Frau schneidet Grimasse und formt Kreise mit Daumen und Zeigefinger um ihre Augen

Zwei Frauen mit Technik-Know-how

Zwei Frauen mit Technik- Know-how, die die Welt retten. Denn die Technik von heute hilft den Kranken von morgen.

Zwei Frauen mit Technik- Know-how, die die Welt retten. Denn die Technik von heute hilft den Kranken von morgen.

Elementsymbol W, Ordnungszahl 74, Gruppe 6, Periode 6, Block d. Aussehen gräulich-weiß glänzend. Als Reinmetall mit dem höchsten Schmelzpunkt geeignet für Geräte, die in der Medizintechnik und im Alltag von Zoryana Terletska entwickelt werden.

»Ich wollte immer in einem spannenden Bereich arbeiten, der mich herausfordert. In meinem Job bei Philips im Bereich Medizintechnik, speziell in der Röntgentechnik, arbeite ich mit sehr besonderen Werkstoffen. Beispielsweise mit Materialien, die in Bereichen eingesetzt werden, in denen sie Temperaturen standhalten müssen, die ungefähr der Hälfte der Sonnentemperatur entsprechen. Ich mache Tests bei 2.400 Grad – das nenne ich mal Hightech,« sagt Zoryana und lacht. »Egal ob es um Temperaturtests, Vakuumtests oder auch Drucktests geht: Welche Funktionen ich testen muss, hängt immer vom jeweiligen Einsatzgebiet der Komponenten später ab.«

Zoryana arbeitet seit sechs Jahren bei Philips im Bereich Produktion und Entwicklung

Die gebürtige Ukrainerin kam nach ihrer Promotion an einem Forschungsinstitut nach Deutschland. Besonders die Vielfalt, die ihre heutige Stelle mit sich bringt, begeistert sie: »Mein Arbeitsbereich ist sehr breit aufgestellt. Ich designe, teste, analysiere und entwerfe die Röntgenröhrenkomponenten, dann werden sie gebaut und ich teste sie wieder. Ich betreue quasi Komponenten von Anfang bis Ende und muss sowohl das Design als auch die technischen Eigenschaften optimieren.«

Die Wissenschaftlerin hat im Zuge dieser Projekte in der Röntgentechnik auch bereits ihr eigenes Patent anmelden können. Hierbei handelt es sich um ein Emitter-Kristallisation- Verfahren. Außerdem könnte man sie als naturwissenschaftliche Quereinsteigerin in die Medizintechnik bezeichnen. »Nach drei Jahren war mir ein reines Mathematikstudium zu langweilig und so habe ich Werkstoffkunde und Bruchmechanik dazu gewählt. Danach habe ich an einem Forschungsinstitut gearbeitet und dort auch promoviert. Ich habe hier mathematische Modelle für die Lebensdauererwartung von Pipelines entwickelt. Früher habe ich Erdölröhren entwickeln, heute sind es Röntgenröhren.«

In der Medizintechnik gibt es für dich als Naturwissenschaftler allerdings nicht nur Stellen in der Produktion. Auch im Vertrieb werden qualifizierte Naturwissenschaftler gesucht. »Bei Siemens Healthcare arbeite ich als Fachberaterin Ultraschall. Allgemein bekannt ist diese Position auch unter dem Begriff Applikationsspezialistin. Konkret heißt das, dass ich vertriebsunterstützend tätig und deshalb meist beim Kunden vor Ort bin«, erzählt Melanie Kurlbaum, die an der Fachhochschule Aachen ›Biomedizinische Technik‹ studiert hat. »Die Stelle war im Internet ausgeschrieben. Weil bildgebende Verfahren einer meiner Studienschwerpunkte waren und ich unbedingt eng mit Menschen zusammenarbeiten wollte, war es genau das, was ich gesucht hatte.«

