Oecotrophologe: Berufsbild, Gehalt, Stellenangebote

Wir essen, um zu leben. Oecotrophologen freut’s: Weil alle Welt isst, finden sie gute Beschäftigungsmöglichkeiten.

Was machen Oekotrophologen? Ernährungswissenschaftler bestimmen zum Beispiel, was auf deiner Tiefkühlpizza landet. Foto: Nestlé
Pizza - Berufsbild Oekotrophologe

Sichere Arbeitsplätze für Oecotrophologen

Es gibt ja Branchen, die gelten als chronisch krisenfest. Die Ernährungsindustrie ist so eine davon. Weil: Gegessen wird ja immer. Irgendwie. Und dann ist sie auch noch eine der sechs umsatzstärksten Industriezweige in Deutschland, mit 6.000 Betrieben, die mit mehr als einer halben Million Beschäftigter rund 130 Milliarden Euro umsetzen.

Es ist eine Schlüsselindustrie, auch und gerade für Oecotrophologen. Und das nicht nur weil die Arbeitsplätze in ihr nach wie vor als weitgehend sicher gelten. Die Lebensmittelindustrie bietet seit Jahren mehr als die Hälfte aller Stellen für Ernährungswissenschaftler, hat eine Analyse des Verbandes der Oecotrophologen (VDOE) ergeben. Zugleich überwiegt aber bei vielen Absolventen nach wie vor eine kritische Haltung gegenüber der Industrie, sagt selbst der eigene Verband.

Stellenangebote für Oecotrophologen:

Oekotrophologen in der industriellen Forschung

Das gilt auch – nein: gerade – für jene, die in die Forschung wollen. Industrielle Forschung, das heißt hier in der Regel:

  • Produktentwicklung
  • Konservierung
  • Veredlung von Lebensmitteln

Bei Ferrero etwa, einem der Marktführer in der Süßwarenwirtschaft, wirken Ernährungswissenschaftler immer wieder bei der Industrialisierung neuer Produkte mit, sagt Jan Westphal, zuständig für Personalentwicklung.

Sie analysieren und bewerten die Qualität, überwachen die Rezepturen der jeweils von ihnen betreuten Produktfelder. Auch bei Nestlé gibt es immer wieder Oecotrophologen in der Produktentwicklung, zumindest, wenn sie eine fundierte chemische Ausbildung haben und also mit den Lebensmittelchemikern konkurrieren können.

Führungspositionen stehen für Oecotrophologen offen!

Und bei Kraft Foods Deutschland ist selbst der Senior Director Nutrition, Scientific und Regulatory Affairs, wie sich Gerd Harzer offiziell nennt, von Haus aus ein Oecotrophologe.

»Man muss immer auch Leute haben, die ernährungswissenschaftliche Sachverhalte einschätzen können und wissen, ob Omega-3-Fettsäuren in einer Schokolade nun sinnvoll sind oder nicht.«

Bei Kraft Foods werden immer wieder Führungspositionen mit Oecotrophologen besetzt, etwa dort, wo es um Kaffee oder Sensorik geht. »Und schließlich«, sagt Harzer, »kann ich in der Industrie mehr Einfluss auf die Gesundheit der Gesellschaft nehmen als in der Ernährungsberatung«.

Die Industrie ist dabei nach wie vor und aller Konzentrationen zum Trotz eher mittelständisch geprägt, mit einem Umsatzdurchschnitt von 25 Millionen Euro. Die Weltmarktführer Nestlé, Unilever und Kraft Foods haben 2007 zusammen einen Umsatz von acht Milliarden Euro erwirtschaftet, selbst die zehn größten Unternehmen kamen zusammen lediglich auf 14 Prozent des Branchenumsatzes. Zugleich sind Oecotrophologen in den mittelständischen Unternehmen oft eher als jene klassischen Allrounder gefragt, als die sie ausgebildet werden. Im medizinischen Bereich sind Oecotrophologen beispielsweise beim klinischen Monitoring für die Durchführung und Überwachung von Studien zuständig.

