Schriftzug Volunteer
Tumisu / pixabay

Volunteering: Was dafür spricht und was du beachten solltest

Reisen und dabei Gutes tun – klingt erst mal so, als sei daran nichts Negatives zu finden. Doch wer sich vorab nicht informiert, läuft gefahr, mehr zu schaden als zu nutzen

 

Zuhause abklären Das macht einen guten Anbieter aus

  • die Kosten sind transparent und klar begründet
  • es besteht die Möglichkeit, dass du vorab mit Leuten vor Ort sprechen
  • kannst die Organisation lässt dir eine genaue Beschreibung der Aufgaben und Erwartungen an die Teilnehmer zukommen
  • die Organisation setzt dich nur für Aufgaben ein, für die du auch qualifiziert bist
  • du wirst während des Aufenthaltes betreut und hast einen konkreten Ansprechpartner
  • Menschenrechte und Kinderschutzrichtlinien werden gewahrt
  • die Organisation arbeitet schon einige Zeit, kann Referenzen vorweisen und es gibt Angaben über die Rechtsform
  • die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen ist transparent dargelegt
  • in Artenschutzprojekten ist kein direkter Kontakt wie Kuscheln oder Streicheln zu Wildtieren vorgesehen

Vor Ort Diese Fragen helfen dir dabei, für dich selbst zu klären, ob dein Volunteeringtrip wirklich einen ›guten Zweck‹ erfüllt

  • Übernimmst du Verantwortung vor Ort und löst dadurch Probleme?
  • Verhältst du dich proaktiv und bringst dich ein?
  • Verhältst du dich respektvoll und wissbegierig, um von den Leuten vor Ort zu lernen und ihre Perspektive und Herangehensweise zu verstehen?
  • Gehst du Schwierigkeiten mit einer positiven Grundhaltung an und akzeptierst kulturelle Unterschiede?

Volunteering ist nicht gleich Volunteering

  • klassisch  Mitarbeit im Projekt für mehrere Monate
  • flexibel  kurzes Engagement, meist mehrere Wochen
  • Workcamp  sehr kurzer Aufenthalt zwischen vier bis sechs Wochen, Arbeit in einem konkreten Projekt mit Menschen aus Gastländern. Der Fokus liegt auf interkulturellem Verständnis

Was & Wo

  • beliebteste Ziele  Süd- und Ostafrika, Südostasien, Lateinamerika
  • Tätigkeitsfelder  Umweltprojekte wie Müll sammeln und soziales Engagement etwa in Frauenhäusern, Kindergärten, Altenheimen

 

Große schwarze Augen, das Gesicht von rundlichen Babyzügen geformt, der tapsige Gang – Löwenbabys, genauer, verwaiste Löwenbabys, rühren selbst das Herz des abgebrühtesten Players. Warum also nicht in den Semesterferien nach Südafrika fahren, das exotische Land genießen und sich um die süßen Großkatzenjungen kümmern, die ihre Mütter auf scheinbar tragische Art verloren. Daran kann doch nichts verkehrt sein. Oder doch?

Guter Wille - schlechte Folgen

Es kann. Weiß Helen Schüssler vom Deutschen Global Nature Fund. Die Organisation setzt sich gemeinsam mit dem Wildlands Conservation Trust aus Südafrika gegen das Geschäft mit dem Tierleid ein. Bis zu 2.400 Euro im Monat zahlen die freiwilligen Helfer, um Löwenbabys auf sogenannten Löwenfarmen mit der Flasche zu füttern. Was sie nicht wissen: Sind die Tiere ausgewachsen, werden sie zum Abschuss an zahlungskräftige Großwildjäger freigegeben. Die Löwenmütter starben nicht etwa bei einem Unfall – auch sie wurden zuvor gewildert oder sind für die weitere Zucht noch am Leben. Ein krudes Business, indem der gut gemeinte Urlaubstrip blutiges Glied in der Kette der Abzocker wird.

Die Gutmenschenfalle

Worst Case Szenario also, das will keiner. Und nicht nur im Tierschutzbereich lassen sich Beispiele für die ›Gutmenschenfalle‹ finden – fragwürdige Waisenhausprojekte, in denen die Kinder – ähnlich wie die Löwenjungen – nur zur Tarnung zu Waisen gemacht werden, gehören etwa in diese Kategorie. Was also kannst du tun, um einen solchen Reinfall zu vermeiden? Der erste Schritt sei, sich mit der eigenen Erwartungshaltung, Motivation und Zielsetzung auseinanderzusetzen, erklärt Robert M. Bichler von DeeperTravel, ein Verein, der sich mit Themen wie nachhaltigem Reisen, weltweiter Freiwilligenarbeit und Volunteer Tourismus auseinandersetzt. Demnach gilt: ins Thema und Zielland einlesen, mit verschiedenen Organisationen sprechen, Erfahrungsberichte checken.

»Wichtig ist die Erkenntnis: Volunteers arbeiten in erster Linie deshalb freiwillig im Ausland, um sich selbst ›zu helfen‹, um sich weiterzuentwickeln, Menschen kennenzulernen, eine tolle Reise zu erleben und viel über andere Lebensrealitäten und globale Zusammenhänge zu lernen. Wer der Meinung ist, ›den Anderen‹ zu helfen, hat eine falsche Erwartungshaltung.«

Positive Bilanz für Volunteering

Wenn die eigentliche Motivation also ich selbst bin – sollte ich dann überhaupt noch zur Freiwilligenarbeit aufbrechen?

»In wenigen Wochen wirst du nicht das Hungerproblem in Afrika lösen, aber du lernst es in Ansätzen kennen und dieses Wissen wird dein künftiges Verhalten beeinflussen«,

erklärt Lennard Helmer von der Studentenorganisation AIESEC, die verschiedene Global Volunteer Angebote im Programm hat.

Und genau deshalb, so Helmer, sollten grade junge Leute weiterhin ins Ausland und sich mit den Problemen vor Ort auseinandersetzen. Schließlich könnte jeder dieser Freiwilligen derjenige sein, der auf innovative Weise den Klimawandel stoppt oder in seinem Unternehmen für die Ächtung von Kinderarbeit bei Lieferanten sorgt. Helmer zieht insgesamt eine positive Bilanz des Volunteerings:

»Wer weiß: Vielleicht führen Freiwillige vor Ort Gespräche, die das Leben anderer positiv beeinflussen und neue Perspektiven eröffnen. Dann haben sie die Welt auch wieder etwas besser gemacht.«


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