Comic: Mann stemmt Stange mit Hirn als Gewichten

Traineeprogramme für Geisteswissenschaftler

Das sind die Deinen! Lieber Geisteswissenschaftler, wir präsentieren dir heute: Traineeprogramme ganz für dich alleine

»Alles oder nichts!« erscheint vielen Geisteswissenschaftlern nach jahrelangem ›Und? Was machst du später damit?‹ als adäquate Antwort. Bevor sie allerdings zu diesen drei, durchaus praktikablen Worten gegriffen haben, hatten sie oft einen jahrelangen Spießrutenlauf hinter sich, in den sich keuchend scharenweise hochgezogene Augenbrauen und Massen an verständnislosen Blicken einreihten. So fleißig und schnell die Geistis auch waren – abschütteln ließen sich diese lästigen Begleiterscheinungen, die ihr Studium mit sich brachten, nie ganz.

»Und, was machst du dann damit?«

Doch auch wenn sich der ›gemeine Geisteswissenschaftler‹ zwar immer der Frage ›Und was machst du damit?‹, aber nie einem Fachkräftemangel bedingten Hype ausgesetzt sah und höchstwahrscheinlich auch nie sehen wird, so findet er dennoch über kurz oder lang seinen Platz auf dem Arbeitsmarkt. Wer in diesem Zusammenhang an Praktika, die nach ein paar Monaten zu festen Jobs werden, an Volontariate oder Direkteinstiege denkt, liegt zwar nicht falsch, vergisst aber auch die Alternativen, die es hierzu durchaus gibt: nämlich Traineeprogramme! Diese haben wohl die wenigsten auf dem Schirm – dabei bieten einige Mittelständler und Konzerne genau diese für Geisteswissenschaftler an. Beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit, deren Traineeprogramm sich in einem wichtigen Punkt von anderen unterscheidet:

Es ist konzipiert für Kandidaten, die bereits über einige Jahre Berufserfahrung verfügen. Axel Pieper ist ›so einer‹. Der 38-Jährige hat an der Westfälischen Wilhelms-Uni in Münster und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Katholische Theologie studiert und war danach zehn Jahre in der Seelsorge der Katholischen Kirche tätig.

Traineeprogramm für angehende Führungskräfte

Vor zwei Jahren wollte er eine berufliche Veränderung und fand sie in dem 24-monatigen Traineeprogramm für angehende Führungskräfte. Mitbringen musste Pieper dafür ein ›abgeschlossenes Studium, Interesse an Sozial- und Wirtschaftspolitik, Berufserfahrung und idealerweise erste Führungserfahrungen‹. In den zwei Jahren wird Pieper zur Führungskraft ausgebildet, um beispielsweise als Bereichsleiter in einer Agentur für Arbeit tätig zu werden:

»Um das zu erreichen, haben wir erst ein halbes Jahr als Vermittler in einer Agentur mitgearbeitet, um dann als Teamleiter erste Führungserfahrung zu sammeln. Im zweiten Jahr des Programms übernehmen wir nach einer Hospitationsphase die Aufgaben eines Bereichsleiters, um so möglichst praxisnah vorbereitet zu werden. Dazu kommen regelmäßige Kurse in der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit, wo allgemeine Führungsthemen gelehrt werden«, erklärt der Trainee und fügt hinzu, dass sich die Kombination aus Praxis und Theorie als sehr gut und abwechslungsreich erweise.

Während er von seinen Erfahrungen als Leiter verschiedener Gruppen profitieren konnte, musste er sich vor allem fachliches Wissen aneignen. Vorher habe er nicht so tief ins Sozialgesetzbuch geschaut wie aktuell während des Programms. Auch gäbe es die im Wesentlichen betriebswirtschaftlich geprägten Führungsanforderungen in der Kirche nicht. So ambitioniert das Programm auch sei, so aussichtsreich gestaltet sich die Zukunft: Der 38-Jährige kann nicht nur mit einem unbefristeten Vertrag rechnen, sondern auch mit einem schnellen Aufstieg auf der Karriereleiter.

Idealer Übergang zwischen Studium und Beruf

Mehr Verantwortung und eine stärkere Einbindung erwarten auch Maren Klapprott, die ein einjähriges Traineeprogramm in der Marktforschung bei forum! Marktforschung absolviert. Die 26-Jährige hat sich bewusst nach dem Bachelor- und Masterstudium in Kommunikationswissenschaft für ein Traineeprogramm entschieden:

»Das bietet den idealen Übergang zwischen Studium und Beruf: Es eröffnet eine Nische zur Orientierung und Entfaltung innerhalb des Berufsfelds. Im Traineeprogramm wird man an die Herausforderungen des Berufsalltags nach und nach herangeführt und kann so Schritt halten mit der Verantwortung, die man im Unternehmen übernimmt.«

In ihrer Ausbildung zur Projektmanagerin begleitet sie unter anderem empirische Erhebungen von der Auftragserteilung durch den Kunden über die Konzeption, Abstimmung und Programmierung von Fragebögen, die Datenerhebung bis hin zu Ergebnispräsentationen und unterstützt ihre Kollegen beispielsweise bei Schulungen von Interviewern.

Zeitmanagement, Priorisierung, Zeitdruck

Dabei hat sie täglich mit Statistik, Datenanalyse, Marketing, Kundenbetreuung und Vertrieb zu tun. Ihr Masterstudium kommt ihr hier zugute, denn dieses war auf die Anwendung empirischer Methoden ausgerichtet. Wenngleich ihr das Handwerk nicht neu war, so hat sie in ihrem Traineeprogramm gelernt, dass sich mit ein paar einfachen Befehlen viel Zeit einsparen lässt. Im Gegenzug habe sie sich an der Uni auf ein, zwei zentrale Projekte konzentrieren können. Etwas anders läuft es nun im Traineeprogramm – hier sei ein gutes Zeitmanagement erforderlich:

»Ich muss diverse Abläufe im Kopf haben, ständig Prioritäten setzen und auch unter Zeitdruck gewissenhaft arbeiten«, erklärt Klapprott und fügt aber hinzu, dass das Ziel, der Verantwortung gegenüber Kunden und Kollegen sowie den eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, sie in ihrer persönlichen Entwicklung enorm weiterbringe. »Außerdem haben mich meine Kollegen super eingearbeitet«, sagt die 26-Jährige und fügt an, dass dieser Teamgeist auch nach Feierabend anhält – dann auch gerne mal in Verbindung mit einem Glas Wein.

Es lohnt sich also allemal, als Geisteswissenschaftler Augen und Ohren nach Traineeprogrammen offenzuhalten. Geistis können viel, nur dürfen sie eines nicht: bei der Jobsuche verzweifeln. »Schließlich haben sie viele Grundqualifikationen, die man überall gebrauchen kann und fachlich kann man sich viel aneignen«, betont Axel Pieper und rät allen Unentschlossenen, initiativ Bewerbungen zu schreiben: »Es kann Erstaunliches dabei herauskommen.«


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