Medikamentenschrank aus Glas

Berufe und Jobchancen nach dem Pharmaziestudium

Wer ein Pharmaziestudium hinter sich hat, arbeitet längst nicht nur in der Apotheke. Die Berufswege sind vielfältig.

Pharmaziestudium - was dann?

Dass Apotheker in Apotheken arbeiten klingt logisch. Ist aber nicht immer so. Denn mit einem abgeschlossenen Pharmaziestudium in der Tasche ist man ein begehrter Einsteiger – nicht nur in der Apotheke. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, wie Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), erklärt:

»Auf den ersten Blick gehören dazu sicherlich Positionen in der Pharmaforschung, in der Arzneimittelproduktion und in der Arzneimittelsicherheit bei vermarkteten Medikamenten.« Aber auch in Zulassungsabteilungen, im Produktmanagement und im Außendienst gibt es interessante Stellen – Medikamente sind schließlich stark erklärungsbedürftige Produkte. »Zunehmende Bedeutung«, ergänzt Fischer, »haben in den Firmen auch Abteilungen für den ›Market Access‹, die sich um all die (un)geschriebenen Anforderungen kümmern, die Medikamente erfüllen müssen, um auf den Markt zu kommen, von Krankenkassen erstattet zu werden und Kostensenkungsmaßnahmen zu überstehen.«

Besonders innerhalb der Arzneimittelforschung und -herstellung gibt es für Pharmazeuten vielfältige Einsatzgebiete. Diese erstrecken sich von der Erfindung neuer Wirkstoffe hin zu ihrer Erprobung auf Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das geschieht zunächst an Zellkulturen, später an Tieren. »Vor allem«, so Birgit Fischer, »sind Pharmazeuten führend, wenn es darum geht, um einen neuen Wirkstoff herum eine geeignete Tablette, Kapsel, Injektionslösung oder Salbe, ein Dosieraerosol oder ein Wirkstoffpflaster zu entwickeln.« Galeniker heißen jene Fachleute, die dafür zuständig sind. Auch an der Überführung von Herstellungsverfahren in die Großproduktion sind Pharmazeuten beteiligt, und sie begleiten sämtliche Qualitätssicherungsmaßnahmen – Hand in Hand mit Ingenieuren.

Promotion nach dem Pharmaziestudium obligatorisch?

Wer solch verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen möchte, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Dr. Matthias Wilken, Leiter der Geschäftsfelder Arzneimittelzulassung Europa/Wissenschaftliche Aspekte im Sozialrecht und Apotheker beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), erklärt, welche das sind.

»Für forschungslastige Bereiche und für Aufgaben, die mit einer Repräsentationsfunktion für das Unternehmen verbunden sind, wird eine Promotion gerne gesehen, sie ist aber nicht zwingende Voraussetzung. Es können«, fügt er hinzu, »jedoch unterschiedliche Zusatzqualifikationen hilfreich sein, die aber nicht verpflichtend für den Berufseinstieg sind.« Wilken meint damit zum Beispiel den Fachapotheker, wie er von den Apotheken angeboten wird, den Master of Public Health (MPH), der sich besonders für Tätigkeiten im Bereich Market Access oder in der Gesundheitspolitik eignet, oder Zusatzqualifikationen im Bereich der Arzneimittelzulassung. »Apotheker, die ins Management wollen, können ihr Wissen beispielsweise auch mit einem MBA vertiefen. Grundsätzlich stehen Pharmazeuten alle Karriereoptionen offen. Sie können den klassischen Managementweg oder auch eine Spezialistenlaufbahn einschlagen.«

Pharmaforschung: Mitarbeiter gesucht

Einen wahren Boom erlebt derweil die Pharmaforschung, und das bereits seit einigen Jahren: »Seit dem Jahr 2000«, so Birgit Fischer, »hat sich die Mitarbeiterzahl allein in der Pharmaforschung in Deutschland um rund ein Viertel auf etwa 18.300 Arbeitnehmer vergrößert.« Entsprechend gewachsen ist der Bedarf an Pharmazeuten. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf Qualitätssicherung und Vor-Ort-Kontrolle der Lieferanten – auch im Ausland. »Im Bereich der Herstellung«, fügt Fischer hinzu, »expandiert in Deutschland vor allem die gentechnische Produktion. Aber auch andere, neue Medikamente werden teils komplett hierzulande hergestellt. Arzneimittelherstellung zählt eben längst zur High-Tech-Industrie.« 

Welche Berufe gibt es mit Pharmaziestudium?

