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Der Weg des Helden – Schreibblockaden überwinden

Ein erfolgreiches Studium, eine glückliche Studienzeit und Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten – was klingt wie ein Märchen, kann Realität werden

Wer Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat, erlebt dabei Glücksmomente, und das wiederum ist die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss. Schau dich an, deine Freunde und Kommilitonen: Gehört ihr schon zu diesen Glücklichen?

Die meisten tun es nicht: Angst und Stress spielen die Hauptrolle im Studium und hindern sie daran, zu zeigen, was sie eigentlich können. Statt erfolgsorientiert zu arbeiten, ist der Blick schockstarr auf die Gefahr des Scheiterns gerichtet. Ein Umdenken ist nötig: Spaß statt Stress, Mut statt Angst, Heldentum statt Opferrolle.

Routenplaner für Helden

Heldentum, richtig gehört. Das Konzept der Heldenreise hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung für künstlerisches und literarisches Arbeiten gewonnen: Hollywood schwört darauf. In deiner wissenschaftlichen Arbeit machst du nichts anderes als der Hobbit auf dem Weg nach Mordor: Es geht um die Entwicklung von einem ungelösten Forschungsproblem hin zu einer möglichen Lösung.

Dieser Weg führt über einige Stationen voller Zweifel, Umwege und Gefahren, die ein Held oder eine Heldin nun mal durchzustehen hat, aber am Ende immer zum Erfolg. Also: Werde zum Helden deines Studiums und verleg das Drama rund um die Abschlussarbeit raus aus deinem Leben und rein in deine Bachelor- oder Masterarbeit selbst. Denn da gehört es hin!

Wer scheitert, ist intelligent

Vorweg kann ich dir schon eine ermutigende Voreinschätzung deiner Qualitäten und deiner Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit quasi blanko ausstellen: Der typische potenziell Scheiternde ist hochintelligent – so intelligent, dass seine Selbstreflexion auch die Bereitschaft mit sich bringt, alle einmal gemachten Aussagen wieder in Zweifel zu ziehen und damit seine eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse immer wieder aufs Neue zu überprüfen oder zu verwerfen. Viele der Ratsuchenden in der Schreibberatung haben meiner Erfahrung nach sehr feine Antennen zur intellektuellen Wahrnehmung. Dies ist ein zweischneidiges Schwert, da damit sowohl hoch differenzierte Forschungsergebnisse und -aussagen möglich sind, aber auch Zweifel und Widersprüche immer wieder drohen, die Zufriedenheit mit dem Geschafften – sprich: Geschriebenen – zu gefährden. Das Gute daran ist: Auf die intellektuelle Tiefe und Differenziertheit deiner Aussagen kannst du dich immer verlassen. Also fürchte dich nicht – schreibe!

Am Schreibtisch lauert die Angst

Manchmal beginnt die Angst schlagartig in dem Moment, in dem die Abschlussarbeit angemeldet wird und die Uhr beginnt zu ticken. Als Erstes ist es wichtig, diesen Angstzustand als solchen zu erkennen. Viele Studierende spüren in ihrem Innern, dass sie an einem Punkt angekommen sind, an dem sie ohne Hilfe nicht mehr weiterkommen. Dass sie diesen Punkt im Unterbewussten erreicht haben, ist daran zu erkennen, dass sie eine Schreibberatung aufsuchen, einen Schreibworkshop besuchen oder sich ein Buch zum akademischen Schreiben kaufen. Die Ursache des Problems, die Angst, bleibt dabei allerdings meist im Dunkeln – und deshalb verpuffen die gutgemeinten Tipps zu Gliederung, Zeitmanagement und geschickten Formulierungen ziemlich wirkungslos.

Die üblichen Ausreden

Dein Verstand wollte bisher vermutlich noch nicht akzeptieren, dass du schlicht Angst vor der Herausforderung hast. Und weil der Verstand eben der Sitz von Klugheit und Strategie ist, sucht er Stellvertretererklärungen für das beunruhigende Gefühl drohenden Scheiterns: Bei der lärmenden Baustelle vor dem Fenster, deinem Beziehungsstress oder mit dem nervigen Schnupfen kannst du natürlich nicht schreiben. Solche Übel machen es dir zwar wirklich nicht leichter – aber sie sind auch nicht das Problem.

Es geht nicht um dich

Das wirkliche Problem, dein Thema, braucht deine Hilfe. Aber du hast Angst davor, dich mit deinem Thema zu identifizieren und für seine Belange zu kämpfen. Der erste Schritt deiner Heldenreise ist deshalb: Tür auf! Lass dein Thema rein und finde raus, was es von dir will. Es klingt paradox, aber indem du dich mit deinem Thema identifizierst, lässt du dein eigenes Selbst außen vor – und das ist der erlösende Schritt, ein mögliches Scheitern deines Themas von einem Scheitern deiner Person abzukoppeln. Es geht nicht um dich, sondern nur um eine wissenschaftliche Arbeit von 20 bis maximal 120 Seiten. Dir selber kann nichts passieren. Untergehen kann nur dein Thema – und für dein Thema kannst du dich nun mutig und voller Tatendrang zum Helden aufschwingen. Sieh es als Spiel, als Abenteuer! Und einmal den Ruf des Abenteuers vernommen, bleibt dir wie jedem mutigen Helden nicht wirklich eine andere Wahl, aber dir winkt zur Belohnung ein großer Schatz: die bestandene Arbeit, der Abschluss, ein weiterer Schritt in eine schöne, erfolgreiche Zukunft.

Kultiviere dein Helfersyndrom

Sich dem Problem zu stellen, bedeutet seine Relevanz, seine Bedeutung anzuerkennen. Damit zeigst du dem Thema deine Wertschätzung. Das ist die wichtigste Maßnahme, um dein Thema zu einem Gelingen zu führen, indem du es aus dem Sumpf der Nichtigkeit herausziehst und stolz verkündest: Ja, du bist es wert, dass ich dir einen Teil meines Lebens widme. Und: Ja, du bist es wert, dass ich für dich kämpfe. Weshalb ist dein Thema so wertvoll? Mit Sicherheit ist es in irgendeiner Weise wichtig für das Interesse, das Schicksal, das Wohlergehen oder zumindest den Erfolg in einer dringlichen Angelegenheit dir vermutlich unbekannter Menschen. Wenn du jetzt den Ruf deines Themas vernehmen solltest, dann steckt dahinter der Ruf realer Menschen. Das ist die Relevanz deines Themas. Jetzt musst du nur noch starten und deine Reise mutig in Angriff nehmen bis zum glorreichen Sieg und der triumphalen Heimkehr: Happy End!


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