Mann mit Karton mit Gesicht auf dem Kopf
Pack die Prüfungsangst an der Wurzel fl o-fl ash / Quelle:PHOTOCASE

Adieu Prüfungsangst 2: Lern- und Arbeitstechniken

Ganz klar: Ohne gute Lern- und Arbeitstechniken haut das mit der stressfreien Prüfung nicht hin. Sie sind unerlässlich für gute Prüfungserfolge. Alles beginnt mit unserer Motivation. Und die hängt von unserer körperlichen und mentalen Verfassung ab.

KÖRPERLICHE VERFASSUNG

Hier gilt: Bitte ausgeschlafen, leicht gesättigt und schmerzfrei! Außerdem: nicht aufs Bett fläzen, sondern eine Körperhaltung einnehmen, als ob du jede kleine Einzelheit einer spannenden Neuigkeit mitbekommen wolltest. Probier es am besten gleich aus – auch wenn du dir am Anfang affig vorkommst.

Kopfhaltung, Mimik, Körperhaltung und Atmung sollten gespannte Aufmerksamkeit signalisieren.

Merkst du den Unterschied? Die gezielte Veränderung der Körpersprache mag sehr banal klingen; aber in der Tat ist es so, dass wir mit einer bestimmten Körperhaltung immer eine bestimmte seelische Verfassung verknüpfen. Nehmen wir die Körperhaltung ein, rufen wir die Stimmung wach.

MENTALE VERFASSUNG

Unser Körper aktiviert die Energie, die wir von ihm verlangen. Unser Drive ist umso stärker, je mehr wir ihm erzählen, dass es am Ende des Weges etwas Positives zu erlangen oder etwas sehr Negatives zu vermeiden gibt. Willst du deine Lernmotivation erhöhen, bedeutet dies:

Du musst dir die Vorteile möglichst lebendig vor Augen führen, die das Bestehen der Prüfung mit sich bringen.

Wie wird sich dein Leben nach der Prüfung verändern? Welche neuen Perspektiven hast du? Wie werden Freunde und Familie reagieren? Je positiver du dir alles ausmalst, umso mehr zieht es dich zu deinen Büchern. Und vergiss nicht, dich täglich für deinen Einsatz zu loben. Falls du die Kurve zum Lernen mal nicht bekommen hast, dann akzeptiere, dass der Schweinehund mal gesiegt hat und starte neu durch.

KONZENTRATION VERSTÄRKEN

Äußere und innere Störfaktoren können für Konzentrationsprobleme verantwortlich sein.

Äußere Störfaktoren: Häufig sind uns die äußeren Störfaktoren nicht einmal bewusst. Gerade die schränken aber die Konzentration und Wissensaufnahme empfindlich ein.

Unsere kleine Checkliste:

Störfaktoren: Lärm, Musik, Ereignisse vor dem Fenster, unangemeldete und häufige Besuche, Anrufe, ständiges Whatsapp- und Mail-Checken, störende Unterhaltung anderer.

Schreibtisch: zu klein, um den Prüfungsstoff auszubreiten, mit nicht prüfungsrelevanten Dingen versehen, überladen und unübersichtlich, in Reichweite liegen Zeitschriften, Handy usw.

Arbeitsmaterial: nicht vollständig, muss noch besorgt werden, zum Holen muss die Arbeit unterbrochen werden.

Stuhl: zu niedrig, zu unbequem Beleuchtung: zu schwach, zu hell (Sonne, Schreibtischlampe steht falsch)

Abhilfe

  1. nichts in Reichweite liegen lassen, was ablenkt. Handy weg. Mailprogramm aus.
  2. alle Arbeitsmaterialien vor Lernbeginn bereit legen.
  3. Deine Arbeitszeit in deine leistungsstärkste Zeit legen. Die ›laschen‹ Phasen für andere Aktivitäten nutzen.
  4. Pausen bewusst einplanen!
  5. immer einen bestimmten Tisch und Stuhl zum Lernen benutzen.

