Wirtschaftspsychologie: Karriere, Gehalt, Studium

Die Genauerschauer – Wirtschaftspsychologen sehen die Menschen im Kontext ihrer Arbeit und Produkte in Zusammenhang mit Bedürfnissen.

Wirtschaftspsychologe: Bedürfnisse erkennen

Eigentlich mochte Veronika Völler ihren Beruf. Bis sie einen neuen Chef bekommen und festgestellt hat, welch hohen Einfluss der Faktor ›Führungskraft‹ auf sie hatte: »Ich hatte vom einen auf den anderen Tag keinen Spaß mehr an meiner Arbeit«, erklärt die 32-Jährige. Anders als vielleicht angenommen empfand sie diese neue Situation nicht als demotivierend, sondern als spannend – weshalb sie sich für einen neuen Schritt entschied: ein Studium der Wirtschaftspsychologie.

Dass die Entscheidung auf dieses Fach fiel, begründete sich nicht nur damit, dass sie die ›Führungskraft-Angestellter-Beziehung‹ verstehen wollte,  sondern lag auch daran, dass sie in früheren Tätigkeiten in Personalabteilungen sehr viel Spaß daran hatte, die Azubis zu betreuen. Deshalb begann sie 2006 mit ihrem Studium an der Hochschule Harz, welches sehr praxis-orientiert gestaltet war:

»Wir mussten zwei Coachingprozesse unter Supervision durchführen, wobei ich freiwillig noch einen dritten gemacht habe. In den Coachingprozessen haben wir beispielsweise ein Outdoortraining für Auszubildende konzipiert und auch zweimal durchgeführt – damit war ich für die Praxis auf einem Basislevel vorbereitet«, erklärt Völler.

Studium: Wirtschaftspsychologie

Wenngleich sich die Lehrinhalte von Hochschule zu Hochschule unterscheiden, praktische Elemente sind bei vielen zu finden. An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg beispielsweise stehen im dritten Semester ›Versuchspersonenstunden‹ auf dem Stundenplan. Was dies genau bedeutet, erklärt Diplom-Psychologe Andreas Ley:

»Hier sollen die Studierenden ein breites Spektrum an empirischen Untersuchungen beispielsweise zum Kommunikationsverhalten in Gruppensituationen durch aktive Teilnahme als Probanden kennenlernen. Sie sollen aus dieser Sicht erfahren, wie empirische Untersuchungen durchgeführt werden, worauf zu achten ist und wie die Untersuchung von den Probanden erlebt wird.«

Mit dieser praktischen Übung ist es aber nicht getan:

Unter anderem ›tauschen‹ die Studenten die Rolle und führen im Rahmen des Experimentalpsychologischen Praktikums im fünften Semester selber empirische Untersuchungen durch. Im Studium an der HS Bonn-Rhein-Sieg finden sich neben solchen Veranstaltungen aus der Methodenlehre wirtschaftswissenschaftliche und (wirtschafts)psychologische Inhalte. Im Schwerpunkt ›Finanz- & Marktpsychologie‹ beispielsweise geht es um Werbe-, Finanz- und Verkaufspsychologie, Markt- und Konsumforschung sowie Konsumentenverhalten.

Selbstständig als Wirtschaftspsychologe

Veronika Völler schloss 2010 ihr Bachelorstudium ab und ist heute systemische Beraterin, Trainerin und Coach. Die 32-Jährige hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht und ihren Schritt nie bereut. Sie sah sich nicht als Personalreferentin und im Großkonzern sowieso nicht mehr:

»Ich wollte am Menschen arbeiten«, sagt Völler, die bei Praktika in zwei Unternehmen dazu ermuntert wurde, sich selbstständig zu machen. »Ich hatte nichts zu verlieren, da ich nicht viel Geld investieren musste und von Anfang an zwei Auftraggeber hatte«, sagt Völler und resümiert, dass es mehr als gut funktioniert habe.

Heute bietet sie unter anderem Soft-Skills-, Präsentations-, Kommunikations-, Bewerbungs- und Teamtrainings an und hilft mit systemischem Coaching bei Stressmanagement und Burnout sowie Führungsthemen wie Mitarbeitergespräche oder begleitet Young Professionals. Sie arbeitet gerne kognitiv und baut auf erlebnisorientiertes Lernen:

»Normalerweise versuche ich den Methodenmix, weil Menschen auf unterschiedlichen Kanälen lernen«, sagt Völler, die zusätzlich am Institut für systemische Beratung in Wiesloch eine Ausbildung zur Systemikerin absolviert hat.

Wirtschaftspsychologen: Vor allem in Personalabteilungen wichtig!

Selbstredend zieht ein Studium der Wirtschaftspsychologie nicht immer den Schritt in die Selbstständigkeit nach sich. Völler ist überzeugt, dass viele Unternehmen von der Tätigkeit ihrer Kollegen vor allem in den Personalabteilungen profitieren können:

»In diesem Bereich könnte man mehr Wirtschaftspsychologen gebrauchen, da sie ihren Fokus weniger auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte als auf den Menschen legen. Ich denke, dass Wirtschaftspsychologen dort, wo Auswahl- und Potenzialanalyseverfahren oder Trainings zum Einsatz kommen, gute Arbeit leisten können.«

Andreas Ley von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg kann ihr nur beipflichten und erklärt, dass sich viele Berufsfelder für Wirtschaftspsychologen auftun: Sei es im Human-Resources-Management, im Marketing, in der Marktforschung oder in der Unternehmensberatung und -entwicklung. 

Um in diesen Bereichen als Wirtschaftspsychologe zu landen, braucht es – logischerweise – erstmal das Studium

Voraussetzungen als Wirtschaftspsychologe

Bevor dieses jedoch aufgenommen wird, sollten zuerst die persönlichen Voraussetzungen abgeklopft werden. Was brauchen also zukünftige Wirtschaftspsychologen?

»Es ist zwar nicht in jedem Berufsfeld unbedingt notwendig, aber man sollte gerne mit anderen Menschen interagieren, zumindest aber sollte ein Interesse daran bestehen, sich über das Erleben und Verhalten von Menschen Gedanken zu machen«,

beschreibt Ley und fügt weiter an, dass Anwärter aufgeschlossen dafür sein sollten, Problemstellungen zu definieren und Lösungen zu suchen sowie über gute Englischkenntnisse verfügen und Spaß an der Arbeit mit Zahlen haben sollten, da vor allem Statistikveranstaltungen Teil der meisten psychologischen Studiengänge sind. Wer dies alles mitbringt und sich für ein praxisorientiertes Studium interessiert, ist bei der Wirtschaftspsychologie bestimmt gut aufgehoben und kann später im Berufsleben vieles bewirken.

Denn dank Wirtschaftspsychologen, so Ley, »kann den Mitarbeitern in einem Unternehmen unter anderem geholfen werden, ihre Arbeitszufriedenheit zu steigern oder können Produkte besser auf die Bedürfnisse von Konsumenten abgestimmt werden«.

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