Mann im weißen Hemd hält sich Herz aus Holz vor die Brust
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Interview mit Jörg Zimmermann von Vetter

»Expertenwissen gepaart mit Erfahrung bringt unsere Projekte voran«, sagt Jörg Zimmermann, Abteilungsleiter Prozessentwicklung bei Vetter. Hier liest du das komplette Interview.

Herr Zimmermann, welche Eigenschaften sollte man als Entwickler mitbringen?
Man sollte neugierig sein und gerne versuchen, Neues auszuprobieren. Das setzt aber auch voraus, dass man das Altbewährte kennt, damit man darauf aufbauen kann. Aus der richtigen Mischung an Wissen und Erfahrungen kann man dann etwas Neues schaffen.

Warum haben Sie sich gerade für ein Studium der Pharmazie entschieden?
Mich hat die grosse Bandbreite an naturwissenschaftlichen Disziplinen gereizt. Im Hauptstudium kommen dann alle pharmazeutischen Disziplinen zusammen und man lernt die Arzneimittel von allen Seiten kennen: Entwicklung, Herstellung, Testung, Pharmakologie und vieles mehr. Nicht vergessen darf man auch, dass gerade im Bereich pflanzliche Arzneistoffe in Deutschland sehr viel gemacht wird.

Was hat Sie während Ihrer Studienzeit begeistert? Was ging Ihnen eventuell gegen den Strich?
Das Pharmaziestudium ist in Deutschland ja sehr verschult und es gab damals noch weniger Wahlmöglichkeiten als heute. Die wirklich interessanten Dinge im Studium habe ich mir dann selber organisiert mit einem Auslands-Gaststudium an der Welsh School of Pharmacy in Cardiff, Wales, und einem längeren Praktikum in der Analysenmethodenentwicklung bei der Sandoz in Basel, heute Novartis.

Nach Ihrem Studium sind Sie bei Vetter eingestiegen. Warum haben Sie sich gerade für diese Stellen entschieden?
Interessanterweise hatte ich von Vetter als Lohnhersteller für vorgefüllte Spritzensysteme zum ersten Mal während meines Praktikums in Basel gehört. Als dort dann eine Stelle als Pharmaziepraktikant ausgeschrieben wurde, bewarb ich mich und wurde genommen. Das war Ende 1994, und seitdem bin ich bei Vetter. Was mich an Vetter gereizt hat, ist die Vielfalt an Produkten und Prozessen rund um die aseptische Produktion. Ich kann mit allen namhaften Pharma-Firmen weltweit zusammenarbeiten.

Wie ging es nach Ihrem Praktikum weiter?
Meine erste Stelle bei Vetter war in der Produktion als Assistent des Herstellungsleiters. 2001 durfte ich dann selbst als Herstellungsleiter die Leitung und den Aufbau des Standorts Langenargen am Bodensee übernehmen. Fast zehn Jahre habe ich dort gearbeitet und mit dem Team viel erreicht: Neue Anlagen wurden gebaut und validiert, neue Produkte eingeführt, Kunden und Behörden haben uns auditiert. So konnte ich selbst Erfahrungen mit der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA), aber auch mit den Behörden aus Deutschland, Mexiko und Brasilien sammeln.

In welcher Position arbeiten Sie heute und wie sieht Ihr Aufgabenspektrum aus?
Seit September 2010 leite ich die Abteilung Prozessentwicklung und Implementierung. Meine Gruppe beschäftigt sich dabei mit der Entwicklung von Produktionsprozessen für neue Produkte und führt diese neuen Prozesse in die Routine-Marktproduktion. Angefangen von ersten Laborstudien kann das schon mal zwei bis drei Jahre dauern.

Auf der Entwicklungsseite beschäftigen wir uns mit solchen Fragen wie: Wie muss der Herstellungsprozess für die Produktlösung sein? Welchen Pumpentyp setzen wir am besten für die Befüllung der Spritzen ein? Für die Implementierung der Prozesse auf den Produktionslinien wird eng mit dem Kunden zusammengearbeitet. Auf erste technische Läufe folgen die Stabilitäts- und Klinikchargen, schliesslich als letztes die sogenannten Validierungschargen, bevor die Einreichung bei den Behörden folgt. Mit den ersten drei reinen Marktchargen übergeben wir den Prozess dann an die Produktion.

Welche neuen Entwicklungen sehen Sie als Pharmazeut in Ihrer Arbeit als zukunftweisend?
In den 16 Jahren, in denen ich nun in der pharmazeutischen Industrie bin, hat sich so vieles weiter entwickelt, was man zu schnell als selbstverständlich hinnimmt. Die Herstellungsprozesse für Arzneimittel sind immer sicherer geworden, alle Aspekte werden in der Entwicklung berücksichtigt. Und das wird weitergehen: Für Krankheiten, die noch vor wenigen Jahren als unheilbar galten, gibt es inzwischen Medikamente. Wir arbeiten daran, dass das so weitergeht.

Wie schätzen Sie derzeit die Chancen für Absolventen der Pharmazie auf dem Arbeitsmarkt ein?
Das Wissen, welches im Pharmaziestudium vermittelt wird, haben in der Form wirklich nur die Pharmazeuten. Regelmäßig werden wir daher als Experten von unseren Kollegen angefragt und können unser Wissen einbringen. Damit sind die Apotheker in der pharmazeutischen Industrie nicht wegzudenken, und das in vielen Bereichen: Forschung und Entwicklung, Produktion, Qualitätssicherung sowie Qualitätskontrolle. Ich schätze die Chancen für Apotheker in der Industrie als sehr gut ein


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