Rhetorik bei Präsentationen - Vorbild: Sokrates

Mit unseren Rhetorik-Tipps startest du durch beim nächsten Referat - denn langweilige Themen gibt es nicht! Nur langweilige Redner! Genau das wussten schon die alten Griechen.

Die gute Nachricht zuerst: Zum Redner musst du nicht geboren werden. Klar erleichtert es vieles, wenn du strukturiert denken kannst, ein gutes Gedächtnis hast oder dir auch im Alltag die Sätze leicht von den Lippen kommen. Aber ein gutes Referat kann eigentlich jeder halten. Drei Dinge braucht es dazu: ein wenig Grundwissen über Rhetorik, eine gute Vorbereitung und Übung! Die wichtigsten rhetorischen Regeln liefert dieser Beitrag, für die gute Vorbereitung und die Übung bist du dann selbst verantwortlich…

Seit über 2.000 Jahren beschäftigt sich die Rhetorik mit der menschlichen Beredsamkeit und ihren Prinzipien. Hier einige der wichtigsten Erkenntnisse für die rednerische Praxis: Das Publikum ist immer absolutes Maß der Dinge! Nicht die Zuhörer sind zu doof für die komplexe Materie, sondern der Redner ist unfähig, die richtigen Worte zu finden. Denke immer aus der Perspektive deiner Zuhörer. Wo stehen sie? Was für Vorwissen haben sie? Knüpfe an vorhandenem Wissen an und nimm die Zuhörer bei deinem Vortrag an die Hand. Die Komplexität des Wissens, das du vermitteln willst, muss sich nicht in den Satzstrukturen widerspiegeln, damit du als Experte gilst: Klarheit und Verständlichkeit sind oberste Gebote! Suche dir Vorbilder, die deiner Meinung nach gute Reden beziehungsweise Referate halten und beobachte, was die besondere Wirkung dieser Menschen ausmacht. Probiere, diese Erkenntnisse für dich beim nächsten Referat zu nutzen. Aber Vorsicht: Der Vortragsstil muss zu dir passen! Schauspielere nicht, sondern stehe zu deinen Eigenheiten, wie beispielsweise deinem Dialekt.

Vorbereitung

Die Vorbereitung ist zentraler Bestandteil deiner Rede! Ohne eine gute Vorbereitung kannst du auch kein gutes Referat halten! Deshalb gilt es, sich als Erstes einen Überblick über das Thema und die besonderen Anforderungen an dich als Referent zu verschaffen: Welche Vorgaben gibt es seitens des Dozenten? Was sind die wesentlichen Punkte des Themas? Nach der Recherchephase kommt die wichtigste Aufgabe: auswählen und komprimieren! 

Es geht nicht darum, die Pflichtlektüre zusammenzufassen. Ein gutes Referat zeichnet sich dadurch aus, dass es Wissen bündelt und Besonderheiten oder Zusammenhänge aufzeigt. Was sollen deine Zuhörer am Ende des Referats als Erkenntnisse mitnehmen? Überlege dir, wie du dieses Wissen deinen Zuhörern am besten veranschaulichen kannst. Wäge dabei immer ab, ob beispielsweise durch eine Powerpoint-Präsentation dein Inhalt tatsächlich besser verständlich ist. Oder handelt es sich dabei um eine reine Spielerei beziehungsweise einfach ein anderes Medium mit dem gleichen Erkenntniswert wie den der reinen Rede?

Der Vortrag

Wenn der große Tag da ist und du das Referat hältst, überprüfe rechtzeitig, ob alles, was du benötigst, an seinem Platz ist. Wenn an viele Details zu denken ist, mache dir eine Checkliste, um dich gedanklich zu entlasten. Nimm dir vor Ort Zeit, den Platz einzurichten, an dem du reden wirst. Gewöhne dich, bevor es losgeht, an das Gefühl, vorne zu stehen.

