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Nerdige Softskills? Dann sollte man in diese Berufe hineinschnuppern

„Ein kleiner Nerd steckt doch in jedem drin.“ Selbst wenn die (Berufs-)Welt mittlerweile erkannt hat, dass ein Nerd an der richtigen Stelle sein Eigengewicht in Gold wert ist, so sieht es umgekehrt häufig noch anders aus.

Viele Nerds haben oft keinen Schimmer, ob und wo sie ihre Spezialtalente später versilbern können und einige erkennen nicht einmal, dass es Nerdigkeit auch abseits einer Affinität für Computer gibt. Für alle, die zu dieser Kategorie gehören, zeigen wir nun Jobs, die man sich mit den entsprechenden Softskills definitiv per Praktikum mal anschauen sollte.

Für Zahlen-Nerds mit Hang zu alten Gemäuern: Bauingenieurswesen Fachrichtung Sanierung

Dass Bauingenieurswesen ein Studienfach ist, das zu vielen Hoch- und Fachhochschule dazugehört, dürfte den meisten bekannt sein. Aber ähnlich wie bei den Architekten haben hier viele Studierende nur stylische Neubauten im Sinn. Doch, um es mit einem ungenannten Ex-Studenten der TU Berlin zu sagen:


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„‘Nen Neubau durchzurechnen ist ungefähr so, als würde man ein Bett vom Möbelhaus aufbauen und wäre dann stolz auf sich, dass man so ein krasser Heimwerker ist. Ab geht’s erst da, wo lauter Unbekannte lauern und wo man sich auf gar nichts Vorbereitetes stützen kann.“

Diese Unbekannten finden sich abseits der geplanten Neubaugebiete, der Brandneu-Baumaterialien mit berechenbaren Eigenschaften. Altbauten, also alles, was schon mindestens ein paar Jahrzehnte steht, das ist die wahre Herausforderung.

Denn nicht nur, dass damals noch anders gebaut wurde. Jedes Gebäude hat durch den Zahn der Zeit, Lage, Benutzung und geplante Umbauten allerlei Unsicherheitsfaktoren und es ist der Job eines Altbau-Bauingenieurs, zu messen und zu rechnen, um herauszubekommen, was gemacht werden muss bzw. was möglich ist.

Als Bonus neben kniffliger Rechnerei gibt’s obendrein noch die Befriedigung, einen massiven Beitrag zur Erhaltung alter Bausubstanz zu leisten, tiefer in Baugeschichte einzutauchen als so mancher Architekt. Haben wir schon erwähnt, dass hier immenser Mangel herrscht, sodass man sich den Arbeitgeber aussuchen kann?

Für Wirtschafts-Nerds mit Freiheitsdrang: Unternehmens-Consulting

Wirtschaftswachstum ist nach wie vor das Eichmaß für den Erfolg einer Nation. Wächst die Wirtschaft, wächst alles andere ebenfalls, so der Tenor.

Doch das Problem daran ist folgendes: Je höherentwickelt eine Wirtschaft, desto wichtiger wird die Feinarbeit, um dafür zu sorgen, dass sie auch weiterwächst. Simpel ausgedrückt, wer einen Skateshop eröffnet, bekommt anfangs sein Wachstum schon dadurch, dass immer mehr Kunden kommen, die Skateboards kaufen.

Doch was, wenn alle mit Boards versorgt wurden? Wie wächst man dann noch? Genau das zu beantworten ist Aufgabe von Consultants. Consulting ist einer der größten Boom-Bereiche für Wirtschaftswissenschaftler. Um einen der großen dieser Szene zu zitieren, Dr. Wolf Lasko, macht man dabei folgendes:

„Im Prinzip folgt jeder Auftrag einem Dreischritt. Zunächst geht es im Tagesgeschäft um die Bestandsanalyse: Wie genau sieht die aktuelle Situation aus? […] Der zweite Schritt ist dann die kreative Arbeit: Wo ist anzusetzen? Wo steckt der Hebel zum Erfolg? […] Drittens folgt dann die Überführung der Konzepte in Resultate.“

Dazu sind Consultants immer Freiberufler bzw. Angehörige einer Consulting-Firma. Sie gehen in die Unternehmen, analysieren, betreiben Lösungssuche. Selbst als Angestellter ist man viel mehr auf sich selbst gestellt, kann freier agieren.

Der Job erfordert tagtäglich, harte Wirtschafts-Nüsse knacken zu müssen. Denn wenn Firmen einen Consultant rufen, bedeutet das meist, dass sie mit ihrem eigenen Latein schon am Ende sind.

Für Weltraum-Nerds mit krassem Vorstellungsvermögen: SciFi-Beratung

Unsere heutige Zeit lebt davon, dass Entwicklung in immer größeren Schritten vorangeht. Hauptsächlich zwar im Bereich der Digitaltechnik, aber davon ausgehend auch in unheimlich vielen anderen Dingen.

Dank Tinder und Co. gibt es beispielsweise bereits heute eine ganze Generation junger Menschen, die gar nicht mehr auf die althergebrachte Art flirten kann und Leute, die mit entsprechender Beratung in „analoger Flirttechnik“ gutes Geld verdienen.

