Schweinehund überwinden lernen!

Er meint’s eigentlich gut mit dir, dein Schweinehund. Lern ihn verstehen und dann: Dreamteam! Motivationstipps von Coach Marco von Münchhausen.

Hammer-Vorsatz: Lernen

Die anderen treffen sich heute im Fitness, na toll. Hättest du mitgehen können. Aber: In vier Wochen steht die Klausurenphase vor der Tür, Lernen ist angesagt. Also bist du zu Hause geblieben, voller guter Vorsätze. Gerade willst du dich über deine Bücher setzen – da fällt dir auf, die Spülmaschine ist fertig, also: ausräumen! Gedacht, getan. Dann nochmal schnell in die WhatsApp-Gruppe gespitzt, ganz kurz zwei Titel deiner Motivier-dich-Spotify-Liste gehört und: Eine halbe Stunde später sitzt du wieder vor den Büchern, als dein Bruder reinkommt und ein halbes Stündchen mit dir über die Party übermorgen plaudert. Jetzt aber! Oh! Da sind ja noch die Urlaubsfotos am Handy, stimmt ja! Lange nicht mehr angeguckt – nur mal schnell...

Auf diese Weise kann ein Tag vergehen, ohne dass du auch nur einen Strich gemacht hast. Ergebnis: du bist unzufrieden.

Erkenntnis 1: Dein innerer Schweinehund ist am Werk. Der dir immer, wenn du dein Potenzial entfalten und gute Vorsätze Wirklichkeit werden lassen willst, Dinge zuflüstert wie: »Ach nee, jetzt nicht!« oder »Lass mal, das ist zu mühsam!«

Erkenntnis 2: Dein Schweinehund ist ein einfallsreicher Zeitgenosse. Er bringt dich dazu, genau das Gegenteil von dem zu tun, was du dir eigentlich fest vorgenommen hattest. Dabei ist ein verständlicher Mechanismus am Werk: Du hast ein Vorhaben, das dir nicht leicht fällt, nämlich Lernen, und hast dir dafür Zeit genommen. Nun willst du zwar anfangen, verspürst aber sofort negative Gefühle, vielleicht sogar Angst, weil du weißt, dass die vor dir liegende Arbeit unangenehm ist. Also entsteht der Impuls, dem Vorhaben auszuweichen. Diesem verführerischen Impuls musst du fast zwanghaft nachgeben und so wechselst du zu weniger schwierigen Tätigkeiten, innerlich begleitet von Pseudorechtfertigungen wie »dauert ja nicht lang« oder »mach ich jetzt ganz schnell und dann fang ich aber wirklich an«.

Problem: die negativen Gefühle in Bezug auf dein Vorhaben verstärken sich nun, weil du 1. unter Zeitdruck gerätst und 2. ein schlechtes Gewissen hast. Was wiederum zur Folge hat, dass du erneut nach einer angenehmeren Beschäftigung suchst.

Der Teufelskreis wiederholt sich wieder und wieder. Der Gipfel: Du gibst dein Vorhaben auf oder musst einen meganervigen Arbeitsmarathon hinlegen. Je häufiger du derartige Teufelskreise durchlebst, desto geringer ist am Ende dein Selbstvertrauen und desto größer die Gefahr, dass ein solcher Prozess zur Gewohnheit wird.

Schweinehund-Tricks

Er bringt dich dazu, dir so viel aufzuladen, dass von Anfang an klar ist: nicht zu schaffen! Und er vereint sich mit anderen Schweinehunden — denn dein Bruder, der dich vom Lernen abhält, müsste gerade selber lernen. Aber weil er auch nicht vor seinen Büchern sitzt, siehst du einen Menschen in einer vergleichbaren Situation. »Der tut’s ja auch!« denkst du, und findest dein Nicht-Lernen deshalb weniger schlimm. Am Ende sind die Schweinehunde so übermächtig, dass sie all dein Selbstvertrauen erfolgreich untergraben. Frustriert zweifelst du an deinen Fähigkeiten, bis du schließlich aufgibst.

Dein Schweinehund meint es aber gar nicht böse. Im besten Fall will er dich vor Stress und Überforderung bewahren. Er möchte, dass es dir so schnell wie möglich gut geht und will deine Grundbedürfnisse auf die einfachste Art befriedigen. Deshalb wird es auf die Dauer nichts bringen, immer wieder gegen ihn anzukämpfen.

Je öfter du das tust, desto öfter wirst du mit ihm zu tun haben. Da dein Schweinehund ein Teil von dir ist, kämpfst du gegen dich selbst. Du musst lernen, deinen Schweinehund anzunehmen und in dein Leben zu integrieren.

