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Corona-Krise: Lernsituation im Homeoffice

Du vermisst deine Lerngruppe und deinen Stammplatz in der Bib? Damit bist du nicht allein! So geht es derzeit den meisten Studenten in Deutschland. Wie du auch zuhause produktiv und motiviert lernen kannst, liest du hier.

  • Wie gelingt mir das Lernen von zuhause?

Auch wenn es verlockend ist, direkt aus dem Bett zum Schreibtisch zu rollen: Setz dich nicht im Schlafanzug vor den PC. Für konzentriertes Arbeiten brauchst du Struktur – und die ergibt sich nicht von selbst. Um in Arbeitsstimmung zu kommen und einen klaren Übergang von Freizeit zum Lernmodus zu erzielen, gehört auch ein geregelter Einstieg in den Tag. Das heißt: mit dem Weckerklingeln aufstehen, duschen, Zähne putzen und ordentlich anziehen. Erst wenn du dich kompetent fühlst, wirst du auch produktiv sein.

  • Wie schaffe ich die richtige Arbeitsumgebung?

Natürlich hat auch dein Arbeitsplatz Einfluss darauf, wie gut du lernen kannst. Die Kaffeetasse von gestern, die Buntstifte vom vorabendlichen Malversuch und das angebissene Käsebrot haben auf deinem Schreibtisch nichts zu suchen. Bevor du loslegst, solltest du also erst mal Platz schaffen. Räume all den unnötigen Krimskrams auf und stelle nur das bereit, was du normalerweise auch in deiner Uni-Bibliothek dabei hast: Laptop, wichtige Mitschriften deiner Vorlesungen, das Buch, das du gerade durcharbeitest, und eine Flasche Wasser. Du wirst sehen, dass du nicht nur viel mehr Platz hast, um ordentlich zu arbeiten, sondern auch deine Konzentration augenblicklich steigen wird.

  • Wie schaffe ich es, mich zu konzentrieren?

Am fokussiertesten und effektivsten lernst du, wenn um dich herum Ruhe herrscht. Ob du bei deinen Eltern, in einer WG oder im Wohnheim lebst – in jedem Fall gibt es Menschen in deiner Umgebung, die dich ablenken könnten. Um niemanden vor den Kopf zu stoßen und deine Produktivität möglichst stabil zu halten, gibst du deinen Eltern oder Mitbewohnern am besten Bescheid, zu welchen Zeiten du nicht gestört werden möchtest. Diese ruhigen Zeitfenster festzulegen, hilft dir übrigens auch selbst, deinen Alltag zu strukturieren.  

  • Wie lerne ich daheim am besten?

Die Antwort ist einfach: So, wie du auch sonst lernst, ob in der Bib oder anderswo. „Wir alle lernen verschieden und es ist hilfreich zu wissen, wie man selbst am besten lernt“, weiß die Professorin für Wirtschaftsmathematik Britta Ruhnau. Sie arbeitet am Iserlohner Campus der University of Applied Sciences Europe und beschäftigt sich mit Fragen rund um den Lehr-Lern-Prozess. Sie rät allen Studenten daheim, sich folgende Fragen zu stellen: „Lerne ich besser alleine und im stillen Kämmerlein oder indem ich später mit den anderen über den Lernstoff diskutiere? Verschaffe ich mir erst mal einen Überblick oder probiere ich lieber gleich aus?“ Deine Antworten geben Aufschluss darüber, was für dich auch im Homeoffice gut funktioniert. Falls du den Austausch mit Kommilitonen brauchst, um das Gelernte zu verinnerlichen, vereinbare Lerntermine per Skype oder über andere Anrufplattformen.

  • Wie wirke ich Einsamkeit entgegen?

Das Telefonieren mit Kommilitonen hilft dir nebenbei auch, mit den derzeitigen Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise umzugehen. Neben dem praktischen Effekt, dass der Austausch beim Lernen des Stoffs hilft, fühlst du dich automatisch auch weniger allein. Du merkst, dass deine Kumpels im selben Boot sitzen und ihr könnt euch gegenseitig Tipps geben, wie ihr die Zeit positiv nutzen könnt. Auch die Professorin Britta Ruhnau rät: „Nicht ins Schneckenhaus zurückziehen!“ Gerade, wenn du dir mit bestimmten Online-Anwendungen unsicher bist oder Fragen zu einer Plattform hast, lohnt sich der stetige Kontakt zu anderen Studenten. „Diejenigen, die schon länger mit bestimmten Anwendungen arbeiten, können in kurzer Zeit den Einstieg erklären und damit vieles einfacher machen.“ Du kannst auch mit einigen Kommilitonen eine Gruppe bilden, die sich regelmäßig über den Lernerfolg up to date hält und deren Mitglieder bei Problemen gegenseitig helfen können. „Davon profitieren alle – der öffentliche Austausch hilft enorm und schweißt auch digital zusammen“, ist sich Ruhnau sicher.

  • Wie bleibe ich motiviert?

Es ist ratsam, innerhalb deiner Uni-internen Plattformen nicht anonym zu bleiben. Auch Britta Ruhnau findet, dass Anonymität wenig Interaktion zu Folge hat und Mitstudenten davor abschrecken lässt, Kontakt aufzunehmen. „Statt also Pseudonyme auf dem virtuellen Campus zu benutzen, gib besser deinen richtigen Namen an und versieh deinen Account mit einem freundlichen und passenden Profilbild“, rät Ruhnau und fügt in Sachen Videochats hinzu: „Bitte die Kamera benutzen und nicht verstecken. Wenn die Kommilitonen und Dozenten wissen, mit wem sie es zu tun haben und umgekehrt, lernt es sich gleich viel besser zusammen.“ Das starke Gemeinschaftsgefühl, das sich daraus ergibt, hilft dir, am Ball zu bleiben. Zusätzlich ist aber auch das richtige Mindset gefragt: Siehst du die digitalen Tools als nützlich und hilfreich an? Bist du offen für neue Anwendungen? Wie gehst du mit Problemen um? Sicherlich wird nicht alles so funktionieren, wie du es dir wünschst. „Doch  statt den Kopf in den Sand zu stecken, gilt es, herauszufinden, woran das liegt“, weiß Ruhnau. „Es sollte Raum und Zeit gegeben werden, Neues einfach mal auszuprobieren und dabei auch Fehler zu machen. Dinge müssen schiefgehen dürfen.“ Denn nur mit einer solchen Fehlerkultur könne das digitale Lernen auch funktionieren.


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