Mann mit Zöpfen an denen bunte Luftballons hängen
Die Mathematik hält vielseitige Karrieren bereit kaethia / Quelle:PHOTOCASE

Als Mathematiker Karriere machen

Mathematikabsolventen haben die besten Voraussetzungen, um in zahlreichen Branchen Fuß zu fassen. Hier siehst du, wo und wie du als Mathematiker durchstarten kannst!

Karriere als Mathematiker – ein Überblick

Die Welt der Zahlen hält einige Jobmöglichkeiten bereit. Der Lehrerbedarf im Fach Mathematik ist nach wie vor sehr hoch, aber nicht der Traum eines jeden Absolventen. Wir werfen einen genauen Blick auf die Alternativen:

Die Klassiker für Mathematiker – z.B. Karriere in der Bank

Solide Bestandsgrößen unter den Arbeitgebern für Mathematiker: Banken, Versicherungen, ja die gesamte Finanzdienstleistungsbranche stellt Mathematikabsolventen mit Kusshand ein. Dort kann in unterschiedlichsten Gebieten wie Risiko oder Finance handfeste Finanzmathematik betrieben werden – reale Fälle und problembezogene Aufgabenstellungen warten auf die Berufseinsteiger. Wer beispielsweise als Aktuar für eine Versicherung arbeiten möchte, muss zwar noch eine zusätzliche dreijährige Berufsausbildung auf sich nehmen, der Aufwand lohnt sich jedoch dank entsprechend guter Bezahlung. »Wenn Bewerber neben dem Mathematik- oder Statistikstudium fundiertes Wissen über die Marktgesetzmäßigkeiten im Bereich der Versicherungen, Produktkenntnisse sowie solide Kenntnisse in Stochastik mitbringen, haben sie gute Chancen auf einen Posten als Aktuar«, so Katharina Zehner, Personalmarketing bei R+V. Eine weitere, naheliegende Option für Mathematiker bietet das Berufsfeld der Unternehmensberater. Thomas Vogt, Sprecher der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), merkt zwar an, dass die Branche nicht unbedingt speziell für Mathematiker geschaffen ist, aber »der Trend der letzten Jahre zeigt, dass Unternehmensberatungen gerne Naturwissenschaftler einstellen, die sehr zielorientiert arbeiten und sehr strukturiert denken können.«

Mathematiker: Karriere als Agent

Mathematiker im Auftrag des Staates gehören nicht nur zum Repertoire von Bond-Filmen. Die Aufgabenfelder für Mathematiker im Geheimdienst haben in den vergangenen Jahren merklich an Umfang gewonnen, Stichwort Big Data: »Die Auswertung von großen Datenmengen lassen sich letztendlich nur mit mathematischen Methoden in den Griff bekommen. Und das gilt für die NSA genauso wie zum Beispiel für astronomische Daten, die Forscher über die Bewegung von Himmelskörpern, über Signale von Sonden und so weiter sammeln«, so Vogt. Ob in der Astrophysik mittels Superteleskopen, wie beispielsweise jenes in der chilenischen Atacamawüste, oder in der Teilchenphysik bei Experimenten zur Teilchenkollision am CERN – einst kaum denkbare Datenmengen werden heutzutage binnen Sekunden produziert, so umfangreich, dass es einige Anstrengungen erfordert, diese überhaupt in Sekundenbruchteilen zu speichern. Die immensen Datenhalden, die hierbei entstehen, erfüllen natürlich keinen Selbstzweck: Sie warten nur darauf, dass sie analysiert, klassifiziert und reduziert werden. Und das, so Vogt, funktioniere nur mit mathematischen Methoden. »Am Ende betrachtet man vielleicht höchstens ein Prozent der gesammelten Daten wirklich genauer. Bei der Reduktion der enormen Mengen auf das Wesentliche keine Fehler zu machen, das sind große Herausforderungen, bei welchen Mathematiker eine zentrale Rolle spielen.«

Mathematiker in der Medizin: Datenanalyse im Kampf gegen Krebs

Auch in der Medizin können Mathematiker durch Datenanalyse Großes leisten. An der FU Berlin wurde mittlerweile eine mathematische Methode entwickelt, mit der bestimmte Krebszellen im Blut frühzeitig erkannt werden können. Dieses Projekt aus der Biomathematik, dessen Kern die Selektion einer winzigen Anzahl von Daten aus dem Informationswirrsal einer Blutprobe ist, die auf die Existenz von Tumorzellen hindeuten, steht nun kurz vor der klinischen Erprobung. Gerade diese Querschnittsbereiche der Biomathematik, bei denen die Fachgrenzen zwischen Medizin, Mathematik und Informatik verschwimmen, erweisen sich als zukunftsträchtiges Arbeitsfeld für Mathematiker, die den Blick über den Tellerrand des Faches werfen möchten.

Vielseitigkeit als Mathematiker

Prinzipiell ergeben sich aus der engen Verknüpfung von Mathematik mit anderen Fachgebieten eine Fülle an beruflichen Möglichkeiten. Auch in der Softwareentwicklung finden sich diverse berufliche Betätigungsfelder für Mathematiker. Wem als Mathematikabsolvent Programmieren nicht absolut fremd ist, kann sich beispielsweise in der Spiele- oder App-Entwicklung umsehen, beides junge, aufstrebende Bereiche, die selbst noch im Aufbau sind. Aber auch Themen wie Geoinformatik – die Erfassung, Speicherung, Analyse, Visualisierung und Interpretation von Geodaten – oder etwa Software-Entwicklung im High-End-Bereich für Profifotografie stehen hier zur Wahl. Kleine und große Unternehmen wie Google suchen Mathematiker, die deren Suchalgorithmen verbessern und Suchmaschinenoptimierung betreiben.

