lächelnde Frau in schwarz-weiß

Nachwuchsforschern auf die Hände geschaut

Sie zertrümmern DNA, beobachten Hunde beim Fressen oder lassen Hefe für sich schuften: Diese Nachwuchsforscher lieben ihr Labor!

 

Dr. Jan Pfeffer, Biotechnologe

Dr. Jan Pfeffer, BiotechnologeIn seine Arbeit müsse man viel »Gehirnschmalz« reinstecken, sagt Dr. Jan Pfeffer. Denn an der »Forschungsfront« bei Evonik tüftelt er mit seinen Laborkollegen an nachhaltigen und teilweise völlig neuen Produkten, die irgendwann ganz ohne Rohöl auskommen. »Unser Fokus liegt auf Materialien wie Kunststoffen, von denen bislang niemand glaubte, dass man sie ohne Hilfe von Petrochemie herstellen könnte. Desweiteren beschäftigen wir uns auch mit Kosmetika und Pharmaprodukten«, beschreibt der Gruppenleiter das Forschungsspektrum.

Ihm dient beispielsweise eine ganz gewöhnliche Zuckerrübe zur Herstellung von hochwertigem Kunststoff. Klitzekleine und unbezahlbare Helferlein tun ihr Übriges: »Wir arbeiten mit Bakterien und Hefen. Ab und zu riecht es bei uns deshalb wie in einer Bäckerei«, meint der 32-Jährige und grinst. »Meine Arbeit bewegt sich an der äußerst spannenden Schnittstelle von Chemie und Biotechnologie und ich freue mich jeden Tag, an einer ›grünen Chemie‹ mitzuwirken.«


Dr. Jan Pfeffer
Der Biotechnologe entwickelt bei Evonik Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker, Stärke oder Pflanzenölen.


Dr. Julia Reimer, Postdoc

Dr. Julia Reimer, PostdocDr. Julia Reimer wandelt auf den Spuren von Mendel und manchmal fühlt sich die Arbeit tatsächlich auch ein wenig an wie Erbsenzählen: Als Postdoc beim Max-Planck-Institut kreuzt sie Pflanzensorten miteinander. »Ich bringe sie aus, beobachte, welche zuerst blüht, wie viele Blätter sie hat, wie viele Samenschoten sie produziert und wie viele Samen darin sind«, erklärt die 33-Jährige. Nach diesem gärtnerischen Part wird es aber erst richtig kompliziert. »Ich erforsche die Regulation von Genen «, sagt Reimer. »Anhand von zwei Modellpflanzen will mein Team herausfinden, warum sie wissen, wann sie austreiben und blühen müssen.«

Dazu ›zertrümmert‹ sie mit Ultraschall regelmäßig DNAStränge der zarten Kresse-Pflänzchen und blinzelt durchs Mikroskop auf der Suche nach dem Mechanismus, der die Gene aus- und anknipst. Ursprünglich hat die Forscherin in der Humanbiologie promoviert – inzwischen beschäftigt sie sich aber lieber mit Gießkanne, Blumenerde und grünen Blättchen: »Hier gibt es keine Ethikkomission, die ständig fragt: Haben Sie auch alle Unterschriften gesammelt?«


Dr. Julia Reimer
Mikroskop und Gießkanne sind ihre täglichen Werkzeuge: Im Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtung entschlüsselt sie Pflanzen-DNA.


Dr. Sven Halbedel, Robert Koch-Institut

Dr. Sven Halbedel, Robert Koch-Institut»Mich hat es immer fasziniert, wenn komplexe Lebensvorgänge mechanistisch auf der Ebene der daran beteiligten Moleküle erklärt werden können«, schwärmt Dr. Sven Halbedel. Der 32-Jährige analysiert aktuell die Funktion eines Polmarkerproteins aus dem Bakterium ›Listeria monocytogenes‹. »Dieses verursacht eine durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel bedingte Infektionskrankheit«, erklärt er.

