Nahaufnahme Mund einer Frau mit Kristall zwischen den Zähnen

Qualitätsarbeit: Nawis in der Konsumgüterindustrie

Lebensmittel und Co. haben einen langen Weg hinter sich, bevor sie in den Regalen landen. Um den Verbrauchern Qualität zu bieten, setzt die Konsumgüterindustrie auf Nawis.

Deutsche Konsumgüterwirtschaft kann sich trotz der Krisen der vergangenen Jahre nicht beklagen

Im Gegenteil: Eine aktuelle McKinsey-Studie mit dem Namen ›Deutschland 2020‹ prognostiziert der Branche in den kommenden zwölf Jahren sogar ein deutlich größeres Wachstum, als dies in den letzten zwölf Jahren der Fall war.

Das bedeutet natürlich gleichzeitig, dass der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften weiter steigen wird. Auch Naturwissenschaftler aller Disziplinen haben beste Chancen, in diesen Bereich einzusteigen, meint Prof. Dr. Monika Pischetsrieder vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Erlangen-Nürnberg.

»Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie sind wichtige Arbeitgeber, ein guter Anteil unserer Absolventen kommt in der Branche unter«, erklärt sie. »Dabei kommt es nicht selten vor, dass gute Leute sich aussuchen können, wohin sie gehen möchten.« 

Das mögliche Einsatzgebiet von Lebensmittelchemikern in der Konsumgüterwirtschaft ist breit gefächert

Die Hauptbereiche sind Qualitätsmanagement und -sicherung, Laborleitung, Produktentwicklung oder die Beratung von Unternehmen bei Rechtsfragen, die beispielsweise EU-Richtlinien betreffen. Auf diese und weitere Aufgaben werden die Studierenden in Erlangen bestens vorbereitet. Das Grundstudium setzt sich mit naturwissenschaftlichen Grundlagen wie organischer, anorganischer und physikalischer Chemie, Biologie sowie Mathematik und Physik auseinander. Im Hauptstudium, das im Gegensatz zu den vielen neuen Bachelorstudiengängen noch mit einem alles umfassenden Staatsexamen abgeschlossen wird, kommen dann Fächer wie Lebensmittelchemie, Lebensmittelmikrobiologie, Lebensmitteltechnologie, molekulare Ernährungsphysiologie, Toxikologie und Lebensmittelrecht dazu. Monika Pischetsrieder betont: »Arbeitgeber schätzen sehr, dass wir den Studierenden eine praktische, analytische Ausbildung zukommen lassen und dadurch Fähigkeiten schulen, die sie später in der Arbeit sehr gut brauchen können.«

Auf Know-how aus ihrem Studium kann auch Nadja Neumann zurückgreifen. Sie hat an der TU Kaiserslautern Mathematik mit Nebenfach Biologie studiert und sich zusätzlich mit dem Vertiefungsfach Optimierung sehr gut auf ihren jetzigen Job in der Warenflusssteuerung des Bio-Handelsunternehmens Alnatura vorbereitet. »Ich habe während des Studiums ein Bewusstsein für die große Bedeutung des Supply Chain Managements in der Konsumgüterindustrie und die besonderen Herausforderungen in diesem Industriezweig entwickelt«, erzählt die 29-Jährige, die in ihrem Job unter anderem für die Analyse der Warenströme entlang der kompletten Lieferkette vom Hersteller bis in die ›Alnatura Super Natur Märkte‹ oder zu Handelspartnern zuständig ist. »Dort, wo Optimierungspotenzial besteht oder Änderungen beziehungsweise Neuerungen bevorstehen, mache ich eine quantitative und eine qualitative Bewertung von logistischen Handlungsoptionen und unterstütze die Kollegen dann bei der Umsetzung«, beschreibt sie einen ihrer Aufgabenbereiche. Von einem ›ganz normalen Arbeitstag‹ kann sie aber nicht erzählen. Das liegt daran, dass das Supply Chain Management im strategischen Bereich angesiedelt ist und es schlichtweg kein fest abgestecktes Tagesgeschäft gibt. Ein Umstand, den die Diplom-Mathematikerin besonders spannend findet. »Es sind sehr abwechslungsreiche Themengebiete und verschiedenartige Projekte. Dadurch erhalte ich einen umfassenden Einblick in die gesamte Lieferkette und habe Kontakt zu vielen Abteilungen«, antwortet sie auf die Frage, was ihr an ihrer Arbeit besonderen Spaß macht. Dabei ist sie sich auch der vielen Herausforderungen bewusst, denen sich jedes Unternehmen der Branche stellen muss, um künftig konkurrenzfähig zu bleiben. »Man muss sich gerade als Naturwissenschaftler erst mal ein gewisses betriebswirtschaftliches Denken aneignen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.«

