Nahaufnahme mathematisches Formelbuch
Pexels / pixabay

Jobs für Mathematiker: Einstieg, Branchen, Trends

Job-Einmaleins für Mathematiker - Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Berufswelt: So kannst du mit Mathe durchstarten

 

Was früher nur im Elfenbeinturm der Universitäten stattfand, hat längst Einzug in unser tägliches Leben gehalten: Wo habe ich guten Handyempfang? Wie kommt mein Paket schnell bei mir an? Wie finde ich in Onlinesuchmaschinen die passende Antwort auf meine Fragen? Hinter all diesen Prozessen stecken mathematische Modelle und Lösungen. Mathematiker sind also auf vielen Feldern gefragte Mitarbeiter.

Zahlreiche Arbeitsgebiete für Mathematiker in der Wirtschaft

»Der Beruf des Wissenschaftlers ist für ehrgeizige und exzellente Mathematiker nach wie vor interessant«,

sagt Thomas Vogt von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

»Darüber hinaus stehen Mathematikern in der Wirtschaft zahlreiche Arbeitsgebiete in Forschung und Anwendung offen.«

Die Einsatzbereiche reichen von der Softwareentwicklung und der IT-Sicherheit über die Bildbe- und -verarbeitung bis zur Logistik, wo zum Beispiel Warenströme oder Fahrrouten optimiert werden.

»Diese neuen Aufgaben werden für Mathematiker immer wichtiger und ergänzen die klassischen Arbeitgeber wie Schule, Hochschule, Versicherungen und Banken«,

so Vogt.

Als Mathematiker bei einer Bank

Nach wie vor suchen natürlich auch Finanzhäuser Mathematiker – so zum Beispiel die DZ Bank. Inga-Kerstin Brinkmann betreut dort die Mitarbeiter für das Konzern-Risikocontrolling, wo die meisten Mathematiker des Unternehmens arbeiten.

»Hier beschäftigen sich die Experten unter anderem mit Marktpreis-, Liquiditäts- oder Kreditrisiken«,

erklärt Inga-Kerstin Brinkmann.

»Sie entwickeln Modelle für das Risikomanagement und setzen diese in der Messung, Überwachung und Steuerung der Risiken ein.«

Ein Studienabschluss in Mathematik – vorrangig als Master – reicht allerdings nicht aus, um als Absolvent bei einer Bank einzusteigen.

»Bewerber sollten ihren Schwerpunkt auf Finanzmathematik gelegt haben und wissen, wie eine Bank funktioniert.«

Aus diesem Grund stellt die Personalerin gern Wirtschaftsmathematiker ein, die gelernt haben, ihr Wissen in die Praxis umzusetzen. Praktika bei einer Bank oder in einer Unternehmensberatung, die sich mit finanzmathematischen Modellen beschäftigt, sind von Vorteil. Hinzu kommen Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, komplexe Themen einfach zu erläutern.

Herausforderungen für Mathematiker in der Consultingbranche

Soziale Kompetenz ist auch für Philipp Jostarndt, für Recruiting zuständiger Partner bei der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group, sehr wichtig. Schließlich werden die Mathematiker von Anfang an in Kundenprojekten eingesetzt.

»Die Hälfte unserer Berater hat einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, die andere Hälfte andere Abschlüsse, darunter sind auch viele Mathematiker«,

erläutert Philipp Jostarndt.

Wer von der Hochschule kein Wirtschaftswissen mitbringt, wird vor seinem Einstieg in die Projektarbeit durch ein spezielles Training und auf Kundenprojekten fit gemacht. Die Unternehmensberatung stellt gern promovierte Kandidaten ein, nimmt aber genauso auch Bachelor- und Masterabsolventen auf, sofern sie zu den Besten ihres Jahrgangs gehören. Jostarndt schätzt Mathematiker vor allem aufgrund ihrer Fähigkeit, logisch, klar und nüchtern zu denken. Dabei müssen sich ihre Aufgaben gar nicht auf die klassischen Mathematiker-Themen wie Modelle und Statistiken beschränken.

»Der besondere Reiz ist ja gerade, mal etwas Neues auszuprobieren und aus seiner Komfortzone herauszutreten.«

Herausforderungen finden Mathematiker aber nicht nur in der Consultingbranche, sondern auch in zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen.