›Sein‹ Protein ist offenbar für die Zellteilung zuständig – vollständig ist die Funktion allerdings noch nicht verstanden. »Ich freue mich am meisten über unerwartete Aha-Erlebnisse in meinem Forscheralltag, die eine völlig neue Sichtweise auf ein altes Problem ermöglichen«, beschreibt Halbedel seine Begeisterung. Am Robert Koch-Institut kann der Humanbiologe ganz in seiner aktuellen Grundlagenforschung aufgehen: »Vergleichbare Stellen an Universitäten sind oft auf wenige Jahre befristet und mit Lehrverpflichtungen verbunden. Hier habe ich viele Freiheiten, um eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen.«


Dr. Sven Halbedel
Pipette und Petrischale: Niemals ohne diese zwei ›Werkzeuge‹ ist er am Robert Koch-Institut der Funktion von Proteinen auf der Spur.


Dr. Jörg Hackermüller, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Dr. Jörg Hackermüller, Helmholtz-Zentrum für UmweltforschungWas ist ein Mythos? Ein Wissenschaftler, der alleine in seinem Kämmerchen über neuen Ideen brütet! Davon ist Dr. Jörg Hackermüller überzeugt, denn »Kommunikation ist in der Forschung von zentraler Bedeutung«, sagt der 35-Jährige. Er leitet eine Hochschul-Nachwuchsgruppe des Helmholtz- Zentrums für Umweltforschung und der Uni Leipzig.

Mithilfe weißer Blutkörperchen, die als Abfall bei einer Blutspende anfallen, untersucht sein Team krankheitsrelevante Differenzierungsprozesse von Immunzellen. In einem biochemisch- molekularbiologischen Großraumlabor hat seine Gruppe einen eigenen RNA-Bereich, »in dem wir unserem Putzfimmel freien Lauf lassen«, meint Hackermüller und grinst. Schließlich werde RNA bei Verunreinigung schnell abgebaut. Neben der kniffligen Arbeit an Sequenziergeräten im Labor »verbringe ich auch viel Zeit am Bildschirmarbeitsplatz«, erklärt der Biochemiker. »Ich werte Datensätze aus, schreibe Publikationen und plane neue bioinformatische Studien oder Experimente.«


Dr. Jörg Hackermüller erforscht im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Umwelteinflüsse auf Blutzellen und lässt seinem »Putzfimmel freien Lauf«.


Dr. Robert Heimburger, Leibniz-Institut für Kristillzüchtung

Dr. Robert Heimburger, Leibniz-Institut für KristillzüchtungRobert Heimburger hatte sich zu Beginn seines Studiums kein geringes Ziel gesteckt: »Mehr über die Quantenphysik erfahren.« Inzwischen hat er sein Physikdiplom in der Tasche und einen abwechslungsreichen Job am Leibniz- Institut für Kristallzüchtung. »Unsere Gruppe untersucht neue materialwissenschaftliche Ansätze zur Abscheidung von Silicium auf Glas für die Anwendung bei der Dünnschichtphotovoltaik«, erklärt der 30-Jährige. Er tüftelt vor allem an der Kostengünstigkeit und der großflächigen Anwendung des Verfahrens. »Damit man besonders sauber arbeiten kann, ist ein Hochvakuum wichtig«, sagt er. »Die Pumpen der Vakuumanlagen geben stets ein gleichmäßiges Surren und Zischen ab.«

Unzählige Lämpchen und Digitaldisplays zeigen den Zustand im Inneren der wuchtigen, metallenen Anlage an. Damit kein Stäubchen die sensiblen Glasproben stört, tragen alle Kollegen im Reinraum spezielles Schuhwerk und Handschuhe: »Nach einem Arbeitstag duften die Hände auch gehörig nach Gummi ...«


Dr. Robert Heimburger
Winzigst sind die Elemente, mit denen der Physiker experimentiert: Im Leibniz-Institut für Kristallzüchtung arbeitet er mit Nanokristallen.


 


Anzeige

Anzeige