiner Heimathochschule behandelt hatte, wie das 3D-Digitalisieren und -Printing und auch das Verfahren der Stereolitographie konnte ich dort vor Ort in Novosibirsk in der Universität hautnah miterleben.«

Die Summer School teilte sich für Möller in zwei Abschnitte. Einer zweiwöchigen Vorlesungsreihe an der Universität folgte eine Woche Sportaufenthalt im Altai-Gebirge mit Studenten aus aller Herren Ländern.

»In den Veranstaltungen ging es hauptsächlich darum, eine Fertigungsstraße aufzubauen und Roboter zu programmieren, die diese vollautomatisch abfahren. Wir hatten dafür unter anderem Abstandssensoren und Drucksensoren zur Verfügung. Unser Kopf wurde eingescannt und 3D-geprintet und die Bewegung einer CNC-Fräse für einen persönlichen Pokal programmiert«, erklärt Möller.

Exkursionen wie ins Geologie-Museum, Paintball und Rafting-Touren rundeten das dreiwöchige Programm ab.
 


 

Mehr als 60 Universitäten in Osteuropa stehen bei den ›Go East Sommerschulen‹ des DAAD als mögliche Aufenthaltsziele zur Wahl.
Quelle: DAAD


Die organisatorischen Aspekte meisterte Möller mit Hilfe verschiedener Stellen. Für die Visumsbeantragung ist in Russland eine Einladung des Gastgebers erforderlich. Diese wurde von der Gastgeberuniversität an Möllers Hochschule gesendet, wodurch der Student kostenfrei ein Visum bei dem Konsulat der Russischen Föderation vor Ort beantragen konnte. Den Flug buchte Möller selbstständig bei einer selbst gewählten Fluggesellschaft.

»Seitens des DAAD bekam ich Unterstützung in Form eines Reisekostenzuschusses, anfallenden Kursgebühren und Verpflegungskosten. Bei entsprechend günstiger Flugbuchung waren somit alle anfallenden Kosten der Reise gedeckt«, so Möllers Rückblick. Sein Fazit fällt entsprechend positiv aus: »Das begleitete ›DAAD Go East‹-Programm kann ich jedem empfehlen. Ich habe einen wichtigen Einblick bekommen, bin der Kultur näher gekommen und verstehe die Hintergründe und Zusammenhänge besser. Alles das, was einem als Tourist normalerweise verwehrt bleibt.«

›Go East‹: Programminitiative des DAAD

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter ›Go East‹? »Go East ist eine Programminitiative des DAAD aus dem Jahre 2000, in der es darum ging und geht, mehr deutschen Studierenden ein Studium, einen Studien- oder Forschungsaufenthalt oder auch ein Praktikum in den ehemaligen sozialistischen Ländern Osteuropas nahezubringen. Dazu waren besonders kurzfristige Aufenthalte geeignet – Semesterstipendien und Sommerschulen. Da die Zahl der Deutschen, die sich für einen Aufenthalt in Osteuropa interessierten, stetig sank, war diese Initiative sinnvoll und wurde, was die Teilnehmerzahlen belegen, gut angenommen«, erklärt Dr. Thomas Prahl, Leiter des Referats ›Russische Föderation/Belarus‹ beim DAAD.

Den ausgewählten deutschen Studenten für die Sommerschulen wird ein Stipendium für die Lebenshaltungskosten gewährt, eine Versicherung finanziert, eine Reisekostenpauschale gezahlt und ein Großteil der Kursgebühren erstattet. Viele Leistungen sind dafür landesspezifisch. Voraussichtlich werden in diesem Jahr über 700 Studierende in 60 Sommerschulen gefördert. Die Ausschreibung erfolgt durch die jeweiligen ausländischen Hochschulen, die auch die Bewerbungen entgegen nehmen und die Endauswahl der Teilnehmer durchführen. Der DAAD übernimmt dann die Finanzierung der oben aufgeführten Leistungen. Die Programme unterscheiden sich alle voneinander, können durch die Interessenten aber auf den Internet-Seiten vorab eingesehen werden. Die Kurse werden in deutscher oder englischer Sprache durchgeführt.

Summer School in Shanghai

Es gibt aber auch Summer Schools im fernen Osten, beispielsweise in Shanghai. Christopher Schräder nahm 2012 an der Shanghai Summer University teil. Gefördert wurde sein Aufenthalt ebenfalls durch den DAAD, allerdings durch die Programmlinie ›PROMOS‹, bei der Studien- und Forschungsaufenthalte sowie Summer Schools und Praktika unterstützt werden.

Hier läuft die Bewerbung nicht über den DAAD, sondern die Heimatuni. Die Sommeruniversität behandelte das Thema ›World Economics in Times of Crises – All sitting in one boat?‹. Neben den Teilnehmern von Schräders Heim-Uni, der Goethe-Universität in Frankfurt, nahm eine gleiche Anzahl von chinesischen Studenten der Tongji University an dem Kurs teil.

»Gleich zu Beginn bekam jeder deutsche Student ein chinesisches Tandem zugelost, mit welchem man am Ende eine Präsentation zu einem mit dem Kursinhalt zusammenhängenden Thema hielt. Die Vorlesungen fanden in der Regel vormittags statt und wurden sowohl von chinesischen als auch deutschen Dozenten gehalten. Der Nachmittag stand generell zur freien Verfügung. Sowohl die zweite als auch die dritte Woche behandelten anschließend ein spezielles Thema, zu welchem je ein chinesischer und ein deutscher Dozent Vorlesungen hielten. Am Ende der dritten Woche fanden die Präsentationen statt, für welche jede Gruppe einen 15-minütigen Vortrag vorbereiten musste. Nach den Präsentationen wurde am letzten Tag eine Klausur geschrieben«, fasst der Student der Wirtschaftswissenschaften zusammen, und ergänzt: »Neben dem akademischen Teil beinhaltete das Programm noch einige Tagesausflüge, deren Kosten in der Teilnehmergebühr bereits enthalten waren. Während meines Aufenthalts haben wir einen eintägigen Ausflug in die Stadt Suzhou gemacht, wo wir Tempel und Gärten besichtigt haben.

Ein weiterer Ausflug fand nach Chongming Island statt, eine Insel nördlich von Shanghai, die zwar noch zur Stadt zählt, die mit ihren weitläufigen Parks und Grünflächen allerdings ein willkommenes Kontrastprogramm zum teils hektischen Leben in der Innenstadt darstellt.« Und so überrascht es nicht, dass das Fazit des 24-Jährigen entsprechend positiv ausfällt und auch dich animieren sollte, eine Bewerbung für eine Summer School loszuschicken:

»Die dreiwöchige Sommeruniversität in Shanghai war ein sehr gelungenes Programm, das neben dem akademischen Part auch tolle und interessante Rahmenveranstaltungen beinhaltet hat. Durch den gemeinsamen Unterricht mit den chinesischen Studenten und dem Tandem-Programm hat man viel über China und seine Kultur lernen können. Die Teilnahme kann ich somit jedem nur empfehlen.«

 

Mehr Informationen zu den ›Go East‹-Sommerschulen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes findest du unter goeast.daad.de.


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