Biotechnologin im Labor

Biotechnologie in der Pharmabranche

Biotechnologen helfen Menschen heilen. Und die Branche wird in Zukunft noch wachsen.

Einsatz von Biotechnologen in der Pharmabranche

Biotechnologen helfen Menschen heilen. Ihre Arbeit in der Pharmabranche bildet die Grundlage für neue Medikamente und Therapien gegen Krebs, Diabetes oder Altersdemenz. Und die Branche wird in Zukunft noch wachsen.

Etwa 6.000.000 Menschen leiden in Deutschland an Diabetes. Ihre Bauchspeicheldrüse stellt zu wenig Insulin her. Daher müssen sie zusätzlich Insulin spritzen. Bis in die 1980er Jahre wurde das Hormon von Schweinen oder Rindern verwendet. Mit negativen Konsequenzen für die Betroffenen, denn der menschliche Körper wehrt sich gegen tierische Hormone. Dann entschlüsselten Biotechnologen das Gen für Insulin im menschlichen Erbgut und schleusten es in Bakterien ein. Heute ist Humaninsulin aus der Behandlung von Diabetes nicht mehr wegzudenken. Die Haut ist mit zwei Quadratmetern das größte menschliche Organ. Sie schützt unser Inneres vor der Außenwelt. Schlimm, wenn sie etwa durch einen Unfall zerstört wird. Lange waren dann Transplantationen die einzige Hilfe. Inzwischen haben Biotechnologen es geschafft, künstliche Haut im Labor herzustellen.

Stammzellen aus Haarwurzeln des Patienten werden isoliert und dann Stück für Stück zu Hautzellen programmiert. So können Unfallopfer neue, eigene Haut bekommen. Das sind nur zwei Beispiele der Arbeit von Biotechnologen im Gesundheitswesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ist die Biotechnologie in der Krise gewachsen.

»Die Finanzkrise hat in der Biotechnologie überhaupt keinen Einbruch verursacht«, bestätigt Dr. Carsten Roller vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO).

Das ist auch das Ergebnis einer Firmenumfrage der Informationsplattform biotechnologie.de im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. So ist die Zahl der Beschäftigten 2009 erstmals auf über 30.000 gestiegen. Der Umsatz lag bei zwei Milliarden Euro. Auch die Forschungsausgaben blieben mit einer Milliarde Euro auf Vorjahresniveau. Und es ist davon auszugehen, dass die Branche weiter wachsen wird:

»Die Prognose ist auf jeden Fall positiv«, erklärt Carsten Roller. »Das liegt daran, dass es viele Krankheiten gibt, für die wir noch keine Therapie haben. Ein Beispiel dafür wäre natürlich Krebs, aber in der alternden Gesellschaft auch die neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Altersdemenz. Deutschland ist außerdem führend bei der Produktion von therapeutischen Antikörpern. Momentan werden bis zu 90 Prozent der Arbeitsplätze im Bereich Biotechnologie in der roten Biotechnologie neu geschaffen.«

Die meisten der Biotech- Unternehmen in Deutschland gehören zur so genannten ›roten‹ Biotechnologie, sie beschäftigen sich mit der Entwicklung von Medikamenten und neuen Methoden der Diagnostik. Die Suche nach Therapien und Impfstoffen stellt auch weltweit den wichtigsten Anwendungsbereich der Biotechnologie dar. Bei Roche, einem der »weltweit führenden internationalen Healthcare- Unternehmen« liegt der Schwerpunkt auf der Krebsforschung. »Wachstumshemmung, Vernichtung von Tumorzellen, Verhinderung der Metastasenbildung – das sind die Bereiche, in denen Roche immer wieder nach neuen Wegen für die Krebstherapie sucht«, weiß Head of HR Marketing und Recruiting Bettina Marcinkowski von der Roche Diagnostics GmbH.