36 Prozent aller Mathematikstudenten streben eine Promotion an, 30 Prozent promovieren tatsächlich.

Einer der wichtigsten  Preise für Mathematiker: der Abel-Preis, verliehen von der Norwegian Academy of Science and Letters www.abelprize.no

4.400 Euro verdienen Mathematiker im Durchschnitt in Deutschland. Die Bandbreite in den Branchen ist allerdings groß.

Praxis-Check

Wirtschaft oder Wissenschaft? Mathematiker finden vielerorts spannende Jobs

Arbeiten in der Wissenschaft

Björn Gebhard,

wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gießen

 

»Nach meinem Masterabschluss an der Universität Gießen habe ich mich auf eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter beworben, um in Mathematik zu promovieren. Für meine Doktorarbeit untersuche ich ein Modell für die Bewegung von Wirbeln in Flüssigkeiten. Mit dynamischen Systemen habe ich mich schon in meiner Bachelor- und Masterarbeit gern beschäftigt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bin ich auch für Lehraufgaben zuständig: Ich halte jede Woche eine Übung für die Studierenden, organisiere Klausurtermine und Räume oder schreibe für meinen Professor Lösungen für Hausaufgaben. Den Großteil meiner Arbeitszeit kann ich jedoch für die Forschung an meinem Promotionsthema aufwenden. Ich hoffe, bis März 2018 fertig zu sein, weil dann meine befristete Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter zunächst ausläuft. Danach möchte ich mir eine Postdoc-Stelle suchen und weiter forschen. Ich liebe den Kampf gegen interessante Rätsel und freue mich immer, wenn es nach langen Forschungen endlich Klick macht und die Lösung gefunden ist.«

Arbeiten bei einer Versicherung

Andreas Pretzsch,

Aktuar und Berater bei msg life in Hamburg

»In meinem Mathematikstudium an der Technischen Fachhochschule in Berlin habe ich mich mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Statistik befasst und ein Praktikum bei einem Versicherungsunternehmen gemacht. Nach meinem Diplom bin ich beim IT-Spezialisten msg life eingestiegen, der Software- und Consultinglösungen für die Versicherungsbranche entwickelt. Ich berate unsere Versicherungskunden zur Produktgestaltung und überlege mit ihnen, wie unsere Software optimal für sie gestaltet werden kann. Mein Themengebiet ist die Zulagenverwaltung für die Riester-Rente. Unsere Software wickelt hier den Meldeverkehr zu den Behörden ab. Selber programmieren muss ich zwar nicht, aber es ist für die Kommunikation mit unseren Softwareentwicklern gut, Programmierkenntnisse zu haben. Für meine Tätigkeit als Berater für Versicherungsunternehmen war es sinnvoll, berufsbegleitend die Weiterbildung zum Aktuar, also zum Versicherungsmathematiker, zu absolvieren. Damit kenne ich mich jetzt noch besser in der Versicherungswelt aus.«

Spezialisieren und Netzwerken

Anwendungsnahe Fachrichtungen

Wirtschaftsmathematik, Technomathematik, Computermathematik, Biomathematik, Finanz- und Versicherungsmathematik

Mathematiker, vereinigt euch

Wer den Austausch mit anderen Matheliebhabern sucht und auch was für das eigene Karrierenetzwerk tun möchte, sollte sich die folgenden Organisationen näher ansehen:

Inforunde

Quality wins

Engagement um die Ausbildung von Mathematiker-Nachwuchs wird belohnt: Jedes Jahr wird der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre in Mathematik und Naturwissenschaften verliehen

www.stifterverband.org/ars-legendi-mn

Ab ins Museum

Manchmal inspiriert auch der Blick in die Vergangenheit ungemein. Wo hinschauen? Mathematische Museen gibt es einige. Zum Beispiel das Arithmeum in Bonn, das Mathematikum in Gießen, das Erlebnisland Mathematik in Dresden oder das Exploratorium in San Francisco.

Auf Nummer sicher

Für die Versicherungsbranche können sich Mathematiker zu Aktuaren weiterbilden. Infos dazu findest du hier werde-aktuar.de

Am Ball bleiben

Auf ScienceBlogs schreiben Forscher über das, was sie bewegt. Hier geht‘s zum Matheblog: scienceblogs.de/mathlog


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