Zeichnung: Mann in Toga, blauen Haaren und Tattoo

Gute Präsentation: So wirst du zur Rampensau!

Präsentationen zu halten ist für viele eine lästige Pflicht. Mit unseren Expertentipps aber rockst du den Hörsaal

Kennst du Giulia Enders? Sie ist nicht nur die Autorin des Überraschungsbestsellers in 2014, ›Darm mit Charme‹, sondern auch eine großartige Präsentatorin. Das hat sie bereits als Studentin eindrucksvoll bewiesen.

Letzteres führte überhaupt erst dazu, dass sie ein Buch schreiben und so erfolgreich platzieren konnte. Bevor du weiterliest, schaue dir Giulias fantastischen Vortrag an, aufgenommen beim Science-Slam in 2012 in Berlin: Giulia macht in diesen gut zwölf Minuten praktisch ›alles‹ richtig und gewinnt deshalb auch souverän diesen Science-Slam. Aber was ist dieses ›alles‹? Es teilt sich in drei wichtige Bereiche: Botschaft, Publikum und Auftritt.

Gute Präsentation: Auf die Botschaft kommt es an!

Bevor du eine Präsentation halten möchtest, musst du erst einmal selbst wissen, was du sagen möchtest. Was sollen deine Zuschauer mitnehmen? Je kürzer und knackiger dieses ›was‹ ist, desto einfacher versteht es dein Publikum. Also gilt: Weniger Botschaften sind mehr! Mach dir dazu auch gleich Gedanken, wie du rüberkommen willst. Ein ängstlicher Auftritt mit piepsiger Stimme wird keinen Professor überzeugen. Giulias ungewöhnliche Botschaft ist:

»Der Darm ist ein sehr spannendes und tabuisiertes Körperteil.« Das bringt Giulia locker und fast flapsig rüber.

Packe deine Botschaften in eine passende Struktur. Erzähle eine Geschichte, baue durch Polarität Spannung auf oder etabliere eine schlüssige Logik. Eine Kombination verschiedener Strukturen ist natürlich noch besser. Giulia setzt einen ›Bogen‹ ein. Sie beginnt den Vortrag mit dem Vergleich ihres Studienfachs und dem ihrer Schwester. Am Ende kommt sie wieder darauf zurück. Sehr überraschend und charmant. Dazwischen erzählt sie die Geschichte eines Kaffeekränzchens bei den Tanten. In einer Logikstruktur erklärt Giulia die Funktion der Darmschließmuskeln. Mittels der Struktur ›Eins‹ macht sie deutlich, dass der Darm noch sehr viel mehr zu bieten hat als ›Kacken‹.

Sorge dafür, dass deine Botschaften im Kopf deiner Zuschauer bleiben. Das gelingt durch passende Bilder oder Metaphern, durch Wiederholung oder die gezielte Ansprache der Sinne und Emotionen. Auch hier ist Giulia vorbildlich unterwegs. Durch das Tabu Darm spricht sie massiv Emotionen an. Zahlreiche, teils drastische Bilder erläutern und verankern ihre Inhalte.

Gute Präsentation: Das Publikum begeistern

Eine tolle Botschaft alleine reicht leider nicht für den Erfolg unserer Präsentation. Sie muss zu unserem Publikum passen. Wir müssen seine Erwartungen erfüllen oder sogar übertreffen. Die Grunderwartung des Publikums einer Präsentation im Studium ist natürlich, das Thema zu verstehen. Der Dozent möchte sehen, dass du das Thema durchdrungen hast und damit wissenschaftlich fundiert umgehst. Sei also sicher, dass du im Thema bist.

Giulia Enders bedient die Erwartungen ihres Publikums perfekt. Beim Science-Slam sollen die Vorträge locker und unterhaltsam sein. Das macht Giulia – und noch mehr. Ein so tabuisiertes Thema wie Darm so witzig darzustellen – Check!

