Seife – nein danke!
Seife – nein danke! luftholen / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Seife – nein danke!

Mark Boyle kann Kumpels zwar kein Bier mehr spendieren, ansonsten ist das Leben ohne Geld für ihn der pure Segen

Feecomomic: ohne Geld überleben?

Ein Kompostklo, daneben eine solarzellenbetriebene Dusche und eine mit dem Holzofen geheizte Naturbadewanne im Fluss. Nicht weit entfernt steht der Trailer von Mark Boyle, diplomierter Ökonom und Witschaftswissenschaftler, der nicht mal einen einzigen Penny sein Eigen nennt. Allerdings ist das kein Zeichen einer fehlgeschlagenen Ausbildung. Ebenso wenig ist Mark ein gescheiterter Börsenspekulant. Er hat sich sein Leben selbst ausgesucht: Mark ist ein freeconomic. Dies leitet sich jedoch nicht von dem englischen Wort ›freak‹, ab, auch wenn das Kompostklo zu dieser Annahme führen könnte. Ein freeconomic ist ein Mensch, der geldlos lebt. »Wirtschaft ist nicht gleichbedeutend mit Geld. In der Wirtschaft geht es um Angebot und Nachfrage und Geld ist nur ein Weg, um die Bedürfnisse der Menschen zu decken«, sagt Mark. »Die meisten meiner Freunde erfuhren von meinem Plan, ein Jahr komplett ohne Geld zu leben, kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ausbrach. Viele glaubten anfangs, ich würde das Experiment aus finanziellen Gründen machen.« Dem ist nicht so. Mark entschied sich aus ökologischen und gesellschaftlichen Gründen zum geldlosen Dasein. Mittlerweile sind mehr als 28.000 Menschen in über 150 Ländern auf der ganzen Welt freeconomics.

Besonders sein Ego litt in der Anfangszeit. Sich unter Männern im Pub gegenseitig das Bier zu bezahlen und als Gentleman der alten Schule beim ersten Date mit einer schönen Frau die Rechnung zu übernehmen, war nicht mehr möglich. »In einer Gesellschaft, in der Liebe mit materiellen Gütern Ausdruck verliehen wird, war das nicht einfach «, sagt der 31-Jährige. Reisen bis 100 Kilometer fährt Mark ab sofort mit dem Fahrrad, für längere Strecken ging‘s per Anhalter durchs Land. Sein Gemüse baut er selbst an, er sammelt Früchte im Wald und sein Papier presst er eigenhändig aus Pilzen. In seiner Kolumne in der englischen Tageszeitung ›The Guardian‹ gibt Mark Boyle Tipps, wie es sich ohne Geld hervorragend leben lässt. Selbst Seife wird zum überflüssigen Luxusprodukt. Auf die Frage, was Mark am meisten vermisst, seit er im November 2008 zum ›moneyless man‹ wurde, antwortet er ganz ironisch: »Stau, Stress, Kontoauszüge, Rechnungen, die Versicherungsgesellschaft anzurufen und meine Steuererklärung zu machen.«


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