Berufsbild: Chemiker

Berufsbild: Chemiker

Emsig geforscht und entwickelt wird in der Chemischen Industrie: Die Ausgaben hierfür sind mit mehr als acht Milliarden Euro vergleichsweise hoch. Auch in puncto Umsatz sieht sich die Branche nach den ersten Wirren der Krise wieder auf Erholungskurs.

Chemische Industrie: Zukunftsperspektiven für Chemiker

Es gab Zeiten, da war die Chemie mehr als einfach nur ein Industriezweig. Von Bismarck etwa, dem Reichskanzler, ist der Satz überliefert:

»Es ist weniger die friedliche Gesinnung aller Regierungen, die den Frieden bisher erhält, als die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Chemiker«

Nun, inzwischen denkt man da anders. Das kann aber auch an den Politikern liegen. Und was die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit betrifft: Die Ausgaben der Chemischen Industrie für Forschung und Entwicklung sind überproportional hoch. 2008 waren es 8,4 Milliarden Euro, sagt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft – das ist deutlich mehr als etwa im Maschinenbau. Und: Noch mehr haben nur die Auto- und die Elektroindustrie. Jeder neunte Chemiemitarbeiter in Deutschland arbeitet heute in Forschung und Entwicklung, allen voran ist dabei natürlich die Pharmaindustrie. Da ist zum einen der Wettbewerbsdruck, zum anderen der hohe Aufwand für Tests zur Absicherung neuer Werk- und Wirkstoffe. Laut einer jüngst veröffentlichten Trend - umfrage des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) wollen die Firmen künftig verstärkt in alternative Energien und Ressourceneffizienz, in neue Materialien und umweltverträglichere Produkte investieren. Also in das, was man heute ‘Megatrends’ nennt. Die meisten Erzeugnisse der Chemischen Industrie entstehen dabei – für den Konsumenten unsichtbar – für wiederum andere Industriezweige. Nur etwa ein Siebtel der Waren kann man direkt im Laden kaufen: Als Arznei, Kosmetika und Waschmittel, Lacke und Farben, Klebe- und Dämmstoffe, Blumendünger oder Feuerwerkskörper. Insgesamt stellt die Chemische Industrie über 30.000 unterschiedliche Stoffe her. »Die langfristigen Perspektiven für unseren Industriezweig sind gut«, sagt Utz Tilmann, Hauptgeschäftsführer des VCI, auch wenn Branchenkenner derzeit nur mit einer schleichenden Erholung der Nachfrage bis 2015 rechnen.

Wie die Aussichten der Chemischen Industrie in diesem Jahr sind, kann man an ihren wichtigsten Absatzmärkten ablesen

Aussichten für ChemikerFür die Automobilindustrie wird das Jahr 2010 schwierig, auch aus dem Flugzeugbau sind wenig Impulse zu erwarten. Die Baubranche bietet da angesichts staatlicher Förderprogramme aktuell schon bessere Aussichten, auch die Elektronik- sowie die Pharmabranche erwarten solides Wachstum. Speziell letztere ist, auf lange Sicht gesehen, »immer noch eine Branche mit guten Zukunftsaussichten«, heißt es in der Studie ‘Deutschlands Zukunftsbranchen’, die der Verband Forschender Arzneimittelhersteller beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln in Auftrag gegeben hat. Sie war auch von der Krise kaum betroffen, sagen die Unternehmensberater von KPMG. Momentan, so heißt es beim VCI, sei nach dem Einbruch im vergangenen Jahr nun »die Talsohle der Rezession« erreicht. Optimistische Prognosen gehen für 2010 bereits wieder von einem Wachstum von drei Prozent aus.

Noch im ersten Halbjahr 2009 sank der Gesamtumsatz der deutschen Chemie um 16,5 Prozent auf 69,7 Milliarden Euro, viele Unternehmen setzten verstärkt auf Kurzarbeit – gut 50.000 waren davon betroffen. Doch es wurden auch Stellen abgebaut: Die Zahl der Beschäftigten sank um 0,5 Prozent auf 439.500. Mehr als drei Viertel dieser Arbeitsplätze leben vom Export. Vergangenes Jahr fiel die deutsche Chemie auf das Produktionsniveau von 2003, die Kapazitätsauslastung erreicht mit 72 Prozent einen Tiefstand. Von größeren Investitionen sah man in der Regel also ab. Immerhin blieben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung aber mehr oder minder konstant. Auch wenn das Bild in der Öffentlichkeit stets von wenigen börsennotierten Großunternehmen geprägt wird: Sowohl die Pharma- als auch die Chemiebranche sind stark mittelständisch ausgerichtet. 90 Prozent sind den kleinen und mittleren Unternehmen zuzurechnen, zusammen beschäftigen sie ein Drittel der Chemiemitarbeiter und tragen mehr als jeden dritten Euro zum Umsatz der Branche bei. 2007 etwa hatten rund 2.800 Unternehmen jeweils weniger als 100 Mitarbeiter, beschäftigten aber insgesamt fast 55.000 Menschen. Nur 67 Firmen hatten jeweils mehr als 1.000, insgesamt aber mehr als 230.000 Mitarbeiter. Zugleich stieg der Umsatz pro Beschäftigtem von 1991 bis 2006 zwar von 148.700 Euro auf 372.000 Euro pro Jahr an.