Jedoch freuen sich nicht nur Unternehmen der Pharmabranche über studierte Pharmazeuten – auch bei Gesundheitsämtern und -behörden, im Umweltschutz, in Forschung und Lehre sowie bei Krankenkassen und in Krankenhäusern sind sie am Werk. Letztere mitunter als ›Apotheker auf Station‹, als Unterstützung der Stationsärzte bei der Therapie der Patienten. Ähnlich wie Ärzte arbeiten Apotheker auf Station direkt am Patienten, sie gestalten die Therapie und achten auf Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Medikamenten. Doch auch in recht ausgefallenen Bereichen sind Apotheker am Werk:

»Ein eher ungewöhnliches Berufsfeld«, erzählt Sascha Manier, Pressesprecher beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), »ist das des forensischen Apothekers. Dabei handelt es sich um einen Apotheker, der den Gerichtsmedizinern bei der Feststellung der Todesursache behilflich ist. Seine Aufgabe ist es, aus entnommenen Blutproben Giftstoffe zu extrahieren, zu analysieren und schließlich aus der chemischen Struktur der gefundenen Giftstoffe auf die Todesursache zu schließen.« 

Pharmazeuten auch in der Finanzbranche

Eher selten sind Pharmazeuten dagegen in der Finanzwelt zu finden – es gibt sie dennoch, wie Professor Theo Dingermann, Senior-Professor am Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität in Frankfurt (Main) betont:

»Dabei arbeiten Apotheker als Berater von Investmentfirmen oder Banken, die im Bereich Pharma oder Biotech investieren wollen.«

Auch im Patentsektor, so Dingermann, könnten Pharmazeuten mit juristischen Zusatzqualifikationen Karriere machen. Der Einstieg in eine Strategie- und Managementberatung liegt ebenfalls nahe – hier arbeiten Apotheker als Unternehmensberater für Firmen aus der Gesundheitsbranche.

Als Pharmazeut Journalist werden

Oder wie wäre es mit einer Tätigkeit als Journalist? Gerade bei wissenschaftlichen Artikeln oder Zeitschriften ist neben Schreibtalent auch Fachwissen Voraussetzung, um neueste Forschungsergebnisse präsentieren oder politische Entwicklungen im Gesundheitswesen deuten zu können. Professor Dingermann zum Beispiel ist nicht nur Senior-Professor, sondern auch Chefredakteur zweier Zeitungen und Mitglied der Chefredaktion einer dritten.

Oder nach dem Pharmaziestudium ins Ausland?

Auch wer nach dem Studium ins Ausland möchte, hat exzellente Chancen: nicht nur in der Entwicklungshilfe, sondern auch innerhalb der Pharmaindustrie.

»Überhaupt sollte«, so Birgit Fischer vom vfa, »wer eine Tätigkeit in der Pharmaindustrie anstrebt, international denken und sich für eine Karriere nicht auf ein einziges Land festlegen.«

Außer natürlich, man schlägt nach dem Pharmazieexamen den nächstliegenden Berufsweg ein: mit der Arbeit in einer Apotheke. »Die öffentlichen Apotheken«, erklärt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin und Apothekerin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), »sind nach wie vor das wichtigste Tätigkeitsfeld für Apotheker.« Dass Vor-Ort-Apotheken unter der Konkurrenz von Internetapotheken leiden, kann Sellerberg dabei nicht bestätigen. »Die Apotheken sterben nicht aus.« Die derzeit rund 20.000 wohnortnahen Apotheken hierzulande bekräftigen ihre Aussage. Genau wie das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens IMS Health, nach der der Medikamentenversandhandel nur einen Anteil von drei Prozent des gesamten Apothekenumsatzes ausmacht.

Hauptfeld: Pharmazeuten in Apotheken

Wie wichtig Apotheken sind, betont Ursula Sellerberg gerne: »Jeden Tag nutzen rund vier Millionen Bundesbürger den Service der Apotheken.« Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern – der demographische Wandel trägt seinen Teil dazu bei.

»In vielen Gesundheitsfragen«, fügt Sellerberg hinzu, »sind Apotheken für Patienten die ersten Anlaufstellen, denn man kann ohne Termin und lange Wartezeit den gesundheitlichen Rat eines Heilberuflers einholen.«

Diese direkte Arbeit am Patienten ist übrigens einer der Zukunftstrends, die auf die Apothekenbranche zukommen werden. Das prognostiziert auch Sascha Manier vom BPhD:

»Derzeit diskutieren Apotheker aus ganz Deutschland in der Leitbilddebatte der ABDA. Dabei scheint der Trend vor allem in Richtung der Arzneimittelberatung zu gehen. Es ist möglich, dass Patienten in Zukunft einen Termin bei ihrem Apotheker machen können, bei dem sie persönlich unter vier Augen beraten werden.«

Zudem sind Apotheken ein idealer Arbeitsplatz für Pharmazeuten, die weniger flexibel sind, zum Beispiel, weil sie Familie haben: »Durch die hohe Frauenquote im Pharmaziestudium«, erklärt Matthias Wilken vom BPI, »ist Teilzeitarbeit sehr verbreitet, so dass mittelfristig auch aufgrund rückgängiger Studienkapazitäten sogar mit einem Mangel gerechnet werden kann.« Professor Dingermann schätzt die Situation ganz ähnlich ein: »Als idealer Teilzeitberuf bieten sich bei der Apothekertätigkeit leichte Wiedereinstiegsmöglichkeiten, beispielsweise nach der Elternzeit.«

Doch ganz egal, ob in der Apotheke, in der Industrie, in der Forschung oder in einem der anderen Bereiche, in denen Pharmazeuten tätig sind – alle haben eines gemein: exzellente Einstiegsmöglichkeiten. »Im Grunde«, so Matthias Wilken, »kann man von Vollbeschäftigung sprechen.« 


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