Der finnische Sänger Niila im Interview
Der finnische Sänger Niila im Interview privat

Erfolg auf Finnisch: Interview mit Singer-Songwriter Niila

Sunrise-Avenue-Frontmann und ›The Voice of Germany‹-Publikumsliebling Samu Haber bekommt musikalische Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Der 29-jährige Songwriter Niila begeistert als Vorband auf der ›Sunrise Avenue With Wonderland Orchestra Tour 2016‹ mit seinem Debutalbum ›Gratitude‹. Wir haben den Finnen in Nürnberg getroffen.

Niila, du wirst als einer der Newcomer des Jahres 2016 gehandelt. Was sagst du dazu?

Wow, wirklich, bin ich das? Ich habe so viele Jahre hart dafür gearbeitet und bin gerade wirklich glücklich, dass ich dieses erste Album rausbringen konnte. Es trägt den Titel ›Gratitude‹ und das fasst meine Gefühl im Moment ziemlich genau zusammen. Ich bin wirklich dankbar für alles, was im Moment in meinem Leben passiert.

Du bist mit Sunrise Avenue unterwegs und spielst als deren Vorband. Was für ein Gefühl ist es, vor tausenden Menschen aufzutreten?

Vor der Tour hatte ich nur kleinere Auftritte in Finnland und auf einmal sollte ich dann vor 20.000 Menschen spielen. Als ich das gehört habe, habe ich sofort gesagt: »Nein, das kann ich nicht.« Der Gedanke war einfach zu überwältigend. Aber vor einer großen Menschenmenge zu spielen, ist überraschenderweise sogar irgendwie einfacher, als kleine, intime Konzerte. Die sind nervenaufreibender. Aber natürlich bin ich vor jedem Auftritt ein bisschen nervös.

Hast du einen bestimmten Trick vor der Show, um entspannt zu bleiben?

Liegestützen und Schattenboxen. Nein, Quatsch (lacht). Die Jungs und ich legen backstage ein paar gute Songs auf, um in Stimmung zu kommen.

Was war das coolste, was du auf Tour bisher erlebt hast?

Tatsächlich würde ich sagen, der erste Auftritt unserer Tour war am coolsten. Es war eben unsere erste Show. Es hat sich richtig unwirklich angefühlt das erste Mal auf der ganz großen Bühne zu stehen. So als würde ich träumen.

Du lebst ja gerade deinen Traum…

Ja, das stimmt! Und das Musikbusiness ist ein hartes Geschäft. Du weißt nie, was morgen passiert. Deswegen versuche ich auch, nicht dauernd auf etwas noch Spektakuläreres zu warten, sondern versuche stattdessen, im Moment zu leben.

Viele Studierende, die ihren Abschluss gemacht haben, sind oft in einer ähnlichen Situation: Sie wissen gar nicht genau, wie sie ihren Traum leben sollen und ob sie das Richtige tun. Wie bist du dorthin gekommen, wo du heute stehst?

Ich glaube tatsächlich, ich hatte einfach Glück. Ich wusste schon sehr früh, dass ich singen wollte, also musste ich nicht erst den perfekten Job für mich finden. Aber es ist nie zu spät, um seinen Traum zu leben. Das geht auch mit 40 oder 50 noch. Glücklicherweise können wir uns heutzutage jederzeit verändern, es ist nur die Gesellschaft, die uns suggeriert, dass wir mit 16 oder 17 schon wissen müssen, was wir mal machen wollen. Dabei haben wirklich die allerwenigsten dieses Glück. Ich denke, du musst einfach auf das richtige Gefühl warten – bis sich das, was du tust, richtig anfühlt. Und natürlich musste du hart arbeiten und auch hin und wieder einfach geduldig sein. Hätte ich nicht die Geduld gehabt, beharrlich auf mein Ziel hinzuarbeiten, dann hätte ich auf halbem Weg längst alles hingeschmissen.

Hattest du einen ganz anderen Traumjob, als du klein warst?

Als ich noch wirklich klein war, wollte ich Fußballspieler werden. Aber ich wusste schon ziemlich bald, dass ich Sänger werden wollte. Meinen ersten Song habe ich in der achten Klasse aufgenommen. Es war ein Rap Song und er war ehrlich gesagt ziemlich schlecht. Trotzdem wusste ich in diesem Moment: Genau das will ich später machen.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Das sind vor allem persönliche Erfahrungen. Auf meinem Album gibt es fröhliche und traurige Lieder, weil eben das Leben auch so ist. Glücklicherweise ist mein Leben aber nicht dauernd so dramatisch, dass ich ununterbrochen Songs darüber schreiben könnte. Ich lasse mich auch von Dingen inspirieren, die Menschen um mich herum passieren, Freunden oder Bekannten. Wenn ich die Ereignisse nachvollziehen und mitfühlen kann, dann wird vielleicht ein Song daraus.

Wie lange dauert es, so einen Song zu schreiben?

Manchmal ist es ganz einfach. Es gibt Songs, die sind nach einer Nacht fertig. Manchmal könnte ich aber auch den Kopf gegen die Wand schlagen, weil ich schon zwei Wochen an einem Text sitze und mir einfach nichts einfällt. Dann hilft es bloß, eine Runde spazieren zu gehen und es später noch mal zu versuchen.

Vor kurzem hast du auch dein erstes Musikvideo in Afrika aufgenommen. Welche Erinnerungen nimmst du von diesem Erlebnis mit?

Das war ein so unglaublicher Trip, ein echtes Abenteuer! Wir sind los geflogen, nachdem das Album fertig war. Die vier Monate davor habe ich quasi nur im Studio und meiner Wohnung verbracht, null soziale Kontakte. Und dann war ich plötzlich in Namibia, an den beeindruckendsten Orten. Wir sind in vier Tagen 2.000 Kilometer weit gefahren, haben Canyons gesehen, Tiere, die Wüste und das Meer und haben spannende Menschen getroffen. Zum Beispiel hatten wir einen faszinierenden Tourguide, einen südafrikanischen Ex-Soldaten, der öfter unter freiem Himmel geschlafen hat, als im eigenen Bett.

Gibt es irgendwas, das du im Leben unbedingt machen möchtest?

Da gibt es eigentlich nichts Bestimmtes. Ich habe solange an diesem ersten Album gearbeitet, dass es komisch für mich wäre, jetzt gleich zu denken: Was kommt als nächstes? Natürlich möchte ich noch weiter singen und irgendwann auch eine Familie haben, aber bevor ich weiter plane, will ich erst das genießen, was ich mir erarbeitet habe.

Während du dein Debutalbum ›Gratitude‹ aufgenommen hast, hast du für einige Monate in Berlin gelebt. Was magst du an Deutschland am meisten?

Ja genau, ich habe das Album in Berlin aufgenommen. Es ist wirklich schade, dass ich trotzdem so wenig Gelegenheit hatte, die Stadt richtig kennen zu lernen. Deutschland ist für mich hauptsächlich Berlin, aber ich mag das Land sehr gern und kö nnte mir auch gut vorstellen, ein, zwei Jahre hier zu leben. Ich mag einfach, wie höflich die Menschen sind.


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