Arbeiten in der chemischen IndustrieIm gleichen Zeitraum sank aber die Zahl derer, die in der Chemiebranche Arbeit fanden massiv – von 716.700 auf 436.000. Besonders stark betroffen vom Abbau war dabei die Anorganische Chemie, die Fein- und Spezialchemie, aber auch der Bereich der Polymere sowie der Wasch- und Körperpflege. Gleichwohl ist die deutsche Chemische Industrie heute der sechstgrößte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. Dazu, verglichen mit anderen Ländern, die Nummer eins in Europa und die Nummer vier weltweit.

Auch beim Jahresumsatz nimmt sie mit 176,5 Milliarden Euro Platz vier ein, verglichen mit anderen Branchen hierzulande, übertroffen nur von Auto- und Elektroindustrie sowie dem Maschinenbau. Wer heute in der Chemischen Industrie arbeitet, verdient nach Angaben des VCI ein Fünftel mehr als der Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes, im Mittel fast 49.000 Euro brutto im Jahr. Allerdings verzeichneten die Führungskräfte 2009 Gehalts einbußen. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kam die jährliche Einkommensumfrage des Verbandes VAA – Führungskräfte Chemie unter 6.500 Beschäftigten.

Die Studie zeigt außerdem, dass die Unternehmensgröße entscheidenden Einfluss auf das Einkommen hat. Gerade junge Führungskräfte verdienen in Unternehmen ab 5.000 Mitarbeitern mehr als in kleineren Betrieben. Mit steigenden Berufsjahren schwächt sich dieser Trend allerdings ab. Auch die Höhe der Variablen hängt von der Firmengröße ab: Je größer das Unternehmen, desto höher der Anteil der Boni am Gesamt einkommen. Mit dessen Höhe steigt freilich auch die Arbeitszeit. Zwischen den einzelnen Hierarchiestufen zeigen sich hier klare Unterschiede. Durchschnittlich arbeiten die Führungskräfte in der chemischen Industrie nach eigenen Angaben 48 Stunden pro Woche. Auch die Gehälter in den Branchen Pharma & Life Sciences stiegen 2009 deutlich geringer als ein Jahr zuvor, sagt eine Vergütungsstudie, erstellt von der Managementberatung Kienbaum.

Studie zum Einkommen von ChemikernSie basiert auf den Daten von 86 Unternehmen. Dabei kann die Gehaltsspanne zwischen Pharma und Life Sciences für die gleiche Position erheblich sein. Leiter für Forschung und Entwicklung in der Pharmabranche beziehen mit durchschnittlich 147.000 Euro 22 Prozent mehr als ihre Kollegen aus der Agro-/Bio- und Gentechnologie. Ein Laborleiter verdiene in der Pharmabranche durchschnittlich 89.000 Euro. Die gleiche Position werde im Bereich Life Sciences mit 75.000 Euro vergütet, sagt Kienbaum. Generell ist auch hier der Anteil der variablen Vergütung hoch: 72 Prozent der medizinisch-wissenschaftlichen Leiter erhalten Boni in Höhe von durchschnittlich 31.000 Euro im Jahr. Für 68 Prozent der Laborleiter macht der variable Anteil 21 Prozent ihrer Gesamtbezüge aus. Auch das ist eine Folge der Rezession:

»Die variable Vergütung fördert die Identifikation und schafft Leistungsanreize«, sagt Christian Näser von Kienbaum, Projektleiter der Studie. »Gerade in Krisenzeiten ist ein hohes Engagement der Mitarbeiter für den wirtschaftlichen Erfolg dringend erforderlich«.

 

Fotos: Merck

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Lebensmittelchemiker und Acrylamid

Eine wichtige Entdeckung von Lebensmittelchemikern in den letzten Jahren war Acrylamid in Nahrungsmitteln.


Menschen, die mehrmals pro Woche Pommes oder Chips essen, haben einen erhöhten Acrylamidspiegel im Blut – ebenso Raucher.


Diese Erkenntnis führte zu der Vermutung: körpereigene Abbauprozesse tragen dazu bei, dass Acrylamid in den Blutkreislauf des Menschen gelangt.


Acrylamid entsteht bei Überhitzung von Stärke, besonders beim Backen, Braten, Grillen und Frittieren. Ausgangsstoff in Lebensmitteln ist die Aminosäure Asparagin, die vor allem in Kartoffeln und Getreide vorkommt.


Das heißt: Brot, Pommes frites, Kartoffelchips und auch Kaffee können hohe Mengen an Acrylamid enthalten.


Eine vollständig acrylamidfreie Ernährung ist momentan technisch nicht möglich.


Durch eine Änderung von Rezepturen und Herstellungsverfahren kann jedoch der Wert minimiert werden, beispielsweise durch die Absenkung der Höchsttemperatur beim Backen. Acrylamid gilt als wahrscheinlich krebserzeugend.

Praktiserfahrung im Labor: