Fernrohr am See mit Stadt in der Ferne

Aktuare rechnen mit unserer Zukunft

Aktuar: Der perfekte Beruf für Absolventen auf der Suche nach einer Kombination aus Stochsastik, Mathematik und Wirtschaft

Seit Jahrhunderten wagen Menschen mit Vorhersagen den Blick in die Zukunft. Nostradamus ist wohl einer der bekanntesten von ihnen. Ob er als Aktuar eine große Karriere vor sich gehabt hätte, ist trotzdem fraglich. Denn auch wenn Aktuare ebenfalls ›mit der Zukunft rechnen‹, so hat ihre Arbeit doch recht wenig mit dem Blick in die Glaskugel zu tun, sondern basiert auf wissenschaftlich-belegbaren Disziplinen wie der Stochastik, Statistik oder Mathematik.

Als Risiko-Experten sind sie für die finanzielle Bewertung und Steuerung zukünftiger Ereignisse verantwortlich und nutzen dazu mathematische und statistische Methoden. Damit wäre auch die Frage aus dem Weg geräumt, die sich laut einer Umfrage immerhin 72 Prozent aller Eltern stellen, deren Kind sich für diese berufliche Laufbahn entscheidet: Was macht denn ein Aktuar eigentlich? In vielen Branchen gebraucht

»Es gibt einfach nicht viele Branchen, in denen die Vorgehensweisen der Mathematik auch im Berufsalltag noch eine große Rolle spielen«, so beschreibt Martin Heinen mit Begeisterung seinen Beruf.

Nach dem Mathematikstudium kam der 35-Jährige zur Hannoverschen, wo er inzwischen die Abteilung Grundsatz Vertrieb leitet. Seine Aufgabenbereiche gehen über die reine Mathematik hinaus, bis hinein in die Programmierung und Softwareentwicklung. Doch Aktuare arbeiten längst nicht mehr nur für Versicherungen, sondern auch für Banken, Bausparkassen oder Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. So auch Katja Schneider, die bei der internationalen Unternehmensberatung Mercer Teamleiterin im Bereich Retirement ist. Als Aktuarin für betriebliche Altersvorsorge (bAV) betreut sie hier verschiedene Unternehmen, entwickelt Gutachten für betriebliche Versorgungspflichten und kennt sich sonst auch im Steuer- und Arbeitsrecht aus. »Unsere Herausforderung liegt in adäquater Beratung, um die Sorgen der Kunden zu lindern«, beschreibt sie.

Beim täglichen Kundenkontakt ist natürlich eine »team- und kundenorientierte Arbeitsweise« gefragt. Auch Martin Heinen wird mit sich wandelnden Risiken konfrontiert – der demographische Wandel ist nur eines davon. »Die Gesellschaft wird immer älter und wir müssen trotzdem für eine sichere Altervorsorge sorgen«, erläutert er.

Mehr als Mathe

Allein über grundlegendes Verständnis und Gespür für mathematische Arbeitsweisen zu verfügen und mit stochastischen und statistischen Modellen sicher umzugehen, reicht für den Beruf demnach nicht aus. Um die Entwicklungen von neuen gesellschaftlichen Risiken zu durchblicken, muss ein Aktuar auch über tiefe Einblicke und umfassendes Wissen in den Bereichen Versicherungswesen, -recht, Rechnungslegung sowie Risikomanagement und -steuerung verfügen. Er ist also kein Wissenschaftler, der sich für seine Berechnungen im stillen Kämmerchen verkriecht. »Ein hohes Maß an Flexibilität und Lösungsorientierung ist notwendig«, weiß auch Angel Angelov, Aktuar bei der Hannover Rück SE. »Daten können fehlerhaft, unvollständig oder nicht ausreichend sein, Modelle sind durch starke Vereinfachung der Realität und reine Annahme bestimmter Sachverhalte entstanden. Nichtsdestotrotz wird am Ende ein Ergebnis angestrebt, das schlüssig, vertretbar und auf die Praxis übertragbar ist«, beschreibt er.

Gerade deshalb ist ein tiefer gehendes Wissen der Versicherungswirtschaft unabdingbar, um mit finanz- und versicherungsmathematischen Modellen und Methoden die komplexen Risiken und Sachverhalte in eine optimale Lösung zu übertragen. Das erfordert die Fähigkeit zum eigenverantwortlichen und lösungsorientierten Arbeiten – auch in einem speziellen oder unbekannteren Umfeld. Zudem werden aktuarielle Aufgaben häufig von mehreren Experten bearbeitet. Martin Heinen erzählt:

»Ich verbringe viel Zeit in Terminen. Es wollen Arbeitspakete definiert, überprüft und an die Projektauftraggeber berichtet werden und die Kollegen in der Informatik benötigen entsprechende Vorgaben.«

»Auch Fremdsprachenkenntnisse«, ergänzt Angel Angelov, »können in einem internationalen und von Zusammenarbeit geprägten Umfeld zusätzlich von Vorteil sein.«

Zudem sollten Interessenten für den Einstieg über eine starke Affinität zur IT und Programmiererfahrung verfügen. Aufgrund der Digitalisierung benötigen die zukünftigen Aktuare häufig gute EDV-Kenntnisse und Programmier- und Softwareentwicklungsaufgaben gehören oft zum Tagesgeschäft.

Ein tolles Gesamtpaket

Ein Studium mit einem starken Fokus auf Mathematik und Stochastik ist für eine Aktuarslaufbahn zwar von Vorteil, jedoch nicht der einzige Zugang. Da der Beruf so vielseitig ist, arbeitet Angelov mit ganz unterschiedlichen Kollegen zusammen: »Physiker, Geographen oder Wirtschaftswissenschaftler mit einem starken quantitativen Fokus.« Gerade ein breit aufgestelltes Team kann auch in Zukunft dafür sorgen, dass neue Risiken »gut quantifizierbar und besser messbar werden können«, schließt er. Wer also eine Tätigkeit sucht, die ein tolles Gesamtpaket aus Mathematik, Informatik, Datenverarbeitung und Wirtschaft bietet, der sollte auf jeden Fall damit rechnen, dabei auch auf die ein oder andere Ausschreibung für eine Aktuarsstelle zu treffen.


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