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Reisen bildet: Karriere Kick mal anders

Dass Sprachreisen sich im Lebenslauf ganz gut machen ist keine Neuigkeit mehr. Aber auch sonst gibt es gute Nachrichten für alle Weltenbummler: Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, den einen oder anderen Auslandstrip positiv für die eigene Karriere zu nutzen.  

Reise als sinnvoller Karriere-Boost?

Ganz ehrlich? – Wer könnte sich etwas Schöneres vorstellen, als munter durch die Welt zu tingeln, neue Länder und Kulturen kennenzulernen und es sich gutgehen zu lassen. Und das soll tatsächlich die Karriere voranbringen können?

Die Antwort ist hier ein ganz klares Jein. Denn am Ende kommt es vor allem darauf an, wie der Auslandsaufenthalt genau ausgesehen hat. Eine Reise an die schönsten Strände der Welt, wo täglich die wichtigsten Fragen lauten, wann der nächste Sprung ins kalte Nass gewagt wird, wo es die besten Cocktails gibt und welcher Bräunungsgrad inzwischen erreicht wurde, ist im Lebenslauf nur schwer sinnvoll unterzubringen.


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Lückenfüller oder Weiterbildung? 

Es gilt also ganz klar, zwischen einem bloßen Lückenfüller und einer passenden Reise zu unterscheiden, bei der man tatsächlich etwas fürs Leben oder ganz gezielt den späteren beruflichen Werdegang lernen kann. Und hier zeigt sich auch schon, dass es dabei ganz unterschiedliche Wege geben kann. Denn die individuellen Berufswünsche und Karriereziele sind bekanntlich unglaublich verschieden. Je nachdem in welche Richtung es gehen soll, können deshalb auch unterschiedliche Kriterien für die karrierefördernde Reise wichtig sein.

Wann ist die beste Zeit?

Reisen geht eigentlich immer, doch manchmal steht auch mal etwas mehr Zeit zur Verfügung. Nach dem Schul- oder Berufsabschluss wird gerne eine Auszeit eingelegt, sei es, um sich für die erfolgreichen Mühen zu belohnen oder auch, um Wartezeit bis zum Beginn des nächsten Karriereschrittes sinnvoll zu überbrücken.

Während des Studiums oder der Ausbildung kann auch ein sogenanntes Gap-Jahr dazu genutzt werden, um eine etwas längere Reise zu unternehmen. Auch ein Erasmus-Semester zählt als typischer Auslandsaufenthalt, der gut geeignet ist, um die Bewerbung aufzupeppen. Ebenfalls sinnvoll ist ein Auslandspraktikum. Dabei lassen sich wichtige Kontakte knüpfen und bereits etwas Berufserfahrung sammeln. Ansonsten bieten sich die Semesterferien für einen Trip in andere Länder an, wenn keine wichtigen Prüfungen anstehen.

Bei längeren Auszeiten ist es vor allem wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie es nach der Reise weitergehen soll. Der (Wieder-) Einstieg zurück in den Alltag oder auch ins Studium oder den Beruf fällt meist gar nicht so leicht.

Aber fassen wir es nochmal kurz zusammen, was beim Thema günstiger Zeitpunkt zu beachten ist:

  • Wartezeiten sinnvoll mit Reisen überbrücken
  • Studienzeit durch Auslandssemester und -praktika sinnvoll nutzen
  • Semesterferien für Auslandsaufenthalte nutzen
  • Wiedereinstieg gut planen

Wieviel muss in eine sinnvolle Reise investiert werden?

Wer im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes gezielt seine Sprachkenntnisse aufbessern will, hat zahlreiche Möglichkeiten, vor Ort einen Kurs zu besuchen. Auch sonst ist eine Reise immer mit den verschiedensten Kosten verbunden. Wenn diese für die Förderung der Karriere eingesetzt werden soll, könnte allerdings auch etwas mehr investiert werden, oder?

Tatsächlich ist es schwierig, den Nutzen einer solchen „Bildungsreise“ in einen finanziellen Gegenwert zu übertragen. In vielen Fällen liegen die Dinge, die man dabei lernt und neue Fähigkeiten, die man sich aneignet eher im Bereich der sogenannten Soft-Skills – von der Verbesserung der Sprachkenntnisse einmal abgesehen.

Grundsätzlich ist ein kostenintensiver Sprachkurs zwar eine sinnvolle Investition, denn das intensive Training kann einen wirklich einen riesigen Schritt voranbringen. Allerdings lassen sich Sprachkenntnisse auch abseits solcher Lerninstitute aneignen. Wer in einem fremden Land fast ausschließlich auf sich selbst gestellt ist, muss sich zwangsläufig damit auseinandersetzen mit anderen zu kommunizieren. Nebenbei stärkt dieser Weg nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch die Selbständigkeit.  

Wie kann beim Reisen gespart werden?