Wenn du dann an der Reihe bist, nimm Blickkontakt mit dem Publikum auf und versichere dich, dass deine Zuhörer auch bereit sind für deinen Vortrag. Wenn noch gequatscht wird, warte geduldig. Dann: Ausatmen! Und los geht’s… Hinsichtlich der Gestik und Mimik solltest du bedenken, dass du einen Fachvortrag hältst. Das heißt, große Showeinlagen sind in der Regel unangemessen. Konzentriere dich lieber auf den Inhalt und eine deutliche Vortragsweise. Zumeist machen wir, wenn wir reden, unbewusst Gesten, die völlig ausreichend sind. Wenn du bewusst Gesten einsetzen willst, dann überlege dir vorher, an welcher Stelle du die Bedeutung des Gesagten durch einzelne Bewegungen unterstreichen kannst. Die Mimik ist während des Vortrags kaum bewusst zu kontrollieren.

Gehe deshalb mit einer optimistischen und offenen Grundhaltung in das Referat. Mehr kannst und sollst du an dieser Stelle nicht tun. Je besser du inhaltlich vorbereitet bist, desto leichter kannst du das Publikum im Auge behalten. Der Blickkontakt ist nicht nur für die Zuhörer ein Zeichen von Sicherheit und Souveränität, sondern bietet dir auch die Möglichkeit, auf Zeichen aus dem Publikum direkt zu reagieren. Lass dir beim Vortrag Zeit. Du bist in der Runde der Experte, kennst den Inhalt und hast dich lange damit auseinander gesetzt. Die Zuhörer hören meistens den Inhalt zum ersten Mal und brauchen Pausen, damit sie das Gesagte verarbeiten können.

Was tun beim Blackout?

Es kann trotz der besten Vorbereitung immer mal passieren, dass du den Faden verlierst und dir siedendheiß bewusst wird, dass du nicht weißt, was du als Nächstes sagen sollst. Was also tun, wenn Not am Mann oder an der Frau ist? Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren! Atme noch einmal aus, schaue in deinem Manuskript nach, an welchem Punkt du gerade bist und was als Nächstes kommen sollte. Wenn du dich im Manuskript nicht mehr zurechtfindest, solltest du für das nächste Mal eine übersichtlichere Form nutzen. Zudem hilft es, den letzten gesprochenen Satz zu wiederholen, um einen Anknüpfungspunkt zu finden.

Überlege dir, zu welchem Oberpunkt du gerade gesprochen hast und was sonst in diesem Zusammenhang noch wichtig war. Wenn nichts weiterhilft, mache weiter im Text und gehe zum nächsten inhaltlichen Punkt über. Meist fällt einem dann während des Redens ein, wie es hätte weitergehen sollen. Du allein weißt, was eigentlich hätte gesagt werden sollen. Das Publikum hört nur, was tatsächlich vorgetragen wurde und merkt in der Regel nicht, wenn kleinere Passagen anders ausfallen, als du das geplant hast.

Feedback

Nach dem Referat solltest du dir unbedingt eine Rückmeldung vom Dozenten und von Bekannten einholen, um deine eigene Wahrnehmung mit dem Urteil der Zuhörer abzugleichen. Frage ausdrücklich danach, was du das nächste Mal besser machen kannst und beherzige die positive und negative Kritik. Nur so kannst du Schritt für Schritt ein besserer Redner werden!

Übungsmöglichkeiten

Um weiter an dir arbeiten zu können, solltest du aktiv Redesituationen suchen. Die wenigen Referate im Semester reichen als Training der eigenen Fähigkeiten nicht aus. Ein sehr guter Weg, seine rhetorische Grundfitness zu trainieren, sind Debattierclubs, die es inzwischen an fast jeder Universität gibt. Hier kannst du in lockerer Atmosphäre und ohne Notendruck regelmäßig Reden halten und neue Ideen ausprobieren. Die wichtigsten Hinweise und Materialien findest du beim ältesten deutschen Debattierclub unter www.streitkultur.net!


Tim-C. Bartsch, M.A., Jg. 1981, studierte Pädagogik, Politikwissenschaft und Rhetorik an den Universitäten Oldenburg und Tübingen, ist Mitgründer des studentischen Debattierclubs Streitkultur e.V. und Deutscher Vizemeister im Hochschuldebattieren 2004. Er arbeitet als Redenschreiber im Staatsministerium Baden-Württemberg.

Buchtipp:

  • Tim-C. Bartsch / Bernd Rex: Rede im Studium!, UTB 2008, 12,90 Euro.
  • Tim-C. Bartsch / Michael Hoppmann / Bernd Rex / Markus Vergeest: Trainingsbuch Rhetorik, UTB 2008, 16,90 Euro.

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