Stall-Beautys
Stall-Beautys b3d_ / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Die Stylerin der Stall-Beautys

Luise Heiden ist passionierte Tierbetreuerin und putzt deshalb vor Auktionen Kühe zu echten Topmodels heraus

Luise ist aus Freital, einer kleinen Industriestadt mit 40.000 Einwohnern am Rande Dresdens. Mit Kühen hatte sie bis zur neunten Klasse rein gar nichts am Hut. Das änderte sich schlagartig, als sie 2006 ein Betriebspraktikum zu absolvieren hatte. Anders als ihre Mitschüler, die ihr Praktikum im Kindergarten machten, entschied sich Luise für den Landwirtschaftsbetrieb in Somsdorf – inmitten von Tälern und 200 Rindern. Und dann passierte es, es war wie Liebe auf den ersten Blick. Besonders die eleganten Holsteinrinder hatten es ihr angetan. Eine Arbeit ohne das schöne Milchvieh konnte sich das Stadtkind fortan nicht mehr vorstellen. Sie war nun ständig auf dem Hof und lernte den Umgang mit Kühen – das Füttern, Melken und Vorbereiten für Schauen. Die Kuhliebhaberin wechselte sogar die Schule, um ein agrarwissenschaftliches Abitur abzulegen. Derweil wusch, scherte und föhnte sie ihre geschätzten Rinder und nahm an ersten Vorführwettbewerben teil.

Seit 2008 arbeitet Luise regelmäßig im Betreuungsteam des niedersächsischen Zuchtunternehmens ›Masterrind‹ und tut alles dafür, dass die von ihr frisierte Kuh die schönste ist. Weil sie Rinder absolut faszinierend findet, hält sie dann auch drei, vier Tage am Stück, immer in zwölf- bis 18-Stunden-Schichten, dauernd in künstlichem Licht, mit Pizza vom Lieferservice und Kaffee aus Plastikbechern, durch. 60 Euro am Tag bekommt sie für die Arbeit auf solchen Schauen. Viel ist das nicht, aber Luise tut’s sowieso nicht wegen dem Geld, schließlich arbeitet sie so ganz intensiv mit ihren Lieblingstieren zusammen.

Seit 2010 ist Luise in Kiel für den Bachelorstudiengang Agrarwissenschaften eingeschrieben, sie will sich auf die Fachrichtung Nutztierwissenschaften spezialisieren. Während des Semesters fährt sie oft zu Schauen und Auktionen. Damit eine Kuh zum Topmodel wird, zählen bei den Vorführungen ausschließlich funktionale Merkmale: Der Bauch muss möglichst groß sein, denn je mehr Pansenvolumen das Rind hat, desto mehr kann es fressen und desto mehr Milch kann es produzieren. Außerdem dürfen die Beine keine schlechte Winkelung haben und das Euter muss möglichst hoch und fest aufgehängt sein. Letztes Jahr war die Studentin schon auf Veranstaltungen in Irland, Schottland und Dänemark. Später möchte sie einmal dort arbeiten, wo sie immerzu schöne Kühe sehen und wo man am Tag 24 Stunden lang nur über Kühe reden kann, wie beispielsweise bei einem Zuchtverband.


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