schwarzes Hirn auf gelbem Hintergrund gemalt
Naturwissenschaftler sind in der Consultingbranche beliebte Nachwuchskräfte chatchaisurakram - Fotolia

Nawis im Consulting: Karriere machen als Berater

Im Consulting warten auf Naturwissenschaftler steile Karrieremöglichkeiten – die Anforderungen sind allerdings hoch

In etwa so viele Einwohner wie Duisburg: 495.000 Erwerbstätige mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss waren im Jahr 2014 auf dem deutschen Arbeitsmarkt beschäftigt. Mit der Max-Planck-Gesellschaft, der Bayer AG, den Fraunhofer-Instituten, BASF und Merck stehen Forschungsinstitute und Großkonzerne auf den obersten fünf Rängen der beliebtesten Arbeitgeber für diese Absolventengruppe. Dass die Alternative Consulting mit attraktiven Einstiegsbedingungen aufwartet, ist für Naturwissenschaftler bei der Arbeitgeberwahl jedoch garantiert dennoch einen Blick wert.

Gehalt als Nawi in der Consulting-Branche

Durchschnittlich 46.500 Euro verdienen Naturwissenschaftler nach dem Berufseinstieg pro Jahr. Das sind etwa 1.500 Euro weniger, als das  Durchschnittsgehalt, mit dem Wirtschaftswissenschaftler in der Consultingbranche rechnen dürfen. Bei den Top-Firmen der Branche sind bei entsprechender Motivation und Leistungsbereitschaft sogar bis zu 70.000 Euro Jahresgehalt drin. Über die genauen Beträge wird öffentlich gerne Stillschweigen bewahrt. Allerdings steht fest, dass sich die Einstiegsgehälter in den folgenden Jahren noch einmal ordentlich steigern lassen, denn die Consultingbranche ist bekannt dafür, bei entsprechender Karriereentwicklung attraktive Boni zu vergeben. So bestätigt Christina Kremer, Teamlead Employer Branding bei EY:

»Wir erkennen und fördern Talente in allen Fachbereichen durch eine branchenübliche Vergütung, einen variablen Bonus sowie zahlreiche Sozialleistungen.«

Die Karriereleiter nach oben klettern als Naturwissenschaftler im Consulting

Und für noch etwas ist die Consultingbranche bekannt: eine schnelle Karriereentwicklung und eine steile Lernkurve. Die ersten zwei bis drei Karrierestufen werden in Ein- bis Zweijahressprüngen erklommen, wobei oft das ›Up or Out‹-Prinzip gilt – wer nicht aufsteigt, steigt aus. Selbstverständlich verlangt dieses Karriereprofil nach engagierten und ehrgeizigen Absolventen mit der Bereitschaft zu ständiger Weiterbildung.

Nawis punkten im Consulting mit Expertenwissen

Absolventen aus den Naturwissenschaften, die befürchten, dass Wirtschaftswissenschaftler ihnen zu viel betriebswirtschaftliches Fachwissen voraus haben, dürfen sich entspannen. Dr. Engin Beken, Manager bei Arthur D. Little, bestätigt:

»Wir sind immer auf der Suche nach neuen Talenten, klugen Köpfen und Persönlichkeiten, die einen hervorragenden Master- oder Diplomabschluss, vorzugsweise in Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften oder technischen Studiengängen mit betriebswirtschaftlicher Zusatzqualifikation vorweisen können.«

Auch Alexandra Meß, Recruiting Specialist bei Capgemini, kann gute Jobperspektiven für Absolventen aller Fachrichtungen garantieren. Gerade durch das ›Digital Transformation‹-Profil könne Capgemini seine Marktposition kontinuierlich ausbauen und bis zum Endes des Jahres 2016 sogar 160 weitere Berater einstellen, Fachrichtung flexibel. Ihren ökonomisch orientierten Kommilitonen haben Absolventen der Naturwissenschaften zudem eines voraus: ihr spezifisches Fachwissen.

»Naturwissenschaftler und Ingenieure gehen Probleme häufig anders an und helfen im Team zu innovativen und guten Lösungen zu kommen«,

so Dr. Michael Lierow, Partner bei Oliver Wyman. Ein Grundverständnis für wirtschaftliche Fragestellungen ist natürlich dennoch ein Must-have. Die meisten Beratungen bieten ihren Quereinsteigern ausführliche Seminare und BWL-Crashkurse, bevor die Jungconsultants in den Beratungsalltag entlassen werden. Das hilft Einsteigern nicht nur im Berufsalltag in der Beratung, sondern ist später auch eine wertvolle Zusatzqualifikation für den Lebenslauf.

Motivation und Engagement – das müssen Nawis als Consultants mitbringen

Viel wichtiger ist jedoch, dass Absolventen jeder Fachrichtung Engagement und Lernbereitschaft mitbringen. Dr. Michael Lierow wünscht sich bei Bewerbern »ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und Flexibilität, Motivation und Eigeninitiative«. Außerdem gefordert: Auslands­erfahrung und interkulturelle Kompetenz. Auch ein Muss ist die Bereitschaft zur Mobilität. Denn ein Consultant arbeitet nicht stationär im Büro, sondern überwiegend beim Kunden vor Ort. Das bedeutet: Montag bis Donnerstag aus dem Koffer leben, Freitag zur Dokumentenablage ins Büro. Arbeitswochen von über 40 Stunden sind in der Branche nach wie vor Usus. Dennoch: die Arbeitsanforderungen der Generation Y sind nicht spurlos an den Beratungs­unternehmen vorbeigegangen. Sie begegnen dem neuen Verständnis einer ausgewogenen Work-Life-Balance mit Teilzeit- und Homeoffice-Modellen. Vermehrt werden zudem Sabbaticals angeboten und auch wahrgenommen. Hervorragende Einsteiger erhalten zudem die Option auf die Förderung eines weiterführenden Studiums, wie eines Masters oder einer Promotion.

Gute Noten zählen zu den Anforderungen an angehende Berater

Entsprechend der Förderungsmöglichkeiten und Einstiegsgehälter sind jedoch auch die Anforderungen an Absolventen: Ein überdurchschnittlicher Studienabschluss, bestenfalls in der Regelzeit, wird gerne gesehen.

»Die Abschlussnote eines Absolventen ist ein wichtiges Kriterium, um die Bewerbung bewerten zu können«,

bestätigt Dr. Engin Beken, Manager bei Arthur D. Little. Dennoch sind gute Noten nicht alles.

»Wir achten auf das Gesamtbild und legen ebenfalls viel Wert auf praktische Erfahrungen, die während des Studiums gemacht werden»,

so der promovierte Maschinenbauer weiter. Consultingunternehmen bevorzugen Kandidaten mit einem spannenden Profil und Persönlichkeit. Wer ein Auslandssemester absolviert, sich ehrenamtlich engagiert, Freiwilligendienst geleistet oder sich sein Studium selbst finanziert hat, kann damit punkten. Absolventen, die zudem eine erfolgsorientierte, teamfähige und gleichzeitig bodenständige Persönlichkeit mitbringen und einschlägige Praktika in der Industrie vorweisen können, haben gute Chancen auf einen Zuschlag.


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