Virologie: Der Krankheut auf der Spur

In der Virologie muss man oft Geduld beweisen, um sein Ziel zu erreichen

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Sie sind extrem klein, können aber große Auswirkungen haben: Viren. Ihre Größe liegt zwischen 22 und 330 Nanometern, ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter – kaum vorstellbar.

»Dieses klitzekleine Ding aus ein wenig Erbgut und Proteinen ist in der Lage, einen hochkomplexen Apparat wie den menschlichen Körper mit Millionen Abwehrsystemen lahmzulegen. Ich möchte verstehen, wie eine Krankheit funktioniert und was sie im Organismus verändert, dass es einem so schlecht geht«, fügt Tim Schommartz hinzu.

Der Doktorand erforscht am Heinrich-Pette-Institut (HPI), Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg, die Virus-Wirt-Interaktion von Herpesviren. Ohne Wirt kann ein Virus sich nicht vermehren und somit nicht sein ›Unwesen treiben‹.

In der Abteilung Virus-Wirt-Interaktion versuchen die Forscher zu verstehen, wie das Virus den Wirt manipuliert.

»Spannenderweise hat das winzige Virus unglaublich ausgeklügelte Methoden entwickelt, um alle Abwehrsysteme, die ihm von der Zelle in den Weg gestellt werden, zu umgehen«, beschreibt Schommartz.

Aufbauend auf Hypothesen, die der 29-Jährige erstellt, verbringt er viel Zeit damit, Experimente vorzubereiten und durchzuführen. Dafür steht er beispielsweise in weißem Kittel und Handschuhen hinter einer Sterilbank und pipettiert Proben oder untersucht diese am Mikroskop.

»Leider ist es so, dass ein Großteil dieser Experimente entweder aufgrund technischer Probleme nicht funktioniert oder keine klaren Ergebnisse liefert«, so Schommartz.

Auch Dr. Zeguang Wu kennt diese konzeptionellen und technischen Herausforderungen. Allein die Vorbereitung für einige Experimente dauert ungefähr drei Stunden. Der Postdoc am Institut für Virologie am Universitätsklinikum Ulm mag es jedoch, diese Aufgaben zu lösen.

Der 32-Jährige erforscht die Rolle von natürlichen Killerzellen bei einer Infektion mit dem Humanes-Cytomegalie-Virus (HCMV), das für Ungeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sehr gefährlich sein kann.

Für die Mitarbeiter selbst ist das Risiko, sich bei der täglichen Arbeit anzustecken, jedoch sehr gering, da hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Es komme aber natürlich immer darauf an, mit welchen Viren gearbeitet wird, so Wu.

Es gibt vier biologische Schutzstufen, die die Arbeitsstoffe nach ihrer Gefährlichkeit einteilen, wobei Stufe vier die höchsten Sicherheitsmaßnahmen erfordert – HCMV ist in Schutzstufe zwei eingeordnet. Bei Kollegen, die beispielsweise mit Ebola arbeiten, seien die Sicherheitsmaßnahmen selbstverständlich wesentlich höher.

»In diesem Fall sehen die Labore aus wie in dem Film ›Outbreak‹ – mit Ganzkörperanzügen mit autarker Sauerstoffversorgung. Es wird wirklich alles dafür getan, damit nichts passiert«, ergänzt Schommartz vom HPI.

Das geringe Risiko der Ansteckung wiegt im Vergleich zu den Zielen und Möglichkeiten, die die Forscher mit ihrer Arbeit haben, sehr gering. »Ich möchte einen Teil zur wissenschaftlichen Forschung und Anwendung leisten. Wenn meine Arbeit die Diagnose und Behandlungen von Virusinfektionen verbessern könnte, wäre das toll«, ergänz Wu.

Schommartz ist überzeugt, dass es wichtig ist, ein Ziel zu verfolgen, denn die Forschungsarbeit kann manchmal sehr frustrierend sein. Wenn nach einem Experiment, das mehrere Tage oder Wochen dauerte, klar wird, dass es auf diese Weise nicht funktioniert, bestehe die Gefahr zu resignieren – außer man habe ein größeres Ziel vor Augen und den Willen, dieses zu erreichen.

»Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Wissenschaftlers ist Frustrationstoleranz«, fügt Schommartz hinzu.

Wenn dann aber ein Experiment das entscheidende Ergebnis liefert und man der Antwort einen Schritt näher kommt, entschädige das für viele Stunden und Tage ohne nennenswerte Ergebnisse.

»Wenn ich mir dann überlege, dass das auf lange Sicht ein Ansatzpunkt für Medikamente oder Impfstoffe werden kann, ist das ein nobles Gefühl und Motivation«, schließt der Wissenschaftler.

Eva Ixmeier

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Eva Ixmeier

ixmeier(at)audimax.de
Telefon: 0911-23779 24

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Einmal Forschung, immer Forschung? Von wegen, auch in der Industrie haben Virologen gute Chancen: von Tätigkeiten im pharma- und biotechnologischen Projektmanagement, in der Unternehmensberatung über F&E-Abteilungen in Pharmaunternehmen bis hin zum Patentanwalt oder Clinical Monitor.

Für die Arbeit im Labor mit der Schutzstufe vier ist ein Vier-Kammern-Schleusensystem vorgeschrieben.

  • In der äußeren Schleusenkammer wird die Straßenkleidung aus- und Unterkleidung angezogen.
  • Dann folgt die Personendusche.
  • Die dritte Kammer dient zum An- und Ablegen der Vollschutzanzüge.
  • Die innere Schleusenkammer ist mit einer Chemikaliendusche ausgestattet, um eine Dekontamination zu ermöglichen.