  • Hast du dir Gedanken über den Kontext gemacht, wo und wann du präsentieren wirst?
  • Hat die Raumnummer für dein Thema eine Bedeutung? 
  • Oder wurde an diesem Tag vor X Jahren eine in deinem Thema bedeutende Wissenschaftlerin geboren?

Nimm darauf Bezug!

Du schaust über den Tellerrand und machst deine Präsentation interessanter.Auch Giulia nutzt den Kontext. Das Gros der Zuschauer sind Studenten oder waren es vor kurzem noch. Sie ist Studentin und startet mit der coolen Erklärung, wie sich das Medizin- und Kommunikationsdesign-Studium privat «verkaufen« lassen.

Was macht 95 Prozent aller Präsentationen – egal ob in der Uni oder der Wirtschaft – so langweilig? Es fehlt die Interaktion mit dem Publikum. Interaktion ist nicht die leidige letzte Folie: ›Fragen?‹ Beziehe das Publikum mit ein, dann wird es begeistert bei dir sein. Das gelingt ganz einfach über eine Abfrage mit Handzeichen: »Wer von Ihnen hat dieses Bild schon einmal gesehen?« Oder über die Ansprache einer bestimmten Person im Publikum. Interaktion ist natürlich auch das Ermuntern von Fragen des Publikums während des Vortrags. Da du im Thema fit bist, kannst du souverän jede Frage im Vortrag beantworten oder darauf verweisen, dass die Frage den Kontext sprengt. Durch Interaktion kannst du deine Persönlichkeit einbringen. Das bringt Sicherheit und macht Spaß.

Giulia zeigt ihr Können mit einer großartigen Interaktion, einer Demo. Nachdem sie die Schließmuskel erklärt hat, lässt sie das Publikum mit beiden ›arbeiten‹. Nebenbei benutzt sie permanent eine der einfachsten Arten der Interaktion zwischen Menschen, den Humor. Die häufigen Lacher im Publikum geben ihr ein klar positives Feedback.

Die Vorbereitung auf eine gute Präsentation

Profis bereiten sich vor. Immer. Starte die Arbeiten an deinem Vortrag so früh du kannst. Eine Nachtschicht vor dem Vortrag ist tödlich. Am Tag deiner Präsentation ordentlich frühstücken. Mache ein paar Yoga- oder sonstige Entspannungsübungen direkt bevor es losgeht. Präsentieren lernt man in den Grundlagen heute schon an der Grundschule. Daher reicht es für wirklich herausragende Präsentationen nicht mehr, einfach ›die Pflicht‹ zu machen. Das ist auch langweilig. Warum nicht mal eine der Regeln brechen, um Aufmerksamkeit zu erregen? Giulia macht das durch ihren Tabubruch, den lockeren Umgang mit dem Darm. Wir wollen die Kür: Nutze die Tafel oder ein Flipchart, um komplexe Sachverhalte live zu erarbeiten. Das zeigt eindrucksvoll deine Kompetenz und bindet das Publikum ein. Verwende Requisiten, die deine Botschaft unterstreichen. Sehr gut eignen sich dazu Legosteine oder Playmobilfiguren. Oder setze eine Demonstration ein, bei der du einen Sachverhalt physisch nachstellst und so erlebbar machst. In Sachen Kür haut Giulia Enders richtig auf den Putz. Sie nutzt die oben beschriebene Demonstration, setzt ein Rollenspiel mit ihren Tanten ein und nutzt virtuos Bilder zum Unterstreichen ihrer Botschaft.

Hab Spaß! Vor Präsentationen muss man keine Angst haben. Sie sind vielmehr eine tolle Möglichkeit zu zeigen, was du thematisch draufhast. Kümmere dich um Botschaft, Publikum und Auftritt – dann wirst du erfolgreich sein. Dann macht Präsentieren dir und deinen Zuschauern richtig viel Spaß! 


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