Mathematiker in der IT-Sicherheit

Weiter können Mathematiker sich auch mit dem spannenden Feld der Internetsicherheit beschäftigen: Ein gezielter Hackerangriff kann Unternehmen in den Ruin treiben. So geschehen beispielsweise dem britischen Hosting-Anbieter ›Code Spaces‹: Um Lösegeld zu erpressen, legten Hacker damals mit einem Denial-of-Service-Angriff die Plattform für Softwareentwickler für 48 Stunden lahm und griffen auf den Administratorzugang eines angemieteten Cloud-Speicherplatzes zu. Die Geschäftsführung wollte nicht zahlen, woraufhin die Angreifer begannen, Daten zu löschen. Weil dabei nahezu alles, inklusive Sicherheitskopien, verloren ging, musste das Unternehmen den Betrieb einstellen. Solche Szenarien zu verhindern, ist die Aufgabe von IT-Sicherheitsexperten mit ­mathematischen, ingenieur- und naturwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen.

Für sie gilt es, »die aktuelle Bedrohungslage zu beobachten, sich in ­Angreifer hineinzuversetzen, Gegenmaßnahmen auszuarbeiten und ständig neue Angriffstechniken zu lernen«, weiß Sven Schriewer, Deputy Head IT Security Germany von der HSBC Deutschland. Ihn begeistert seine Arbeit in der IT-Sicherheit, weil sie kurz gesagt nie eintönig wird. Auch in der Informationstechnik des Bundesamts für Sicherheit (BSI) ist das Aufgabenspektrum von Mathematikern in der IT-Sicherheit breit gefächert: Grundlagenforschung, Analysen zu kryptografischen Verfahren sowie die praktische Anwendung und Optimierung mathematischer Prozesse gehören genauso dazu wie allgemeinere Aufgaben bei der Planung und Umsetzung von Projekten.

Gerade in der IT-Sicherheit können Mathematiker ihre Stärke in der ­analytischen Herangehensweise an neue Herausforderungen einsetzen. Sie müssen die Analysen und Gedanken aber auch kommunizieren können – mündlich und schriftlich, in Deutsch und in Englisch. »Insofern empfehle ich, an den Soft Skills zu arbeiten«, sagt Sven Schriewer von der HSBC Deutschland, »und jegliche Möglichkeiten zu nutzen, um Vorträge zu halten und erste Berufserfahrung in Projekten zu erwerben.« Aber auch andere Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Neugierde, Motivation zur permanenten Fortbildung, eine schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit, mit Kritik umzugehen, sind wichtig. Darüber hinaus seien ein allgemeines Verständnis für die grundlegenden Fragen der IT-Sicherheit sowie Programmierkenntnisse sehr hilfreich, so Dr. Christian Berghoff, ­Referent im BSI.

Der gleichen Meinung ist auch Thomas Dullien, Informa-tion ­Security Engineer bei Google Deutschland: »Mathematiker werden eingestellt, weil sie in der Lage sind, die Brücke zwischen dem Abstrakten und der praktischen Implementierung zu schlagen. Deshalb sollten sie neben Spaß am Arbeiten mit komplexen Systemen und deren Fehlfunktionen auch Programmierkenntnisse mitbringen.« Bei Google zum Beispiel wird Erfahrung in Sprachen wie C++, Java, Go oder Python vorausgesetzt. Denn die Arbeit von Mathematikern bestünde weniger im Vermuten und Beweisen, als vielmehr im Vermuten, Implementieren und der empirischen Demonstration von Verbesserungen.

Für Studis heißt das: Je mehr praktisches Hintergrundwissen sie haben, desto einfacher wird der Einstieg in das abwechslungsreiche Berufsfeld. Das Verständnis für IT-Sicherheit würden sich Interessierte mittels Online-Schulungen und IT-Security-Nachrichten sehr gut aneignen können, so Schriewer. Um Dinge wie etwa Maschinensprache oder Software-Analyse zu lernen, gebe es ebenfalls viele kostenfreie Ressourcen. Darüber hinaus, seien laut Dullien, auch ­›Capture-the-Flag-Events‹ – also Hacker-Wettbewerbe, bei denen Teams von Interessierten gegeneinander antreten – fantastische Möglichkeiten, um praktische Erfahrungen zu sammeln.

Mathematiker: Positive Zukunft auf dem Arbeitsmarkt

Insgesamt sind die Arbeitsmarktaussichten für Mathematikabsolventen ausgezeichnet: Meist müssen sie nur einige wenige Bewerbungen schreiben, um nicht mindestens eine Zusage im Briefkasten zu haben – eine priviligierte Situation. Arbeitgeber scheinen genau zu wissen, was der französische Forscher, Dichter und Schriftsteller Jean-Henri Fabre so schön formulierte:

»Die Mathematik ist eine wunderbare Lehrerin für die Kunst, die Gedanken zu ordnen, Unsinn zu beseitigen und Klarheit zu schaffen«

– und diese Kunst ist branchenübergreifend hoch im Kurs.


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