Der schönste Teil von Melanies Beruf ist das Gefühl, etwas mit ihrer Tätigkeit bewegen zu können, erzählt sie: »Dass man Ärzte dabei unterstützen kann, ihre Patienten noch leichter und zugleich genauer untersuchen zu können, ist das Tolle an meiner Arbeit. Als ›Bonbon‹ lernt man für sich selbst sehr viel über Medizin und die unterschiedlichsten klinischen Fälle. Die Aufgabe entspricht nicht nur meinen Erwartungen, sie übertrifft sie sogar. Denn Applikationsspezialistin ist ein recht unbekannter Beruf, über den man nicht viel hört oder liest. Insofern konnte ich mir vorab keine konkreten Vorstellungen machen.«

Auch Zoryana musste sich in der neuen Stelle viel zusätzliches Know-how aneignen:

»Als ich in die Medizintechnik eingestiegen bin, musste ich alles neu lernen. Vom CADProgramm über das FEM-Programm und Elektronmikroskopie, das war alles Technik, mit der ich zuvor noch nicht gearbeitet habe. Ich hatte meine fundierten und theoretischen Kenntnisse in der Mathematik, aber die Praxis dieses speziellen Feldes musste ich erst im Job lernen

Während sich Zoryana vor allem mit technischem Neuland auseinanderzusetzen hat, muss Melanie auch in der Kundenberatung überzeugen: »Ich habe keinen festen Büroplatz, da ich jeden Tag zu meinen Kunden fahre. Ob zur Probestellung eines Ultraschallsystems, Einweisung in den Ablauf einer Untersuchung, Optimierung von Arbeitsvorgängen oder für Kongressdienst und Kursbetreuung. Das macht die Arbeit sehr abwechslungsreich. Und der Job bringt viel Verantwortung mit sich. Immerhin weise ich als Medizinprodukteberaterin vor Ort in den ordnungsgemäßen Gebrauch der Geräte ein und unterstütze die Ärzte somit dabei, ihre Patienten auf modernste Weise zu untersuchen.«

Zusätzlich zu spannenden Projekten bietet die  Branche sehr gute Einstiegschancen und -gehälter.  »Die Medizintechnik ist ein wichtiger Jobmotor  für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Für  Hochschulabsolventen heißt das: Die Chancen für einen  Einstieg in die Branche stehen sehr gut, und zwar für  Bewerber aus verschiedenen Fachrichtungen wie Elektrotechnik,  Medizin und Medizintechnik, Maschinenbau, Informatik oder Physik«,  berichtet Stefanie Schiller aus der Abteilung Communications bei Siemens  Healthcare.

Auch Alile Ifueko, Talent Acquisition Consultant bei Philips, bestätigt dies: »Der deutsche wie der weltweite Markt für Lösungen im Gesundheitswesen und speziell in der Medizintechnik wachsen. Das hat vor allem mit dem demografischen Wandel sowie der zunehmenden Bedeutung der Gesundheitsbranche für die Lebensqualität des Menschen im Allgemeinen zu tun. Da dies in Deutschland im Besonderen der Fall ist, sind auch die Einstiegs- und Karrierechancen hier sehr gut.«

Für alle, die sich für eine Position in der Medizintechnik begeistern, hat Zoryana einen wichtigen Tipp zum Thema Stellenausschreibungen: »In Stellenausschreibungen ist oftmals viel Quatsch enthalten. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der hundertprozentig auf eine Stellenausschreibung passt. Dieser Mensch, der hier beschrieben wird, existiert schlichtweg nicht. Die Personalabteilungen wünschen sich alles gleichzeitig: Man soll jung aber erfahren, kreativ aber technisch versiert und das am besten in fünf Sprachen gleichzeitig sein. Bei einer Stellenausschreibung ist es essenziell, zwischen den Zeilen zu lesen und zu verstehen, worauf es in der Stelle, auf die ich mich bewerbe, tatsächlich ankommt. Und genau das muss ich dann im Lebenslauf auch zeigen.«

Hat man diese Hürde genommen, so erzählt sie, ist es ebenfalls wichtig, nicht nur technisch vorbereitet zu sein, sondern sich im Bewerbungsgespräch gut präsentieren zu können.

Das am Anfang beschriebene Element ist übrigens physiologisch unbedenklich und erreicht seinen Siedepunkt bei 5.555 Grad Celsius. Wer’s noch nicht bereits erraten hat: Es hört auf den mehr oder weniger schönen alten deutschen Namen Wolfram.

 


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