Soft Skills: Führungsqualitäten entwickeln

Viele Studenten träumen davon, rasch Verantwortung im Beruf zu übernehmen. Um ein guter Chef zu werden, brauchst du aber ausgeprägte Führungsqualitäten - und die kannst du lernen!


Die letzten Prüfungen sind geschrieben, es fehlt noch die Abgabe der Abschlussarbeit und dann ist das Studium geschafft. Jetzt kann die Karriere so richtig losgehen. Die bisherigen Träume nehmen reale Gestalt an. Vorbei sollen die Zeiten sein, in denen man sich nur von Nudeln und Tomatensoße ernährt und schon Mitte des Monats mit bangem Blick auf das Konto geschaut hat.

Aber nicht nur die bevorstehende finanzielle Verbesserung des eigenen Budgets steht an, sondern auch die beruflichen Möglichkeiten und Chancen werden konkreter. Jetzt, so kurz vor dem Ende des Studiums, ist der verantwortungsvolle Job vielleicht schon zum Greifen nah. Viele wollen eine verantwortungsvolle Aufgabe, in der sie gestalten können, in der sie Verantwortung bekommen und die Möglichkeit erhalten, sich einzubringen. Für die meisten sind die zuletzt genannten Punkte sogar noch wichtiger als die rein materielle und monetäre Frage. 

Video: Mitarbeiterführung - Prof. Dr. Peter Nieschmidt

Führungsqualitäten: einbringen, entscheiden, feiern?

Sich einbringen, mitgestalten und Entscheidungen treffen, dabei noch möglichst im Team arbeiten, gemeinsam mit Kollegen ein Ziel erreichen, Siege feiern und Niederlagen verarbeiten. Das ist zumindest die Vorstellung der meisten Absolventen, die ins Berufsleben wechseln.

Die Attribute und Anforderungen an eine Führungskraft sind weitgehend bekannt und für ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch auch sinnvoll:

  • teamfähig
  • belastbar
  • kritikfähig
  • bereit, überdurchschnittlichen Einsatz zu bringen
  • motiviert, ... die Liste ist verlängerbar.

 

Führungsqualitäten entwickeln: Überstunden und Verantwortung

Neben den genannten Punkten gibt es weitere Dinge, die berücksichtigt werden müssen, wenn man als Führungskraft in eine bestehende Organisation kommt, also zum Beispiel einem Team als neuer Teamleiter vorgestellt wird.

In der Praxis gibt es eine Reihe von Dingen, an die man zunächst vielleicht gar nicht denkt. Stell dir vor, du bist die neue Führungskraft und kommst voller Elan und Ideen in dieses Team und für dich ist es selbstverständlich, dass du deine Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbinden möchtest. Nach ein paar Wochen stellst du frustriert fest, dass sich deine Mitarbeiter nicht in dem Maße einbringen, wie du dir das vorgestellt hast.

Noch schlimmer: Dir wird klar, dass du unter zehn Stunden gar nicht mehr aus dem Büro kommst und alles, was du an deine Mitarbeiter abgeben wolltest doch letztlich wieder auf deinem Schreibtisch landet.

Da dein Chef auch bestimmte Anforderungen an Ergebnisse an dich hat und du auch beweisen möchtest, dass du der Aufgabe gewachsen bist, arbeitest du noch länger, Sozialkontakte werden weniger und Zeit für dein Hobby hast du auch nicht mehr...

Dies ist ein durchaus üblicher Kreislauf mit häufig bekanntem Ende, das allerdings so nicht eintreten muss.

Der wohl wichtigste Punkt einer Führungskraft ist die Auseinandersetzung mit der Führungsrolle. Eine Führungsrolle muss man bewusst annehmen und die Aufgabe muss zur eigenen Persönlichkeit passen. Bevor man eine Führungsaufgabe annimmt sollte man klären, ob man bereit ist, wöchentlich 50 bis 60 Stunden aufzubringen, um das definierte Ziel zu erreichen.

Video: Prof. Dr. Kruse zur Zukunft von Mitarbeiterführung

Kann ich Führungsqualitäten erlernen?

Am besten kann man sich der Frage nähern, in dem man die eigenen Stärken und Schwächen analysiert – und dabei ehrlich zu sich selbst ist. Die Frage muss letztlich so lauten: »Kann ich mit meinen Stärken und Fähigkeiten das geforderte Ziel erreichen?« Wenn man beispielsweise ein eher perfektionistischer Mensch ist, bei dem alles immer hundertprozentig sein muss, so wird die Akzeptanz von anderen Meinungen aus dem Team eventuell schwieriger. Die Mitarbeiter merken das schnell und verhalten sich entsprechend.

