Foto: Vasily Koloda/Unsplash

Komm ins Master-CheckerLand!

Entscheidungsdruck pur nach dem Geisti-Bachelor: 
Masterstudium – ja oder nein? Hier naht Hilfe

Rund zwei Drittel aller Geisteswissenschafts-Bacheloranten entscheiden sich nach dem Abschluss für ein Master-Studium. Nötig oder verschwendete Zeit? Kommt ganz drauf an! Wir helfen bei der Entscheidung und zeigen euch die verschiedensten Formen eines weiterführenden Studiums – von klassisch bis dual! Daher: Komm mit uns ins Master-Checkerland  – Infos satt gibt’s hier! 

Master aus Verlegenheit? 

Einfach mal so, weil man nicht weiß, was man grad sonst machen soll oder um noch ein bisschen die gute alte Unibank zu drücken, den Master zu machen, ist keine wirklich gute Idee.  Echte intrinsische Motivation ist eine der Grundvoraussetzungen. Klingt nach Binsenweisheit? Immer wieder brechen Studenten ihren Master ab, weil ihr Entschluss zu diesem Studium mehr aus Verlegenheit als aus Überzeugung gefallen ist. Deshalb: Du brauchst klare Ziele:  Strebst du eine wissenschaftliche Karriere an?  Willst du raus aus der Uni? Und: Wie wichtig ist der Master für einen Berufseinstieg in deinem Bereich? 

Was braucht der Arbeitsmarkt? 

Das kommt ganz auf die Branche an, in der du arbeiten willst. Möchtest du nach dem Studium zum Beispiel im Verlagswesen tätig werden? Dann brauchst du nicht zwingend weiter zu studieren – hier wird man in Form von Traineeships oder Volontariaten oft intern weiter ausgebildet. »Ein Master ist keine zwingende Voraussetzung dafür, dass junge Kollegen bei uns ein Volontariat machen können. Uns geht es mehr um journalistische Vorerfahrung, politische und analytische Denke, Motivation und Begeisterung für den Beruf«, erzählt uns Julia Bönisch, Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Auch in der Tourismus-Branche ist ein Master nicht zwingend erforderlich. »Überzeugt uns der Lebenslauf des Bewerbers, etwa mit tollen, vielfältigen Praktika oder Auslandsaufenthalten, reicht auch ein Geisti-Bachelor aus«, sagt Rebecca Wright, Recruiting Specialist bei FTI Touristik. Anders sieht es in der Kulturbranche aus, vor allem in höherrangigen Jobs. »Für einen Einstieg in Führungspositionen bei uns«, so etwa Eva Martin, Stellvertretende Direktorin des Neuen Museum Nürnberg, »ist ein kunst- oder kulturgeschichtlicher Master auf alle Fälle nötig.« Ähnliches Feedback erreicht uns auch aus Stiftungen und Behörden. Unser Tipp deshalb: Werde dir bewusst, wo du arbeiten möchtest und informiere dich dann einfach, welche Anforderung dieser Job mit sich bringt. Übrigens: Interessant sind die Unterschiede im Gehalt, die fallen nämlich nicht sooo groß aus, wie man vielleicht denkt. Während Bachelor-Absolventen im Schnitt 29.800 Euro brutto im Jahr verdienen, gehen Masteranten mit etwa 33.300 Euro brutto jährlich nach Hause. Der Geld-Faktor sollte bei der Entscheidung also eher eine Nebenrolle spielen.  

Überblick verschaffen 

Du hast dich grundsätzlich für ein Masterstudium entschieden?  Dann wartet jetzt die Qual der Wahl auf dich. Tipp: Erst mal an der eigenen Uni informieren. Die Strukturen dort sind dir vertraut, du kannst vor Ort mit Master-Studis deines Wahl-Studiengangs kommunizieren und live rausfinden, wie anspruchsvoll, stressig, spannend sie ihr Studium finden – eine gute Basis, um dann leicht weiterzurecherchieren. Einen ersten Überblick über die Masterangebote anderer Universitäten kriegst du am schnellsten über Portale wie hochschulkompass.de   

Feintuning 

Ist deine grundsätzliche Pro-Master-Entscheidung gefallen, hat der Master-Gott das Feintuning vor die Hochschulwahl gesetzt. Jetzt ist Fleißarbeit angesagt, am besten via Ecxell-Liste: Modulbeschreibungen, Lehrinhalte, Auslandskooperationen, Kosten, Zulassungsvoraussetzungen – du musst vergleichen, vergleichen, vergleichen. 

