Crop Science: Der Kampf gegen den Hunger

Herausforderung: Genug Essen für die Menschheit! | Foto: secretgarden / Quelle: PHOTOCASE

Pro Jahr werden es 81.664.687 Menschen mehr, das sind im Schnitt pro Tag 223.739 und pro Sekunde 2,6. Zieht man davon wiederum 56,26 Millionen Menschen ab, die jährlich sterben, merkt man: Es herrscht kein Gleichgewicht. Wir werden immer mehr und mehr. Letztes Jahr waren wir schon 7,24 Milliarden, 2020 sollen es bereits 7,72 Milliarden sein und 2070 teilen sich laut Statista mehr als zehn Milliarden Menschen die Erde.

Diese Zahlen machen nicht nur etwas schwindelig, sie werfen auch unfassbar viele Fragen auf – allen voran: Wovon sollen sich all diese Menschen ernähren, gibt es doch heute schon Engpässe und Hungersnöte in vielen Teilen der Welt. Hinzu kommt der Klimawandel – das Hauptproblem, wie Annaleen Kurfess feststellt. Die 28-Jährige studiert an der Hochschule Hohenheim Crop Sciences mit Spezialisierung ›Plant Nutrition and Protection‹ und erklärt weiter, dass sich die Niederschläge verschieben, es weniger Regen im Frühjahr und Sommer gibt und dieser den Pflanzen im Sommer fehlt.

Obwohl wir in Deutschland noch in einer relativ glücklichen Situation sind und dieses Defizit dank Bewässerung beheben können, muss dieses Problem in anderen Ländern dringend anderweitig gelöst werden.

Die größten Herausforderungen: Klimawandel und Insekten

Daran arbeiten Annaleen Kurfess und Pedro Correa Brauner, ebenfalls Masterstudent der Crop Science an der Uni Hohenheim, aber mit Spezialisierung auf ›Plant Breeding and Seed Sciences‹. Der Brasilianer, der seinen Bachelor in Brasilien gemacht und in den USA gearbeitet hat, erklärt, dass er weniger im Klimawandel die größte Herausforderung sehe als in der wachsenden Weltbevölkerung:

»Der Fokus liegt auf der ständigen Produktion von Nahrungsmitteln beziehungsweise deren Grundlage, deshalb arbeiten wir an neuen Methoden, wie Pflanzen effizienter werden.«

Doch da alle Effizienz nichts nützt, wenn sich vor der Ernte eine Armada an Schädlingen an den Pflanzen gütlich tut, beschäftigen sich die beiden in ihrem Studium auch mit der Schädlingsbekämpfung:

»Durch den Klimawandel können hier auch Schädlinge überleben, die es sonst eher im Mittelmeerraum gibt oder die mehrere Lebenszyklen durchlaufen, weil es wärmer wird und sie deshalb die warmen Winter relativ unbeschadet überstehen können«, so Annaleen Kurfess.

Brauner spricht in diesem Zusammenhang einen besonders fiesen Schädling an, der sich in das Innere von Maisstängel bohrt und große Teile der Ernte vernichtet. Speziell für diesen Fall sucht er mit seinen Kommilitonen nach Genen von Maissorten mit besonders harten Stängeln, um diese wiederum in ›schwächere‹ Pflanzen einzusetzen und sie so vor dem Schädling zu schützen.

Die Entwicklung eines Pflanzenschutzmittels

»Eine Art Arzneimittel für Pflanzen«, beschreibt Dr. Klimov Evgueni Pflanzenschutz und damit ihre tägliche Arbeit. Die Formulation Chemist arbeitet bei BASF im Formulation Development Crop Protection, in dem Pflanzenschutzprodukte aus neuen und vorhandenen Wirkstoffen entwickelt werden:

»Momentan arbeite ich zusammen mit meinem Team an mehreren Produkten, die Unkräuter auf Mais- und Rapsfeldern in der frühen Wachstumsphase der Nutzpflanzen effektiv bekämpfen. Die größte Herausforderung besteht darin, den Wirkstoff so zielgenau wie möglich auf die Pflanze zu bringen, um Umwelt, Menschen und Tiere zu schonen«, beschreibt die 38-Jährige und geht weiter darauf ein, dass hier sowohl die Vorgaben des Gesetzgebers als auch gesellschaftliche Anforderungen zu berücksichtigen sind.

