Faire Bezahlung im Praktikum? Keine Selbstverständlichkeit. Foto:unsplash

Dagegen: Unbezahlte Praktika

Bettina König von ›fairwork‹ kämpft gegen unbezahlte Praktika und ein paar Windmühlen

"Fairwork" - Angemessene Vergütung der Arbeitsleistung

Ein abgeschlossenes BWL-Studium, drei unbezahlte Praktika und drei befristete Arbeitsstellen später, war Bettina König klar, dass es jetzt ein für allemal reicht. Wie oft hatte sie als vollwertige Arbeitskraft eine ganze Stelle besetzt und stand am Ende des Monats doch mit leeren Händen da?

Die 33-Jährige hat schnell festgestellt, dass sie nicht die Einzige in diesem Dilemma war und schrieb einen offenen Brief an Redaktionen und Politiker – und hat damit eine Welle losgetreten. Betroffene haben sich mit ihr in Kontakt gesetzt und zusammen haben sie ›fairwork‹ gegründet. Mittlerweile gibt es den Verein, der sich für faire Arbeitsbedingungen für Hochschulabsolventen einsetzt, seit über sechs Jahren. Sechs Jahre, in denen zwei Petitionen liefen, König im Bundestag gesprochen hat, viel Betroffenenberatung und -aufklärung ins Rollen kam sowie Veranstaltungen zur bestehenden Problematik organisiert wurden. Trotz aller Aufklärungsarbeit sind noch immer rund 40 Prozent aller Praktikastellen für Akademiker unbezahlt. dabei handelt es sich keineswegs um ›Ausnahmen‹ – wie Unternehmen betonen. Auch die Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände laufen Sturm gegen geforderte Änderungen, sehen keinerlei Handlungsbedarf. Solange sich innerhalb der aktuellen politischen Spitze nichts ändert, werde es keine gesetzlichen Regelungen für eine faire Bezahlung geben. Davon ist König überzeugt. Bis es zu einer Einigung kommt und Praktika als ›Lernverhältnis‹ ins Bürgerliche Gesetzbuch verankert werden, können Absolventen zumindest auf der Homepage mittels Erfahrungsberichte herausfinden, welche Unternehmen faire Arbeitsbedingungen bieten.

»Unternehmen sollten Akademiker zumindest als Trainee oder Volontär einstellen – das wäre angemessen. Schließlich bekommt ein Auszubildender auch ein Gehalt. Dass Hochschulabsolventen ohne Lohn arbeiten sollen, ist eine Frechheit«, sagt König. Das Problem liegt teilweise aber auch in der Einstellung der Betroffenen begründet, weil sie wissen, dass es immer jemanden geben wird, der für Lau arbeitet – und gleichzeitig auf den ›Klebeeffekt‹ hofft. Ein Trugschluss, denn nur rund 22 Prozent der Praktikanten erhalten ein Übernahmeangebot. Daher arbeitet ›fairwork‹ auch gezielt an einer Bewusstseinsbildung. »Wir wollen aufklären und klarmachen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, ein unbezahltes Praktikum zu machen.« Selbst wenn das jetzt abgedroschen klingen mag, aber in gewisser Hinsicht war früher doch alles besser. Schließlich gab es nach dem Studium einen normalen Berufseinstieg mit einem geregelten Gehalt und Urlaubsanspruch. Aber jetzt mal ehrlich, Nostalgie ist sowas von gestern – Zeit, pragmatisch zu werden: fight endlich for your right!


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