Kleine Master-Kunde 

Grundsätzlich: Masterstudiengänge sind mittlerweile oft per NC zugangsbeschränkt. Manche Hochschulen verlangen eine ­Bewerbung mit Motivationsschreiben und laden zum Auswahlgespräch ein. Masterstudiengänge sind entweder anwendungsorientiert oder forschungsorientiert.

Konsekutiver Master  

Standardmodell. Baut auf dem Geisti-Bachelor im gleichen oder ­einem ähnlichen Fach auf und nimmt dich tiefer mit in die Materie deines Studienfachs. Darf nicht mehr als vier Semester dauern. 

Nichtkonsekutiver Master

Nicht ganz so häufig. Er ist der Master der Wahl für alle, denen ihr fachspezifischer Input aus ihrem Studienfach reicht und die sich inhaltlich neu orientieren, aber weiter studieren wollen. Nichtkonsekutive Master bauen nicht auf dem vorangegangenen Bachelor auf. Beispiel: Nach dem Bachelor in Geisteswissenschaften einen Master in Wirtschaftswissenschaften hängen. Informier dich am besten im Netz über die vielfältigen Möglichkeiten.

Master im Ausland

Danke, Bologna-Prozess: Mittlerweile ist ein Master-Studium im europäischen Ausland relativ problemlos machbar und der Abschluss wird international anerkannt. Viele Unis bieten extra Masterstudiengänge für Auslandsstudierende an. Wichtig: du hast vor dem Masterstudium lediglich einen (oder auch mehr als einen) Bachelor-, aber keinen anderen Hochschulabschluss (z. B. Staatsexamen) gemacht. Für diesen Karrierekick reicht oft ein Sprachnachweis für Englisch, nur manchmal sind landessprachliche Fähigkeiten gefragt. Auslands-BAföG: Selbst wer kein Inlandsbafög bekommt, kann die Auslandsförderung erhalten. Möglich machen das unterschiedliche Bemessungsgrenzen. Bis 4.600 Euro gibt es als Studiengebühren-Zuschuss für maximal ein Jahr. Dieser Betrag muss nicht zurückgezahlt werden.

Dualer Master

Doppelwhopper: Mix aus Theorie an der Hochschule und Praxis in einem Unternehmen. Was die Zeiteinteilung angeht, gibt es verschiedene Modelle:  Theorie- und Praxisphasen in Blöcken oder tageweise integriert – das ist abhängig von der Hochschule. Das üblichere Modell ist das Block-Modell. Wie der klassische Master baut auch der duale meist konsekutiv auf einem Bachelor auf. Das Angebot an dualen Masterstudiengängen ist bei weitem noch nicht so ausgebaut wie das für duale Bachelor-Studiengänge. Branchen, in denen der duale Master schon ziemlich angekommen ist, sind die Technikbranche, Wirtschaft und das Sozialwesen. Achtung wichtig: dual studieren ist immer zeitintensiver als studieren only. Dafür bekommst du natürlich jede Menge praktische Erfahrung. 

Geisti-Master-Schnellcheck

+    Konsekutiv studieren, oder nicht? Nutz den Master auf jeden Fall zur Spezialisierung in einem Fachgebiet. 
+    Rund zwei Drittel der Bachelor-Absolventen starten in den Master. Deswegen: Angebote gründlich sichten und flexibel bleiben!
+    Regionale Unterschiede: In Giessen (Hessen) haben fast 50 Prozent aller Studienprogramme eine Zulassungsbeschränkung. In Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) lediglich 15 Prozent.
+    Ein Viertel der Geisti-Bachelorabsolventen ist nach dem Abschluss inadäquant beschätigt. Damit sind Jobs gemeint, die wenig oder gar nichts                  mit dem Inhalt des Studiums zu tun haben. Daher ist eine Master-Qualifikation in vielen Fällen unbedingt empfehlenswert.
+    Bei Online-Selbsttests und Master-Datenbanken immer mehrere Quellen sichten, um ein objektives Bild zu bekommen.
+    Mehr Kohle durch Master? Ja, wenn auch marginal. Genauere Infos im Text auf der linken Seite. 

 

Text: Barbara Bialas


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