Die Entwicklung eines Pflanzenschutzmittels ist stets ein interdisziplinärer und internationaler Prozess, bei dem weltweit unter anderem Wirtschaftswissenschaftler, Landwirte, Biologen, Chemiker, Toxikologen, Agronomen und Ingenieure zusammenarbeiten. Dabei nehme vor allem die Kommunikation, Integration und Akzeptanz der kulturellen Besonderheiten jeden Teammitglieds eine Schlüsselrolle ein, so Evgueni.

Bis ein Pflanzenschutzmittel einsatzbereit ist, können bis zu zehn Jahre vergehen. Schließlich sind umfangreiche Studien durchzuführen, dem Gesetzgeber gegenüber nachzuweisen und dass das Produkt sowie seine fachgerechte Anwendung keine negativen Folgen für Umwelt, Menschen und Tiere mit sich bringt – erst dann erfolgt eine Registrierung und das Produkt darf verkauft und eingesetzt werden. Und es ist dafür zu sorgen, dass mehr von der Ernte übrigbleibt: »Pflanzenschutzmittel können dem Landwirt helfen, auf bestehender Ackerfläche mehr zu ernten und die Qualität der Erzeugnisse zu verbessern. Bei wachsender Bevölkerung und Nachfrage nach Nahrungsmitteln ist das ein sehr wichtiger Aspekt. Ohne diese Helfer wäre es weitaus schwieriger, bezahlbare landwirtschaftliche Produkte – sei es für Menschen oder Tiere – zur Verfügung zu stellen«, sagt die Chemikerin.

Gentechnologie – ja oder nein?

Inwieweit hier auch Gentechnologie eine Rolle spielt, kann Annaleen Kurfess sagen:

»Diese steht zwar nicht im Fokus, wird aber auch nicht ausgeklammert. Ich finde es wichtig, sich damit zu beschäftigen, vor allem, weil es in anderen Ländern eine große Rolle spielt. Es wäre falsch, die Studenten in der genfreien Europa-Blase zu lassen. Man muss sich damit genauer befassen, um sich objektiv dagegen oder dafür entscheiden zu können.«

Evelyn Eberl

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Evelyn Eberl

eberl(at)audimax.de
Telefon: 0911-23779 41

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Crop Science: Studium

Die Universität Hohenheim ist eine der wenigen Hochschulen in Deutschland, die ein Studium im Bereich der Crop Science anbietet.

Im Gegensatz zum Bachelor ist das Masterstudium englischsprachig, die zwei Hauptschwerpunkte sind dabei › Plant Nutrition and Protection‹ und ›Plant Breeding and Seed Science‹.

Wo arbeiten nach dem Studium?

Möglichkeiten nach dem Studium erschließen sich in folgenden Bereichen: Saatgutzüchtung, chemisch-pharmazeutische Industrie, Consultingunternehmen, NGO’s, private und öffentliche Forschungsinstitute.

Im Erntejahr 2013/14 wurden weltweit insgesamt rund 2,443 Millionen Tonnen Getreide produziert.

Pflanzenschutzmittel

Bei einer Umfrage im Jahr 2013 gaben im Schnitt 35 Prozent der in Westdeutschland Befragten an, dass Pflanzenschädlinge durch chemische Pflanzenschutzmittel bekämpft werden sollten, 34 Prozent waren für den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen, die sich selbst gegen Schädlinge schützen können und 25 Prozent waren weder für die eine noch die andere Maßnahme.

Traurige Wahrheit

Im Zeitraum 2012 bis 2014 litten in Indien 190,7 Millionen Menschen an Unterernährung. Auf dem traurigen zweiten Platz ist China mit 150,8 Millionen. (Quelle: Statista)

Foto: Pixabay / CC0

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