Frau mit Badehaube hält Leopardenschal auf der Hand

Kosmetikwissenschaftler: Berufsbild, Arbeitsalltag

Schönheit hat ihren Preis – und ihre Entwicklungsstufen. Daran beteiligt sind Kosmetikwissenschaftler.

Mission: Schönheit

Ein bisschen mehr an Popularität kann nicht schaden. Keinem Studiengang und keinem Beruf. Im Gegenteil: Wer in den Medien genannt wird, kann sich im Grunde freuen. Es sei denn, er landet ausgerechnet auf der Gagliste von Harald Schmidt. An der Universität Hamburg, da könne man jetzt in einem neu eingerichteten Studiengang ›Kosmetikwissenschaft‹ das Schminken lernen, witzelte der Entertainer. Und er mokierte sich darüber, dass das wohl 8×4 Semester dauern würde.

Fast zehn Jahre ist das mittlerweile her und das Ausbildungs- und Berufsbild eines Kosmetikwissenschaftlers (und vor allem: einer Kosmetikwissenschaftlerin) ist mittlerweile etabliert. Schmidt musste sich andere Berufsgruppen für seine Witze suchen. Allerdings ist die Zahl der Mitarbeiter, die in der Industrie, an Berufsschulen oder in den Redaktionen die Abschlüsse Bachelor oder Master in Kosmetikwissenschaft oder auch ›Kosmetologie‹ auf ihren Visitenkarten stehen haben, noch sehr gering. Denn nur wenige Hundert bewerben sich um einen entsprechenden Studienplatz in Hamburg oder in Osnabrück und nur wenige Dutzend Absolventen werden angenommen und verlassen als Kosmetikwissenschaftler oder Kosme- tologen die Hochschule wieder. Wer es aber geschafft hat, kann sich in der Regel einen weiteren beruflichen Werdegang aussuchen. Denn Kosmetikwissenschaftler verbinden – so ein Teil der offiziellen Definition – biologische und chemische Kenntnisse mit dem ästhetischen und marktwirtschaftlichen Anspruch kosmetischer Produkte. Dermatologie, kosmetische Chemie und biophysikalische Messverfahren gehören deshalb ebenso zu ihrer Ausbildung wie Kenntnisse in Medienkunde oder das Gefühl für Schönheit, Mode und Design.

»Was die Qualifikation eines Kosmetikwissenschaftlers so einzigartig macht sind zum einen seine Kenntnisse, wie beispielsweise chemisches Wissen in Einklang gebracht werden kann mit dermatologischen und allergologischen Vorgaben. Und zum anderen, wie sich die Effekte von Kos- metika auf die Haut evaluieren lassen«, erklärt Professor Martina Kerscher, Leiterin Bachelor- und Magisterstudien- gang Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg. Hautphysiologie, Dermatologie und Wirkstoffeinschätzungen seien Themen, die in einem reinen Chemie- be- ziehungsweise Biologiestudium kaum vermittelt werden. Ebenso wie Kenntnisse im Bereich minimalinvasiver Ver- fahren, wie sie etwa im Zusammenhang mit Botulinen (Botox) oder Morphinen wichtig sind. Kosmetikwissenschaftler hätten aufgrund ihrer Ausbildung einen »Mehrwert«, der insbesondere in den Forschungs- und Entwick- lungsabteilungen der Kosmetikindustrie immer wichtiger werde. Immerhin gibt jeder Deutsche laut Bundesverband Körperpflege und Waschmittel e.V. (PKW) jedes Jahr über 150 Euro für Kopfpflegeprodukte aus, der Umsatz liegt weit über zwölf Milliarden Euro. Tendenz: steigend, denn die Suche der Konsumenten nach den ›richtigen‹ Pflegeprodukten dürfte ebenso lebenslang andauern. Kosmetikwissenschaftler sind deshalb sehr begehrt.

»Die Beschäftigungschancen sind hervorragend, zumal die Kosmetikindustrie mittlerweile die Vorteile und Möglichkeiten dieser Ausbildung erkannt hat«, betont Kerscher. In fast allen Bereichen der Schönheitsindustrie seien Kosmetikwissenschaftler zu einer gesuchten Ergänzung bestehender Teams geworden. Doch nicht nur in den Forschungslabors für Schönheitsprodukte sind immer mehr Kosmetikwissenschaftler zu finden. Aufgrund ihrer Kenntnisse übernehmen sie auch Lehraufgaben beispielsweise in beruflichen Schulen, wenn Friseure oder Kosmetikerinnen ausgebildet werden sollen. Und sie beziehen Posten bei der fachlichen Beratung von Kosmetik- und Modezeitschriften oder übernehmen selbst den Beruf eines Redakteurs. Denkbar sind aber auch Aufgaben etwa im Vertrieb, Marketing oder der Werbung. Kosmetikwissenschaftler können es sich aussuchen – und sich auf die Falten ihrer Kunden verlassen.


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