© Jason Leung/Unsplash

audimax probiert's aus: Feiern mit Fremden

Einweihungsparty mit völlig Unbekannten? Redakteurin Kirsten hat nach ihrem Einzug kurzerhand alle Nachbarn in die neue Wohnung eingeladen.

Im Erdgeschoss schallt des Öfteren Kinderquieken durch die Wohnungstür ins Treppenhaus, im vierten Stock wohnt der wortkarge Hausverwalter, der mir freundlicherweise einmal den Kellerschlüssel ausgeliehen hat, und die Frau, die eine Wohnung über uns immer so laut Musik hört, habe ich noch nie gesehen. Man munkelt, es würden zehn Parteien in dem Hausblock wohnen, in den mein Freund und ich vor kurzem eingezogen sind. 

Eine glänzende Idee

Während meines Studentenlebens habe ich in fünf WGs in drei verschiedenen Städten gewohnt. Die Mitbewohner waren super, aber die Anonymität im Rest des Hauses fand ich immer etwas schade. So kam der glorreiche Gedanke zustande: »Diesmal wird es anders! Lass uns eine Party für all unsere Nachbarn schmeißen!« Voller Enthusiasmus stürzte ich mich in die Planung: Was mache ich zu essen? Was trinken die Leute gern? Welcher Tag und welche Uhrzeit sind am besten? Immerhin mussten wir bei unseren Gästen mit einer Altersspanne von anderthalb bis etwa 80 Jahren rechnen, da muss es ja für jeden irgendwie passen. Freitagabend kaufte ich ordentlich Getränke ein, backte – für alle Fälle – 50 Zimtschnecken, putzte die Wohnung und freute mich auf eine bunte Gästeschar, die bisher noch so fremd war. Das würde sich morgen um 10 Uhr ändern! Denn unsere farbenfrohe Einladung hing bereits die Woche über für alle sichtbar an der Haustür. 

Der Showdown 

Samstag: Es konnte losgehen. Der Tisch war gedeckt, ausreichend Gläser und Teller standen bereit, wir hatten uns schick gemacht – let's get the Einweihungsparty started! Die Tür einladend einen Spalt auf- und Musik angemacht, versuchten wir, die Nachbarn gewitzt anzulocken. In meiner Vorstellung saßen wir bald mit einer jungen Familie, den Senioren vom dritten Stock, der Unbekannten von einer Wohnung drüber und allen anderen an unserem neuen Esstisch und würden uns fröhlich über das Leben in diesem Viertel austauschen. Wenn dann mal jemand Zucker, einen Rat oder Hilfe beim Regal aufbauen braucht, könnte jeder einfach gegenüber klingeln, ohne sich wie ein Eindringling zu fühlen. 

Wie es ausging? Um 12 Uhr saßen wir immer noch zu zweit am Tisch, stopften uns frustriert die Zimtschnecken rein und sahen langsam ein, dass keiner mehr kommen würde. Mission fehlgeschlagen. Mein persönliches Fazit: Wenn du in einer deutschen Großstadt mit deinen Nachbarn feiern möchtest, braucht es wohl eher mündliche Extraeinladungen, sonst fühlt sich niemand angesprochen. Das nächste Mal stehen wir mit Sekt vor eurer Tür, liebe Nachbarn!


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