Karrierechancen bei Roche Diagnostics

Dafür braucht Roche ständig neue Mitarbeiter. »Das Werk in Penzberg ist einer der wichtigsten und größten Biotech-Standorte innerhalb des Roche-Konzerns, der auch immer weiter ausgebaut wird. Dafür haben wir einen kontinuierlichen Bedarf an Absolventen und Young Professionals für die Neu- und Nachbesetzung in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion, Qualitätssicherung, Einkauf sowie Marketing und Sales. Insbesondere suchen wir Absolventen der Biologie, Biochemie, Chemie und Biotechnologie, außerdem Mediziner und Ingenieurwissenschaftler.« An den Standorten Mannheim und Penzberg arbeiten 4.181 Naturwissenschaftler, davon sind 2.010 Frauen. Eine von ihnen ist Biotechnologieingenieurin Mariel Beck. Die 25-Jährige ist in der Abteilung Molekularbiologie tätig: »Wir versuchen, therapeutische Antikörper zu entwickeln, analysieren die DNA und konstruieren Vektoren.« Dabei steht am Anfang der Arbeit immer die Planung: »Viele Protokolle lesen, wie man es machen könnte, wie man das Projekt molekularbiologisch am besten umsetzt«. Erst dann geht es ins Labor. »Unsere Arbeit ist daher sehr gemischt: mal praktisch, mal mehr vor dem Computer.«

Auch Dr. Tobias Nottorf verbringt »85 Prozent der Zeit mit dem Projektmanagement«. Der 32-Jährige arbeitet seit 2006 bei sanofi-aventis als Laborleiter. »Ich habe ein Team von drei Mitarbeitern. Wir entwickeln Prozesse mit tierischen Zellen zur Herstellung von Biopharmazeutika. « Außerdem ist er GenTG-Projektleiter und verantwortlich für die Qualitätskontrolle. »Ein Tipp für die Studierenden: Schon während des Studiums einen Kurs zum GenTG-Projektleiter machen«, rät er. Wichtig sei es zudem, »sich breit zu qualifizieren, aber auch zu spezialisieren – auch wenn das paradox klingt. Man muss Experte auf seinem Gebiet sein, aber auch mit allen sprechen können. Das ist das Kunststück. «

Beruflicher einstieg bei Sanofi-Aventis

Bei sanofi-aventis ist »der klassische Einstieg für einen promovierten Naturwissenschaftler in den allermeisten Fällen eine Position als Laborleiter«, erläutert Flavia Bach, Leiterin Personal Forschung & Entwicklung. »Sie sind für die wissenschaftliche Projektbearbeitung zuständig und führen circa zwei bis vier Mitarbeiter. Absolventen mit Diplom im Biotechnologie-Ingenieursstudiengang können bei uns als Laboringenieur ihren Einstieg finden.« Naturwissenschaftliche Biotechnologen sind vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. »Hier sind sie insbesondere bei der Entwicklung neuer biotherapeutisch her gestellter Medikamente wie monoklonaler Antikörper oder bioaktiver Proteine wie Insuline beteiligt .« Auch im Bereich Industrial Affairs, wo »die zugelassenen Medikamente für den Markt produziert werden, bieten sich Einsatzmöglichkeiten für Biotechnologen«.

Gerade im Bereich der Forschung ist ›lebenslanges Lernen‹ ein großes Thema. »Wissenschaftler müssen sich ständig weiterbilden, damit sie nicht stehen bleiben«, sagt Michael Kraupa, HR Direktor für Biopharmazeutika bei Boehringer Ingelheim. »Daher haben wir eine eigene interne Akademie und unsere Mitarbeiter bekommen Entwicklungspläne. Wir erwarten aber auch, dass sich der Mitarbeiter selber um seine Weiterentwicklung kümmer t.« Boehri nger Ingelheim will 2011 »im zweistelligen Bereich einstellen, hauptsächlich Biologen, Chemiker und Biochemiker, die bei uns beispielsweise als wissenschaftlicher Mitarbeiter, in der Qualitätssicherung und in Forschung und Entwicklung einsteigen können«.
Wer in der Biotechnologie arbeiten will, kann sich auch während seines Masterstudiums noch spezialisieren .

Dr. Carsten Roller: »Durch das Bachelor-Master-System ist es im Grunde egal , welches biologiewissenschaftliche Grundstudium man macht. Man kann sich im entsprechenden weiterführenden Masterstudiengang spezialisieren. Aber auch mit einem Biologie-Bachelor kann man in der Biotechnologie einsteigen. «Fachmessen wie die Biotechnica und die Analytica, aber auch fachspezifische Jobbörsen seien neben den Webauftritten der Unternehmen empfehlenswert, um auf Jobsuche zu gehen. Auch Mariel Beck hat so ihre Stelle gefunden:

»Auf einer Jobmesse habe ich eine Personalerin von Roche kennengelernt und mich sehr nett mir ihr unterhalten. Darauf habe ich mich dann auf eine Stelle beworben und bin genommen worden.«

 


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