Rugbyteam beim Scrum

Scrum bezeichnet ursprünglich das Gedränge beim Rugby– hier haben auch alle Teammitglieder ein Ziel vor Augen. | Quelle: pixabay.com, 12019

Effektives Projektmanagement mit Scrum

In der Welt der IT-Entwickler und Softwareprogrammierer ist Scrum ein feststehender Begriff und steht für erfolgreich abgewickelte Entwicklungsprojekte. Was hat es mit diesem Vorgehensmodell auf sich und gibt es auch außerhalb der IT-Welt Verwendung dafür?

Scrum und seine Herkunft

Scrum ist ein Vorgehensmodell aus dem Projekt- und Produktmanagement, das aus der Softwareentwicklung heraus entstanden ist. Die grundlegende Erfahrung hinter dem Konzept von Scrum ist die Annahme, dass manche Entwicklungsprojekte zu komplex und vielschichtig sind, um in nur einem Plan erfasst werden zu können.

Der englische Begriff „Scrum“ bedeutet „Gedränge“. Der aus dem Rugby stammende Begriff wurde von den Erfindern des Konzepts als Analogie für besonders erfolgreiche Produktentwickler-Teams gewählt. Die Analogie passt insofern, dass auch bei Entwicklerteams das gesamte Team täglich zusammenkommt und sich gegenseitig abstimmt und informiert. Wo ist der Vergleich zu Gedränge beziehungsweise dem abgestimmten Einsatz zur Zielerreichung noch passend bei Scrum?

Bereits in den 1960er-Jahren haben Softwarespezialisten erkannt, dass die Entwicklung von Softwaresystemen in der Regel äußerst komplex und unvorhersehbar ist. Das betrifft die technische Seite ebenso wie die Umsetzung der sich oft wandelnden Kundenanforderungen. 1985 haben Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi mit der Veröffentlichung eines Artikels im „Harvard Business Manager“ den bahnbrechenden Ansatz von Scrum begründet.


Anzeige

Scrum hat sich als Methode für agiles Projektmanagement einen Namen gemacht. Die ersten zertifizierten Scrum Master hat Ken Schwaber, einer der Wegbereiter des Systems, im Jahr 2003 ausgebildet. Die Zertifizierungen und Schulungen zum Scrum Master sind äußerst beliebt. Heute stehen viele gute Ausbildungsmodule zur Auswahl, die die wichtigsten Vorteile und Erfolgsfaktoren von Scrum vermitteln.

So funktioniert Scrum

Scrum basiert auf den Prinzipien des agilen Arbeitens und nur wenigen Regeln, insgesamt sind fünf Aktivitäten, drei Rollen und drei Artefakte Bestandteile des Systems. Die drei „Stakeholder“ im Prozess sind Product Owner, Scrum Master und das Team. Scrums sind für Teams in der Größe von drei bis neun Entwicklern angelegt. Diese kleinen, selbst organisierten Einheiten können autonom die Taktik bestimmen, mit der sie ihr gemeinsames Ziel erreichen.

  • Der Product Owner steht für den Auftraggeber, der die fachlichen Anordnungen vorgibt, die es zu priorisieren gilt.
  • Der Scrum Master ist für die Koordination des Teams und das Prozessmanagement zuständig, hält den Rücken frei und räumt Hindernisse aus dem Weg.
  • Das Team von Entwicklern ist eine Gruppe ohne hierarchische Strukturen, aber mit unterschiedlichen Spezialisten, die auch Aufgaben von anderen Teammitgliedern übernehmen können.

Alle Anforderungen an das Projekt sind in einem „Product Backlog“, einer sich ständig verändernden Liste, festgehalten. Der Product Owner passt diese Liste immer wieder den Kundenwünschen an. Dieser langfristige Plan wird in kleinere Arbeitspakete oder Tasks heruntergebrochen und im „Sprint-Backlog“ aktualisiert.

In täglichen, 15-minütigen „Daily-Scrum-Meetings“ kommen alle zusammen, um Probleme auszuwerten, den aktuellen Stand abzugleichen und zu klären, wie alle Pläne anzupassen sind. Alle für einen und einer für alle – dieses Prinzip scheint beim Scrum-Prozess anschaulich umgesetzt.