Was das mit Science-Fiction zu tun hat? Ganz einfach: Mittlerweile ist die Zukunft ob der schnellen Technikentwicklung so unvorhersagbar geworden, dass normal-visionäres Denken nicht mehr für die langfristige Planung ausreicht. Immerhin sind viele Sci-Fi-Classics bereits heute da oder kurz vor der Serienreife.

Deshalb suchen Firmen nach Science-Fiction-Beratern, welche noch weiter vorausdenken können und durch viel größere Fantasie und Detailwissen die Impulse geben, auf die es künftig ankommen könnte.

  • Für dich ist eine mittelalterlich-religiöse Sci-Fi-Gesellschaft wie in Warhammer 40.000 nicht zu abstrakt?
  • Dass man Menschen dereinst per Drop-Pod auf einen Planeten abwerfen kann, klingt für dich nur nach erweitertem Fallschirmspringen?
  • Eine KI, die sich gegen ihre Erfinder wendet, wie in Terminator, ist für dich in bereits wenigen Jahren voll und ganz denkbar?

Wenn sowas und mehr zutrifft, kann es gut sein, dass du in die Fußstapfen von Thomas Le Blanc treten kannst, der ist eigentlich studierter Physiker und Mathematiker, schrieb erfolgreiche Sci-Fi-Romane und gibt aber mittlerweile Zukunfts-Workshops für Unternehmen.

Für Biologie-Nerds mit noch mehr Sci-Fi-Talent: Astrobiologen

Eine Frage, deren Beantwortung den vielleicht größten Impakt der Menschheitsgeschichte hätte: Gibt es „da draußen“ noch anderes Leben?

Jeder, der ebenfalls Science-Fiction-Nerd ist, aber weniger an der technischen Seite des Futuristischen interessiert ist, denn dem rein Biologischen, ist ein potenzieller Kandidat für Astrobiologie.

Kein Parawissenschaft, sondern ein seriöses Feld, in dem sogar das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mittlerweile seit einigen Jahren forscht sowie private Einrichtungen vom Schlage des Scripps Institute.

Dabei ist Astrobiologie mehr als nur reines Tüfteln daran „ob“ es jemanden gibt. Viel mehr ist es eine interdisziplinäre Aufgabe, alle Variablen auszuloten, die es möglich machen könnten, dass Leben auch dort entsteht (oder einmal bestand), wo nach unseren bisherigen Vorstellungen eigentlich keines möglich wäre.  

Das wiederum ist ein Job für Leute, die zwar in Biologie/Chemie/Physik ausgesprochene Experten sind, aber sich mit den „irdischen Bedingungen“ allein nicht zufriedengeben möchten.

Für Hopfen-Nerds mit Super-Zunge: Brauereiwesen

Dass zufällig in dem Alter, in dem die meisten studieren, auch Bier besonders gut schmeckt, ist normal. Aber ähnlich wie beim Wein gibt es auch hier Biertrinker und Experten. Die einen trinken aus Spaß, aus Partylaune, die anderen, weil es ihnen wirklich schmeckt.

Brauereiwesen ist kein Job für Mitglieder der ersten Kategorie. Man muss fasziniert davon sein, allein durch drei simple Zutaten so viele unterschiedliche Stile und Geschmäcker zu erschaffen.

Tatsächlich handelt es sich hierbei übrigens nicht nur um einen Job, in dem man etwa als Lebensmittelchemiker weiterkommt. Im Gegenteil, Brauereiwesen ist sogar ein eigenes Studienfach, es wird unter anderem an der TU-München gelehrt und erschafft Diplom-Braumeister.

Klar, ein solcher Abschluss führt einen in Brauereien. Für die Qualitätssicherung, für die Verfahrensoptimierung. Aber gerade heute, wo Craft-Biere immer beliebter werden, hat man als Diplom-Braumeister noch umfangreichere Berufsmöglichkeiten.


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Bloß ist eben die Grundbedingung, dass man eine tiefergehende Beziehung zum Bier hat, als bloß ein Freund von Erfrischung und Rausch zu sein, interessanterweise scheitert es daran ziemlich häufig, fast die Hälfte aller Brauereiwesen-Studis scheitert.

Für Technik-Nerds mit maritimen Wurzeln: Schiffbauer

Für Menschen, die nicht direkt an der Küste oder großen Flüssen leben, ist es oft kaum vorstellbar, welch immense Bedeutung Schiffe für unser heutiges Leben haben. Tatsächlich sind sie in unserer globalisierten Welt das wichtigste Waren-Transportmedium überhaupt und das nicht nur, weil so viel in China fabriziert wird.

Selbst Maschinenbau-Studenten wissen das oftmals nicht. Dabei sind sie es, die sich durch Spezialisierung in genau dieses Feld vorwagen könnten. Denn obschon Schiffbau so wichtig ist, muss er doch zeitgemäßer werden. Effektiver, schneller und weniger umweltschädlich.

Genau das ist es, was die heutigen Entwurfsbüros, Werften und ähnliche Unternehmen tun. Dazu brauchen sie Leute, die auch an diesem ältesten Transportmittel der Menschheit noch etwas optimieren möchten.

Ein Beitrag der externen Autorin Anja Klein.