Sie analysieren, welche Daten erhoben werden sollen, entwickeln ein Konzept und organisieren Screenings, in denen mögliche Probanden getestet werden. Etwa dort, wo das Krankheitsbild Diabetes sowie dessen Ursachen und Präventionsmöglichkeiten erforscht werden, so wie am Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden oder am Institut für Diabetesforschung in München. Auch in der Pharmaindustrie, bei der Herstellung von Medikamenten oder Kosmetika sowie in der Biotechnologie sind Oecotrophologen anzutreffen.

Gehalt als Oecotrophologe

In der klassischen Forschung verdienen Oecotrophologen dabei laut der Vergütungsberatung Personalmarkt im Schnitt 49.000 Euro, während in der Produktentwicklung sogar 52.000 Euro pro Jahr zu verdienen sind. Deutlich weniger gibt es demzufolge in der Qualitätssicherung (40.000 Euro Jahresgehalt) und erst recht in der Ernährungsberatung (30.000 Euro).

Laut VDOE verdient jeder Dritte Oecotrophologe zwischen 30.000 und 45.000 Euro, Produktmanager oder Leiter im Qualitätsmanagement können mit deutlich mehr rechnen: erstere im Mittel mit 60.000 Euro, sagt das Beratungsbüro Rau Consultants, letztere sogar mit 75.000 Euro.

Beliebte Bereiche von Oekotrophologen

Nach einer Studie des Branchenverbandes VDOE will mehr als die Hälfte aller Absolventen in der Ernährungs- und Verbraucherberatung arbeiten, ein weiteres Drittel in der Aus- und Weiterbildung. Dahinter erst rangieren in der Beliebtheit Forschung & Wissenschaft mit knapp 31 Prozent. Ganz am Ende der Skala stehen die Werbung (zwei Prozent), Vertrieb & Außendienst (fünf Prozent), sowie Marktforschung und Statistik mit knapp acht Prozent.

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Ernährungswissenschaften: Jobs

Oeco- oder Ökotrophologie?

Das Wort Ökotrophologie stammt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus:

  • 'oikos', Haus
  • 'trophe', Ernährung
  • 'logos', Lehre

Oecotrophologen sind also Haushalts- und Ernährungswissenschaftler. Es gibt zwei Schreibweisen, Oecotrophologie und Ökotrophologie - beide sind korrekt. Suchst du also zum Beispiel nach Studiengängen, lohnt es zu beiden Wörtern die Suchmaschine deiner Wahl zu befragen. Wir verwenden auf dieser Seite, wie du sicher bereits gemerkt hast, die Bezeichnung 'Oecotrophologie'.

Oecotrophologie: Interdisziplinärer Studiengang

Oecotrophologen werden interdisziplinär ausgebildet, um den Anforderungen in der Lebensmittelindustrie gerecht zu werden. Neben naturwissenschaftlichen Fächern, wie beispielsweise Chemie und Medizin, lernst du darüber hinaus Inhalte aus den Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie und vielem mehr!

Alltag einer Oecotrophologin

Britta Sanner, Oecotrophologin

Die meisten ihrer Kollegen haben vier Beine. Und schnurren und bellen, sobald Britta Sanner sie um ihre Einschätzung bittet. Die Oecotrophologin lässt bei Mars Petcare die firmeneigenen Katzen und Hunde ihre Tierfutterkreationen verkosten.

»Ich arbeite als Analytical Lab Scientist im Forschungslabor an der Entwicklung und Optimierung der sensorischen Attribute unserer Produkte«, erklärt die 26-Jährige. »Hierbei analysiere ich zum Beispiel mittels Gaschromatografie das Aroma. Außerdem entwickle ich die Schmackhaftigkeit des Nassfutters weiter.«

Deshalb arbeitet Sanner nicht nur im Labor, sondern kann in der Mars-Pilotfabrik auch selber Prototypen produzieren. Das Labor ist an eine Versuchsfabrik angeschlossen, in der die Entwickler in einer einfachen Versuchsküche köcheln und auch an realitätsnahen Produktionsmaschinen arbeiten können. Die tierischen Geschmackstester bewohnen ein eigenes Haus nebenan.

Britta Sanners liebster Verkoster für die eigenen Kreationen? »Mein Hund Moritz!« Britta Sanner trifft beim Einkaufen ständig auf ›ihre‹ Produkte. Im Supermarktregal steht Hunde- und Katzenfutter, das sie bei Mars Petcare optimiert hat.