 

Agiles Arbeiten im Fokus

Was sind die Merkmale agilen Arbeitens? Wie alle agilen Prozesse ist Scrum gleichzeitig inkrementell und iterativ: Beim inkrementellen Prozess wird eine Software in ihren Einzelteilen, in ihren Inkrementen, entwickelt und anschließend geliefert – unabhängig von ihrer Größe und Funktion. Die in sich abgeschlossenen Einheiten sollen grundsätzlich komplett fertiggestellt und nicht mehr zu überarbeiten sein.

Dies kombiniert sich gleichzeitig mit dem iterativen Prozess: Alle Verbesserungen in einem Prozess geschehen schrittweise. Das operierende Team verbessert an bestimmten Stellen Schritt für Schritt die Probleme beim Hinzufügen von bestimmten Details. In der Kombination dieser beiden Arbeitsweisen entsteht eine fantastische Wirkungsweise, die das agile Arbeiten bei Scrum so effektiv macht.


Anzeige

Scrum und der Rest der Welt

Die Effektivität von Scrum ist erwiesen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die agile Vorgehensweise von Scrum innerhalb der IT zur am meisten verwendeten agilen Vorgehensweise entwickelt. Existiert Scrum auch außerhalb des IT-Universums, und wenn ja, wie? Schon in den Anfängen des Konzepts haben Ken Schwaber und seine Kollegen klar gemacht, dass von der Vorgehensweise ein ganzes Unternehmen profitieren kann.

Wie Birgit Mallow, Agile Coach und Initiatorin der Seminarreihe „HR goes agile“, erläutert, bietet agiles Vorgehen auch für Personalverantwortliche zahlreiche Vorteile. Viele Mitarbeiter, aber auch Führungskräfte erleben agile Vorgehensweisen als Vereinfachung und enorme Befreiung. Die kleinteiligen und stark aufeinander abgestimmten Aktionen arbeiten einem Unternehmen und auch den Kunden zu. Ein gut eingespieltes Team kann viel schneller kleine Produktbausteine fertigstellen und dem Kunden präsentieren.

Das Framework-Arbeiten beim Scrum ist eher ein Kennzeichen von modern aufgestellten Unternehmen, denn es erfordert Multitasking, eine ausgeprägte Fehlerkultur und flache Hierarchien. Die Selbstorganisation der Teams ist genauso wichtig wie das Miteinander-Denken aller Beteiligten. Das ist sehr effektiv, aber nicht immer einfach. Mallow spricht von einer „Kultur der kleinen Experimente“ und betont, wie wichtig dabei die persönliche Haltung ist.

Alleskönner Scrum?

Das Interesse an IT-Studiengängen ist ungebrochen. Gut so, denn die fortschreitende Digitalisierung bedingt eine wachsende Nachfrage nach qualifizierten IT-Spezialisten. Mit dem Erlernen von Scrum qualifizieren sich IT-Studenten für die zukunftsweisende Branche und erhöhen sicherlich ihre Jobchancen – hat sich das Vorgehensmodell doch in der Praxis als äußerst nützlich erwiesen.

Was allerdings nicht bedeutet, dass die Anwendung von Scrum einfach umsetzbar ist. Dies wird in IT-Kreisen seit Einführung der Methode auch kontrovers diskutiert. Diese Diskussionen machen deutlich, welche Irrtümer in Zusammenhang mit Scrum existieren. Scrum ist kein Allheilmittel, mit dem Ziele automatisch schneller zu erreichen sind. Nicht alles lässt sich automatisch verbessern. Und: Scrum passt nicht zu jedem Projekt, im Gegenteil. Oft macht der Einsatz von Scrum unangenehme Probleme in der Prozessarbeit sogar erst sichtbar. Der Einsatz von Scrum kann in der Tat Projekte effektiv und schnell zu Erfolgen führen. Doch die Anpassung der Unternehmenswerte und die Entwicklung von entsprechenden Prinzipien sind nicht einfach und erfordern die ständige Bereitschaft zur Veränderung und zum Lernen.

Ein Beitrag des externen Autoren Tobias Neubauer