Reh vor Bäumen

Arbeitgeber Staat: Karriere im öffentlichen Dienst

Langweilig? Von wegen! Im öffentlichen Dienst locken vielfältige Aufgaben – manch einen zieht es sogar in den Wald

Sie mögen jeder für sich noch so herzensgute, sympathische und lustige Menschen sein – den schlechten Ruf bekommen Beamte so schnell wohl trotzdem nicht weg. Sie selbst sind in unzähligen Beamtenwitzen Witzfiguren, die ›Beamtenmentalität‹ ist längst Schimpfwort. Bequem seien sie, urteilt der ungnädige Volksmund, was aber auch nur passe zur Arbeit im öffentlichen Dienst, die übrigens nicht nur von Beamten verrichtet wird, aber nunmal öde sei und sich stets zwischen den vier Wänden des eigenen Büros, dem Kaffeeautomaten und der Kantine abspiele. So stereotyp geht es aber nicht zu im öffentlichen Dienst, schon allein wegen der bunten Palette an Berufen – sagt Klaus Dauderstädt, Bundesvorsitzender des DBB Beamtenbundes und Tarifunion. »Für nahezu alle Interessensgebiete und Qualifikationsebenen finden sich Anknüpfungspunkte«, sagt er. Und: »Wer sich für eine Karriere beim Staat entscheidet, wird schnell feststellen: Mit dem alten Vorurteil der verstaubten Amtsstube hat die Arbeit nichts zu tun.« Nein, um moderne Dienstleistungen für die Bürger gehe es im öffentlichen Dienst, für die es hoher Kompetenz, Flexibilität und Einsatzfreude bedarf.

Öffentlicher Dienst bietet facettenreiche Berufschancen

So wie sie Martin Eggert mitbringt. Eggert ist ohnehin recht unempfänglich für all die Klischees über die Arbeit auf dem Amt, schon aus familiären Gründen. »Ich habe einige verbeamtete Lehrer und Juristen in meiner Familie«, verrät der 33-Jährige, »daher hatte ich eigentlich schon immer ein grundsätzlich positives Bild vom öffentlichen Dienst.« Außerdem wollte Eggert Förster werden. Im öffentlichen Dienst konnte er es. Nachdem er in Freiburg sein Studium der Forstwissenschaft erfolgreich mit dem Diplom abgeschlossen hatte, ging er nach Bayern für das Referendariat, legte die Große Forstliche Staatsprüfung ab und wurde in ein Beamtenverhältnis übernommen. Seit dem Sommer 2011 arbeitet er als Forstbeamter, oder genauer: als Sachbearbeiter ›Waldbau‹ an der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising.

Dort habe er einen vielseitigen und auch forschungsintensiven Job, sagt Eggert. »Wir führen hier Forschungsprojekte zu sehr unterschiedlichen Themen durch. Grob gesagt geht es darum, wie man bestimmte Waldbestände bewirtschaften sollte, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.« In ganz Bayern existieren entsprechende Versuchsflächen, deren Daten ausgewertet und veröffentlicht werden. Dabei ist die Forschung in gewisser Weise recht handfest. »Unsere Arbeitsergebnisse werden von den Kollegen auf der Fläche gebraucht und sind nicht nur für die Publikation in wissenschaftlichen Zeitschriften gedacht«, betont Egggert den Praxisbezug seiner Arbeit. Diese führe ihn außerdem oft heraus aus seiner Amtsstube, quer durch ganz Bayern und immer wieder in den Wald. Natürlich arbeitet der Forstbeamte auch häufig im Büro, aber für Außenaufnahmen verbringt er ganze Tage mit Kollegen in der Natur.

Öffentlicher Dienst: Möglichkeiten für Alsoventen aller Fachrichtungen

Weniger naturverbunden und dennoch nicht weniger vielseitig ist die Arbeit von Anne Wolff, Referentin am baden-württembergischen Regierungspräsidium in Stuttgart und seit Juli dieses Jahres im Rahmen einer Abordnung am Ministerium für Verkehr und Infrastruktur. Wolff ist studierte und promovierte Bauingenieurin mit einem besonderen Fokus auf das Verkehrswesen. Planung, Bau und Betrieb der Straßeninfrastruktur wiederum sind hoheitliche Aufgaben, weshalb es der öffentliche Dienst ist, der für Wolff ein »sehr breites und vielseitiges Aufgabenspektrum« aus ihrem Fachgebiet bereithält. »Das hat mich gereizt«, sagt Wolff, die unmittelbar nach ihrer Promotion an der Universität Stuttgart denn auch ein Referendariat in der Straßenbauverwaltung des Landes Baden-Württemberg antrat. Seit 2013 ist sie Regierungsbaumeisterin.

Als solche arbeitet sie im Rahmen ihrer Abordnung an der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans mit, erzählt Wolff. An ihrer eigentlichen Arbeitsstelle im Regierungspräsidium wiederum ist sie im Planungsteam für den sechsspurigen Ausbau der A6, die, zwischen dem Weinsberger Kreuz und der Landesgrenze zu Bayern, quer und zu einem großen Teil noch vierspurig durch den Norden Baden-Württembergs verläuft. Im Rahmen dessen müsse sie die Planungen koordinieren und im Rahmen von Bürgerinformationsveranstaltungen Öffentlichkeitsarbeit für den Ausbau betreiben, an Abwechslung mangelt es nicht. »Die Fülle und Bedeutung an Aufgaben in der Straßenbauverwaltung«, sagt Wolff, »ist zu groß für Langeweile.«

Öffentlicher Dienst bietet zahlreiche Aufstiegschancen

Weil das so und der Staat ein sicherer und flexibler Arbeitgeber sei, bereue sie ihre Entscheidung für den öffentlichen Dienst nicht. Zumal sich gerade im höheren bautechnischen Verwaltungsdienst gute Aufstiegschancen böten. »Wir sind auch ständig auf der Suche nach guten Nachwuchsingenieuren«, verrät die Regierungsbaumeisterin. Auch Martin Eggert findet rückblickend, mit der Entscheidung für den öffentlichen Dienst genau richtig gelegen zu haben: »Mir gefällt meine Arbeit, ich habe viele nette Kollegen. Die Bezahlung stimmt, dabei gibt die Verbeamtung langfristige Planungssicherheit. Das sehe ich in der heutigen Zeit schon als Privileg.« Das Gehalt sei ordentlich, auch wenn, wie Klaus Dauderstädt einschränkend zugibt, »die Bezahlung nicht immer mit der Privatwirtschaft mithalten« könne. Abschrecken, das finden alle drei Befragten, sollte das nicht, denn: »Hier können Absolventen einen Dienst für unsere Gesellschaft, für ihre Mitmenschen erbringen«, betont Dauderstädt. Und das in Aufgabenfeldern, die es so bei kaum einem anderen Arbeitgeber gibt. 


Anzeige

Anzeige