Der erste Schritt: die Decodierung der Schweinehund-Sprache. Dein Schweinehund versucht, dich mit negativen Formulierungen auszutricksen. Wenn du manche deiner Formulierungen überdenkst, wirst du sehen: Es steckt was ganz anderes dahinter!

Schweinehund-Sprache

»Das schaffst du nicht!«, Wahrheit: »Du traust dich nicht!«

Beispiel: Du sitzt vor einem Lernberg und bist sicher, dass du das nicht schaffst – das heißt aber noch lange nicht, dass du dir die Sachen nicht einteilen kannst. Dein Schweinehund liebt negative Äußerungen. Für das Gelingen deiner Vorhaben brauchst du aber eine optimistische Grundeinstellung!

Also fang an, die Wahl deiner Worte zu beeinflussen.

Wenn du statt »Ich muss« sagst: »Ich will!«, verwandelst du den inneren Druck, etwas zu tun, in einen inneren DRANG.

Gewöhn dir an, statt »ich sollte«, »ich müsste«, lieber »ich will« oder »ich kann« zu sagen. Formuliere Negatives positiv um: Sag anstatt »das Problem ist« »die Herausforderung ist« – und schon fühlt sich das anders an.

Halte dir außerdem vor Augen, welchen Gewinn du erzielst, wenn du erfolgreich lernst: »Abi« heißt das Zauberwort. Und überleg andererseits, wie du dich fühlst, wenn du dich nicht aufraffst. Auch wenn es jetzt unangenehm ist – später wird es vielleicht noch unangenehmer sein. Was also ist das kleinere Übel?

Wenn du dir Vor- und Nachteile deines jetzigen (Nicht-)Handelns vor Augen geführt hast, wirst du in der Lage sein, dich endgültig und klar zu entscheiden. Lernen ist besser! Danach steht eine realistische Zielplanung an. Überleg dir, wie du dein Vorhaben am besten angehst, wie viel Zeit du benötigen wirst, welche Hilfe du brauchen könntest.

Je konkreter du weißt, wie die Umsetzung deines Vorhabens aussehen wird, desto mehr wirst du ein Gefühl der Machbarkeit bekommen.

Wichtig: Plane in kleinen Schritten deinen Weg zum Ziel. Setz dir z.B. jeden Tag einen festen Lern-Termin. Zwischenergebnisse und Endtermine hältst du schriftlich fest. Und tu dir etwas Gutes: Halt dir Pausenzeiten frei oder belohn dich für einzelne Teilerfolge.

Zielplanung abgeschlossen? Dann nutze die Motivation und fang am besten sofort an. Der erste Schritt ist meist der schwerste – also bring ihn schnell hinter dich! Du musst auch nicht gleich perfekt loslegen und z.B. den Lernplan des Jahrhunderts erstellen. Auch mit einem nur 70-prozentig guten Plan hast du eine Arbeitsgrundlage.

Trotzdem: Kann gut sein, dass dein Schweinehund dich zwischendurch wieder partout vom Schreibtisch wegziehen will. Versuch, zu widerstehen! Wenn dein Schweinehund dich ans Handy locken will – frag dich, ob das tatsächlich jetzt in dem Moment sein muss, oder ob es nicht auch noch in der Pausenzeit reicht. Und wenn du wirklich mal so richtig angekotzt bist und überhaupt nicht weitermachen willst? Dann gönn deinem Schweinehund diesen kleinen Sieg und mach am nächsten Tag weiter, als wäre nichts gewesen.

Funktioniert nicht? Dann hast du dich vielleicht überfordert, hast dir einen zu großen Teil der Arbeit auf einmal vorgenommen. Schalte lieber einen Gang zurück und plane in kleineren Schritten. Überforderung ist ein Motivationskiller, du brauchst einfach nur wieder das Gefühl der Machbarkeit. Wahrscheinlich hat dein Schweinehund sogar berechtigt nach einer Auszeit verlangt.

Nun bist du also mitten dabei. Um dich zu motivieren, kann es nicht schaden, deine Teilerfolge zu visualisieren. Häng dir Zettelchen an die Wand, auf denen du Erfolge festhältst. Und überleg dir eine Belohnung für den »Tag danach« - mach Party, nen Einkaufsbummel, was auch immer dir gefällt. Das wird auch deinem Schweinehund gefallen! Tatsächlich wirst du so schon viel mehr mit ihm im Einklang leben: in dem du auch mal auf ihn hörst, ihm eine berechtigte Nische in deinem Leben einräumst – aber ihm gleichzeitig auch seine Grenzen zeigst!


Buchtipp
Marco von Münchhausen >So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!< Mehr über Schweinehund-Tricks und Strategien für ein erfolgreiches Miteinander. Für alle Lebenslagen. Campus Verlag, 22 Euro


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