Als Führungskraft ist man immer auch in einer Vorbildfunktion und man wird in allem was man tut beobachtet. Ein typisches Beispiel ist das Thema Pünktlichkeit. Wenn die Führungskraft Pünktlichkeit von den Mitarbeitern einfordert, aber selbst regelmäßig zehn Minuten zu spät zu den Besprechungen erscheint, kann das nicht lange funktionieren. Gerade junge Führungskräfte tun sich mit der Vorbildfunktion häufig schwer, da man eher kollegial sein möchte und auch als Teil des Teams verstanden werden will. Dies ist in der Realität aber fast nie der Fall. Als Führungskraft bist du in einer besonderen Rolle und Situation, in der du letztlich auch Macht und Autorität besitzt. Wieder ein Begriffspaar, mit dem man sich zunächst eher etwas schwer tut. Aber letztlich ist man als Führungskraft in einer ›Machtposition‹, zumindest aus Sicht der Mitarbeiter in einer mächtigeren Position. Dies kann daran liegen, dass man über mehr Informationen verfügt, früher an Informationen kommt oder auch einfach nur daran, weil man Zugang zu bestimmten Kreisen hat. Letztlich wird dies am deutlichsten, wenn die Führungskraft über disziplinarische Macht verfügt. Das harmlose Beispiel ist die Genehmigung von Urlaubszeiten (im Übrigen in der Führungspraxis ein konfliktreiches Feld). Darf jetzt in den ersten zwei Ferienwochen der Familienvater den Urlaub nehmen oder die neue Mitarbeiterin nach Australien fliegen, weil dort ihre Schwester heiratet? Macht kann auch bedeuten, dass man über weitreichendere Dinge zu entscheiden hat, zum Beispiel über die Verlängerung der Probezeit oder Anwendung von erzieherischen Maßnahmen in Form von Abmahnungen oder noch drakonischeren Dingen. Wer jetzt noch glaubt, dass die Teammitglieder den Vorgesetzten als einen von ihnen betrachten, mit dem sie gerne die Mittagspause verbringen wollen, der irrt. Sicher gibt es Ausnahmen, vor allem wenn der Teamleiter eher nur eine Art ›Teamsprecher‹-Rolle hat – bei wirklicher Führungsverantwortung und Führungsarbeit wird dieser Zustand aber immer seltener.

Führungsqualitäten: Zeit für einen Business-Lunch mit dem Ex-Chef?

Das ist letztlich nichts Schlimmes, wenn man sich damit im Vorfeld auseinandergesetzt hat. Stell dir vor, der Geschäftsführer des Unternehmens, in dem du während des Studiums gearbeitet hast, würde sich mit dir zum Business-Lunch verabreden wollen – eine komische Situation, oder? Es soll jetzt damit aber nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass man sich von seinen Mitarbeitern distanzieren soll. Im Gegenteil. Führungsaufgabe ist zu großen Teilen die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten und Bedürfnissen der eigenen Mitarbeiter. Dazu gibt es eine Reihe von Führungswerkzeugen, die man einigermaßen beherrschen sollte. Exemplarisch sei hier die Kommunikation erwähnt – des Managers wichtigstes Werkzeug:

  • Was passiert eigentlich, wenn man als Führungskraft Informationen weitergibt?
  • Welche Bedeutung hat der richtige Zeitpunkt der Kommunikation?
  • Kann ich als Führungskraft die Kommunikation positiv beeinflussen?


In einem kleinen Ratgeberbuch ›Vom Studenten zur Führungskraft‹ haben wir die wichtigsten Regeln und Werkzeuge für einen erfolgreichen Übergang von Studium in den ersten Führungsjob zusammengetragen. Das thematische Spektrum geht dabei von der Führungsrolle über die richtige Inthronisation der Führungskraft über die Motivation und Kommunikation zum Umgang mit Konflikten, Zielen und Werten.

Dabei werden fundierte theoretische Erkenntnisse mit der Führungspraxis verknüpft, die aus eigener langjähriger Führungserfahrung und einer Vielzahl von Führungsseminaren und -trainings stammen.

Text: Christoph Seeger

 

 

Artikelsuche

Bewerbung: Schritt für Schritt

Schritt für Schritt zeigen wir dir, worauf es bei einer erfolgreichen Bewerbung ankommt: Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto, Anhänge.


Mehr zum Thema Bewerbung

Hol dir alle audimax-Ausgaben in einer App fürs Tablet und Smartphone!

Jetzt herunterladen:

  • Gehaltsverhandlung: Wie du dich optimal auf deine erste Gehaltsverhandlung vorbereitest
  • Work-Life-Balance: Warum es wichtig ist, ein ausgeglichenes Leben zu haben und wie du das, trotz Berufseinstieg, schaffen kannst
  • Diversity: Was Unternehmen tun, um Frauen fördern, Chancengleichheit herzustellen und Diskriminierungen zu vermeiden.
  • Weiterbildung im Beruf: Vom berufsbegleitenden Master bis hin zu Zertifikaten aller Art nehmen wir Weiterbildungsmöglichkeiten unter die Lupe.
  • Karriere im Ausland: Welche Tipps du beherzigen solltest