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audimax probiert's aus: Ein Abend als Türsteher

Redakteurin Julia hat sich einen Abend lang als Türsteherin versucht

»Du kommst hier nicht rein!« – wie gerne ich diesen Satz schon immer mal sagen wollte. Und wie oft ich nach langem Anstehen Angst hatte, ihn selbst von der grimmig dreinguckenden Person in Schwarz hören zu müssen. Dann ist er plötzlich da: Der Abend, an dem ich zur Autorität werden und die Pforten eines Clubs bewachen soll. Meine Nacht als Türsteherin ist angebrochen. Inzwischen bin ich nicht mehr besonders angetan davon, endlich – womöglich – diesen einen Satz sagen zu dürfen. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf: Muss ich eine schwarze Jacke tragen? Ich hab überhaupt keine dunkle Jacke, die mich an diesem kalten und nassen Wintertag warm genug halten würde! Meine ist türkis. Hab ich überhaupt genug Autorität? Weder meine Größe noch mein Körperbau wirken besonders furchteinflößend. Was werden das bloß für Türsteher sein, die ich begleiten soll? Vor meinem inneren Auge tauchen muskuläre Schränke mit breitem Nacken und kahl rasiertem Kopf auf, die kein freundliches Wort mit mir wechseln würden.

Klischees widerlegt

Beklommen mache ich mich auf den Weg in den MUZclub in Nürnberg. Dort erwartet mich bereits das Security Team. Die Vier sehen sympathisch aus. Andrea lächelt mich offen an, Flo – der mit dem langen Zopf – zeigt mir sofort alle sicherheitskritischen Stellen der Location. Dann geht es los, die ersten Partygäste erreichen uns. »Könnte ich bitte eure Ausweise sehen?«, fragt Andrea bestimmt, aber freundlich. »Darf ich mal bitte in deine Tasche schauen, das wäre ganz nett«, sagt Flo im Anschluss und leuchtet mit seiner Taschenlampe in das Innere eines Rucksacks. Leider darf ich nicht selbst mit kontrollieren. Dafür habe ich umso mehr Zeit, um ganz genau zu beobachten und zu analysieren. Ich stelle fest: 1. Hier arbeiten supernette, respektvolle Türsteher. 2. Je freundlicher die Türsteher, desto positiver reagieren auch die Gäste. Pöbeleien Fehlanzeige. 3. Ganz schön viele Partygänger vergessen, ihren Ausweis mitzunehmen. 4. Bauchtaschen sind total in.

Der Notfall

Gerade als ich mir denke, dass ich mir den Job als Türsteher theoretisch durchaus zutrauen würde, kommt die Nachricht: Einem Mädchen geht es schlecht, sie ist auf der Toilette zusammengebrochen. Ich folge Flo durch die tanzende Menge bis zur Patientin. Sie ist nicht ansprechbar. Die junge Frau ist betrunken, hat aber im Club noch gar nichts zu sich genommen. Sichtlich Betrunkene können hier auch gar keine weiteren alkoholischen Getränke bestellen. Das Security Team leistet Erste Hilfe, währenddessen ruft die Abendleitung des MUZclubs die Sanitäter und verlängert den Einlass-Stopp, damit diese besser zum Einsatzort gelangen können – alle Verantwortlichen haben die Situation sehr gut im Griff. Mir wird dennoch mulmig zumute, das ist gar nichts für mich. Die Besucher mit ihren unterschiedlichen Outfits und Charakteren kennenzulernen, macht Spaß. Doch auch Notfälle zu betreuen, gehört zu den Aufgaben eines Türstehers – auch wenn es sich heute um eine Ausnahmesituation im MUZclub handelt. Mein Team muss noch mindestens bis fünf Uhr arbeiten, dann ist die Veranstaltung zu Ende. Ich gehe mit gemischten Gefühlen nach Hause. Aber eines muss ich noch loswerden, in den Worten eines Gastes, der sogar mit Jogginghose rein darf: »Ihr seid die korrektesten Türsteher, die ich je kennengelernt hab!«


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