Schließlich können wir noch sagen, dass es nicht zuletzt dank des Internets um einiges leichter geworden ist, beim Reisen zu sparen. Hier können wir heute Preisvergleichsseiten nutzen, um eine günstige Unterkunft zu finden, oder uns gleich ganz für Couchsurfing entscheiden. Die Zeiten, zu denen wir den klaren Preisansagen der stationären Reisebüros ausgeliefert waren, sind glücklicherweise vorbei. Eine Reise lässt sich im Internet bequem an die individuellen Bedürfnisse anpassen und zusammenstellen.   

Die vielen Busanbieter haben die Preisen bei Fahrten im In- und nahen Ausland gedrückt und auch Flüge sind im Vergleich zu früher günstiger geworden. Der größere Wettbewerb hat hier für Vorteile für die Kunden gesorgt. Darüber hinaus finden wir im Netz zahlreiche Aktionen, um etwa mit Gutscheinen und anderen Rabatten bei der Buchung den Geldbeutel zu schonen. Einzelne Flüge oder auch Kombi- und Komplettangebote mit Unterkunft sind damit auch für kleines Geld erhältlich.  

Wie kann am besten von einer Reise profitiert werden?

Auch wenn es nur in ein europäisches Nachbarland geht, ist ein Auslandsaufenthalt immer auch eine Reise in eine andere Welt. Eine neue Umgebung, spannende Landschaften und die andersartige Kultur sorgen dafür, dass wir unseren eigenen Blick auf gewohnte Dinge überdenken. Durch dieses „über‑den‑Tellerrand‑hinausblicken“ können wir die Fähigkeit entwickeln, flexibler auf verschiedene Herausforderungen zu reagieren und offen für andere Ansichten zu sein. Geistige Beweglichkeit zählt in der heutigen Zeit zu den wichtigsten Soft Skills im Berufsleben.

Beim Austausch mit den Menschen anderer Kulturen geht es zudem nicht nur darum, seine Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern auch kulturelle Eigenheiten bei der Kommunikation kennenzulernen und zu respektieren. Diese interkulturelle Kompetenz zählt in vielen Bereichen der Arbeitswelt ebenfalls zu den Schlüsselkompetenzen.

Gerade junge Menschen bringt ein Auslandsaufenthalt meist das erste Mal in die Situation, selbstverantwortlich auf den eigenen Beinen zu stehen. Auf einer Reise warten die unterschiedlichsten Herausforderungen, vom einfachen Orientieren vor Ort über die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit völlig fremden Menschen bis hin zur einfachen Organisation des Tagesablaufs. Eine Reise kann hier dabei helfen, selbständiger zu werden und Lösungen für verschiedene Komplikationen zu finden. Man lernt zudem, welche Stärken man bereits besitzt und wie diese an geeigneter Stelle sinnvoll eingesetzt werden können.

Darüber hinaus kann man bei jeder Reise etwas Neues über sich lernen. Die vielen neuen Eindrücke unterwegs können neue Möglichkeiten zeigen, in die das Leben sich entwickeln könnte.

Wie wird die Reise im Lebenslauf am besten vermarktet?

Ein Auslandsaufenthalt, der über einen simplen Urlaub hinausgeht, ist immer ein Pluspunkt für den Lebenslauf. Bei manchen Jobausschreibungen wird zudem Auslandserfahrung ohnehin gefordert. 

Je nachdem, wie die Reise ausgesehen hat, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, um dies im Lebenslauf sinnvoll unterzubringen:

  • Bei Sprachreisen: Hier kann die Auszeit ganz klar unter dem Punkt Sprachkenntnisse erwähnt werden. Die Reise untermauert die Angaben zu den Fertigkeiten und zeigt, dass bereits Praxiserfahrung gesammelt wurde.
  • Bei Auslandspraktika oder -semester: Diese Reise(n) zählen zum Punkt Berufserfahrung. Wenn es mehrere Praktika oder Tätigkeiten im Ausland gab, kann auch ein separater Punkt dazu angelegt werden.

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  • Bei einem Gap-Jahr: Längere Reisen, etwa auch in verschiedene Länder und mit unterschiedlichen Tätigkeiten müssen alleine schon wegen der Dauer im Lebenslauf erwähnt werden damit keine Lücke entsteht. Auch wenn es dabei eher um das Sammeln persönlicher Lebenserfahrung ging, kann dies für den Lebenslauf positiv genutzt werden. Hier gilt es, die passenden Worte zu finden, welche mögliche Soft Skills bezeichnen, die bei einer Reise verbessert werden können. Interkulturelle Kompetenz, Kommunikationsstärke, Flexibilität, Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz oder auch einfach die Fähigkeit, sich schnell und sicher orientieren und zurechtfinden zu können sind hier verschiedene Möglichkeiten. 

Gerade, wenn eine längere Reise geplant ist, kann überlegt werden, ob es sinnvoll ist, gezielt einen Teil der Zeit für einen Sprachkurs, ein Praktikum oder einfach Work‑and‑Travel zu reservieren. Diese Punkte können gut im Lebenslauf platziert werden. Nebenbei gibt es dann immer noch genügend Zeit, um die Reise voll und ganz zu genießen.

Ein Gastbeitrag von Anja Klein.