Innere Störfaktoren

Gedanken um den Prüfungserfolg, aber auch Ärger über Freunde und andere Probleme können unsere Aufmerksamkeit vom Prüfungsstoff abziehen: Wir rebellieren vielleicht innerlich gegen die Paukerei oder malen uns aus, was uns während der Prüfungsvorbereitungszeit alles an schönen Aktivitäten entgeht.

Um dich zu konzentrieren, kannst du Folgendes tun:

  1. Setze den Gedankenstop ein. Wann immer du dich bei einem vom Thema abweichenden Gedanken ertappst, sag innerlich laut: »Stop!« Bist du allein im Raum, kannst du auch laut »Stop!« rufen und dabei in die Hände klatschen. Manchmal muss man diese Strategie viele Male hintereinander einsetzen.
  2. Du hast ein ernsthaftes Problem? Dann such erst eine Lösung, bevor du von dir Konzentration auf den Stoff forderst.
  3. Du bemitleidest dich? Setz die positive Vorstellung davon dagegen, was dich nach Prüfungsabschluss Tolles erwartet.
  4. Du grübelst? Schreib die Grübelgedanken auf und schieb das Thema bis zu einem ganz bestimmten festgelegten Zeitpunkt auf, an dem du dich wieder damit befasst.
  5. Gehörst du zu denjenigen, die tief im Innern gegen die Prüfung rebellieren? Dann denke so: »Ich entscheide mich dafür, mich heute für die Prüfung vorzubereiten und den für heute geplanten Stoff zu bearbeiten. Niemand kann mich zur Prüfung zwingen.«

MERKFÄHGKEIT ERHÖHEN

In der Universität wird immer noch zu wenig Wert auf die Vermittlung von Merkfähigkeitsstrategien gelegt.

Bring dir vor der Prüfungsvorbereitung solche Strategien bei:

  1. Du erinnerst besser, was du verstehst. Nicht stur auswendig lernen! Versuche, das Gelernte zu verstehen, in eigene Formulierungen zu kleiden und zusammenzufassen.
  2. Du erinnerst um so besser, auf je mehr Sinnesebenen du den Stoff abgespeichert hast.
  3. Du erinnerst besser, wenn du öfter und dafür weniger lernst: Es ist besser, täglich 30 Minuten zu lernen als an einem Tag acht Stunden. Du kannst dir dadurch den Stoff schneller merken und ihn länger behalten. Du lernst besser, wenn du den Stoff frühestens nach einem Tag wiederholst und dann mit jeweils sich verdoppelnden Intervallen – so lange, bis er sitzt.
  4. Du lernst schneller, wenn du dir das Gelernte regelmäßig laut vorsagst.
  5. Du erinnerst dich an etwas besser, wenn du es als Ganzes immer wieder wiederholst, als wenn du es in Teile zerlegst und jeden Teil einzeln lernst.
  6. Du lernst schneller und behältst auch länger, wenn du regelmäßig kleine Pausen einlegst. Fünf und mehr Stunden am Stück zu lernen, ist sehr unproduktiv – selbst wenn man das Gefühl hat, noch gut aufnehmen zu können. Leg alle 30 Minuten eine kurze Pause von zwei bis drei Minuten ein, mach das Fenster auf und streck dich. Nach circa einer Stunde sollte man eine Pause von fünf Minuten machen, in der man etwas trinken oder essen kann. Arbeitet man über mehrere Stunden hinweg, mach die oben beschriebenen kurzen Pausen und nach zwei Stunden eine Pause von 20 bis 30 Minuten. Nach einer Arbeitsphase von vier Stunden ist eine längerfristige Unterbrechung notwendig, in der du dann am besten auch was Vernünftiges isst.
  7. Eine Woche vor der Prüfung nichts Neues mehr lernen – jetzt ist Wiederholung angesagt! Denn so kurz vor der Prüfung besteht die Gefahr, dass du Wissenslücken feststellst und darüber in Panik gerätst.

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