Nadja Neumann hat sich nach ihrem Abschluss gezielt nach Arbeitgebern mit besonderem sozialen und ökologischen Engagement umgeschaut. Damit ist sie auf einen Zug aufgesprungen, der künftig noch an Fahrt gewinnen dürfte: Die bereits erwähnte McKinsey-Studie zur Entwicklung der deutschen Konsumgüterindustrie sieht in Herstellung und Handel von Bio-Produkten einen von vier wichtigen Trends mit großem Wachstumspotenzial. Das sind Zukunftsaussichten, die auch Julia Thormann freuen werden. Die Diplom-Psychologin arbeitet seit fünf Jahren als Leiterin der Mitarbeitergewinnung und -entwicklung bei Alnatura und ist somit auch maßgeblich an der Rekrutierung von Naturwissenschaftlern beteiligt. Eingestellt werden beispielsweise Agrarwissenschaftler, Ökotrophologen, Biologen, Lebensmittelchemiker und – wie im Falle Nadja Neumanns – Mathematiker. An ihrem Beispiel verdeutlicht Julia Thormann, dass es bei Arbeitsbeginn noch gar nicht so wichtig ist, alle für die Stelle notwendigen Arbeitsabläufe bereits zu beherrschen. »Für die Warenflusssteuerung haben wir eine Person gesucht, die analytisch denken und kombinieren kann und dazu gerne und gut mit sehr komplexen Zahlenmatrizen jongliert«, erklärt die 34-Jährige.

»Wir waren überzeugt, dass Nadja Neumann das nötige logistische Fachwissen schnell lernen wird.« Das hat sich bestätigt und damit wurde auch Julia Thormanns grundsätzliche Haltung zu diesem Thema noch einmal untermauert: »Fehlende fachliche Kenntnisse kann man erlernen, das gilt insbesondere für Hochschulabsolventen.«

Elementare Einstellungskriterien sind für die Personalverantwortliche soziale Kompetenzen, die mit den Unternehmensgrundsätzen übereinstimmen. Darunter fallen Selbstverantwortlichkeit und ganzheitliches Denken, aber auch das Interesse am gemeinsamen Gelingen im Team. Die hohe Bedeutung dieser Social Skills für einen runden Arbeitsablauf kann Nadja Neumann nur bestätigen.

»Kommunikative Fähigkeiten, Teamgeist und Hilfsbereitschaft sind enorm wichtig, da man oftmals auf Informationen anderer angewiesen ist und im Gegenzug Kollegen gerne unterstützen sollte.«

Auch Monika Pischetsrieder vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Nürnberg-Erlangen ist davon überzeugt, dass gerade die Interdisziplinarität von Jobs in der Konsumgüterindustrie ein hohes Maß an sozialer Intelligenz erfordert. Sie legt außerdem hohen Wert darauf, dass ihre Studierenden lernen, sich gut darzustellen, und versucht beispielsweise in ihren Seminaren, diese Kompetenz mit Präsentationen zu schulen.

»Das wird jeder mal brauchen«, bekräftigt sie, »jeder muss im Beruf seine Ideen und Ergebnisse auch darstellen können.«

Zusammenfassend lässt sich nach Ansicht von Mathematikerin Nadja Neumann Folgendes sagen: »Ob man als Naturwissenschaftler in der Konsumgüterindustrie Karriere macht, hängt nicht vorrangig davon ab, welches Studium man absolviert hat, sondern von den anschließend im Arbeitsalltag erwiesenen Leistungen und menschlichen Qualitäten.« Es ist eben wie mit den zahlreichen, verschiedenartigen Produkten, die die Branche herstellt – nur die Allerbesten erhalten das ›Prädikat: wertvoll‹.


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