Wissenschaft vs. DJ: Die perfekte Party-Playlist

Wissenschaftliche Erkenntnise und DJ-Erfahrung zu Musik und Emotionen plus: Profi-Tipps für die perfekte Playlist

Prof. Dr. Jan Hemming, Professor für systematische Musikwissenschaft an der Uni Kassel.

Herr Prof. Hemming, wie kann Musik unsere Stimmung und sogar unser Verhalten beeinflussen?

Die emotionale Wirkung von Musik kann tatsächlich Stimmungen modulieren, indem ein Ausgangszustand intensiviert oder kompensiert wird: Du intensivierst den Liebeskummer mit einer schmachtenden Ballade, oder du wählst eine flotte Musik gegen die Müdigkeit am Morgen. Welche Emotionen allerdings mit welchen musikalischen Mitteln hervorgerufen werden können, ist individuell sehr stark verschieden. Schon das Erkennen einer vom Songwriter beabsichtigten Emotion gelingt nur unzuverlässig, noch wesentlich seltener wird die Emotion dann auch individuell übernommen.

Herrscht also bei einer Metal-Party schon allein wegen der Musik ein anderes Klima als in einer Mainstream-Disco?

Konkret auf Metal bezogen konnten mehrere Studien zeigen, dass diese Musik ihre Anhänger keineswegs aggressiver macht; allerdings steigt die Aggressivität bei Personen, die Metal nicht mögen. Das dürfte auf viele Genres bis hin zum Schlager zutreffen, ohne dass Aggressionen in der Lautstärke, im Text oder in der Musikstruktur ausgedrückt werden müssen. Neben der Musik ist die Stimmung in einer Disco zum Beispiel abhängig vom Ambiente, dem visuellen Erscheinungsbild und den anwesenden Personen.

Gibt es ein bestimmtes musikalisches Schema oder einen Rhythmus, bei dem Partygäste angeregt werden, zu tanzen?

Anfang der 2000er-Jahre gab es Studien, die zeigen konnten, dass ab etwa 90 Dezibel, also Diskothekenlautstärke, auch der Gleichgewichtssinn stimuliert wird. Wird diese Lautstärke erreicht beziehungsweise überschritten, hat ein Mensch das Gefühl, aus dem Gleichgewicht geraten zu sein und unternimmt automatisch Kopf- oder Körperbewegungen, um dieses auszugleichen. So erklären die Autoren die Stimulation zum Tanz. Allerdings können auch wesentlich geringere Lautstärken Körperbewegungen zu Musik anregen.

Alban Imeri, als DJ Rockafella in den Clubs bekannt.

Alban, was ist dein Geheimnis, damit Stimmung aufkommt?

Das Wichtigste als DJ ist, zu wissen, was für ein Publikum einen erwartet. Dafür musst du dich mit der Veranstaltung und dem Club auseinandersetzen und abschätzen, auf was für musikalische Geschmäcker du an diesem Abend triffst. Ein DJ sollte bei der Musikwahl die Uhrzeit, die Stimmung der Crowd und die Fülle des Clubs beachten. Ich beginne den Abend meist mit RnB- oder Dancehall-Songs, die die Leute dazu bewegen, langsam Richtung Tanzfläche zu wandern. Später wähle ich Songs mit mehr Power. Ich arbeite auch viel mit dem Mikrofon: Mit dem Publikum zu sprechen bringt immer viel Stimmung.

Welche Tipps kannst du für die perfekte Playlist geben?

Die perfekte Playlist gibt es pauschal nicht. Beim Thema Musik sind die Geschmäcker sehr verschieden. Es ist immer ratsam, sich Songs, auf die jeder garantiert feiert, für den Zeitpunkt aufzuheben, wenn die Party in vollem Gang ist. Außerdem muss der DJ eine klare Linie im Set haben und nicht zwischen den Musikstilen hin- und herhüpfen. Denn auch wenn es manchmal in Vergessenheit gerät: Der DJ ist der wichtigste Bestandteil des Abends – ohne gute Musik, keine gute Party!

5 Songtipps vom Profi - deine coole DJ Playlist

1. Ayo & Teo – Rolex
2. Future – Mask off
3. RIN – Bros
4. Post Malone ft. 21 Savage – Rockstar
5. SXTN – Von Party zu Party


Anzeige

Anzeige