Zeichnunug: zwei Münder und ein Kopf

Angst vor Erfolg: Wie du sie besiegst

Es klingt paradox, kommt aber vor: Angst vor Erfolg. Wie Betroffene damit umgehen können, zeigen wir dir in unserer Studienhilfe

Kennst du das? Du stehst kurz vor einem Erfolg, und im entscheidenden Moment machst du etwas, das den Erfolg zunichte macht. Du bereitest dich gut auf eine Prüfung vor und sagst kurz vorher ab. Du würdest gerne deine Masterarbeit beim als ›schwierig‹ geltenden Prof. XY machen, traust es dir aber nicht zu? Du willst eigentlich im Ausland studieren, findest aber zahlreiche Gründe, warum es nicht geht, oder ähnliches?

Das Streben nach Erfolg

Erfolg ist etwas, nach dem die meisten Menschen tagein und tagaus streben, ob im akademischen, beruflichen oder privaten Bereich. Menschen träumen von Anerkennung, Freundschaft, Reichtum und vielem mehr, und unternehmen Anstrengungen in Richtung Erfolg.

Viele von uns haben Angst zu scheitern. Drohender Misserfolg kann lähmen und uns abhalten vom Versuch, erfolgreich zu sein. In den USA gelten Unternehmer erst dann als glaubhaft und erfolgreich, wenn sie zumindest einmal gescheitert sind. In unseren Breiten hingegen ist ein Fehlschlag ein großes Thema, zumal ihn Betroffene und ihr Umfeld nicht selten mit einem gänzlichen Scheitern der Person (!) in eins setzen. Doch nicht nur die Angst vor Misserfolg, sondern auch die Angst vor Erfolg blockiert uns: Erfolg bedeutet gleichzeitig Veränderung, und die kann beängstigend wirken.

  • Was passiert, wenn ich Erfolg habe? Will ich das?
  • Werden mich meine Freunde noch mögen, wenn ich der einzige Akademiker aus ihrer Runde bin?
  • Werden mich meine Kommilitonen weniger schätzen, wenn ich die Prüfung alleine mache?
  • Werde ich die höheren Erwartungen, die der Erfolg an mich stellt, erfüllen können?

Viele Fragen gehen einem durch den Kopf, und die Angst vor der Veränderung (Metathesiophobie) kann lähmend auf den oder die Betroffene wirken. Daneben gibt es zahlreiche weitere, unbewusste Ängste. Auch verbirgt sich im Misserfolg oder Nicht-Erfolg zumeist ein ›versteckter Gewinn‹: Wer langsamer studiert, kann länger ein bequemes Studentenleben führen. Wer eine Prüfung nicht schafft, wird vielfach bedauert und steht im Mittelpunkt der Umsorge seiner Lieben. Somit können es die realen beziehungsweise erwarteten Begleiterscheinungen von Erfolg sein, die einen Menschen bewusst oder unbewusst dazu führen, nicht den Erfolg zu haben, den sie gerne haben wollen.

Erfolg kommt von Innen

Natürlich beeinflussen Umweltfaktoren die Chancen auf Erfolg, die sich einem Menschen bieten. Ein förderndes Umfeld (peer group), finanzielle Mittel, persönliche Anlagen – all das kann helfen oder bremsen. Wer jedoch erfolgreiche Menschen beobachtet, erkennt, dass der entscheidende Faktor, ob jemand Erfolg hat oder nicht, im Betroffenen selbst liegt. Erfolgreiche Menschen wählen eben derartige Wege zum Ziel, dass dieses auch erreicht werden kann. Der Erfolg beginnt mit einem klaren Ziel und ist gekennzeichnet von der Beharrlichkeit, dieses erreichen zu wollen. Überwinden von Erfolgsängsten In einem ersten Schritt empfiehlt es sich, die Gründe für die eigene Angst vor Erfolg zu erkunden. Nur wer seine Sorgen und Bedenken kennt, kann daran arbeiten sie zu beseitigen. Ängste können geschmälert und transformiert werden.

Selbstcoaching – dein Weg zu mehr Erfolg im Studium

Befasse dich aktiv mit deinem Erfolg, indem du ein Ziel schriftlich formulierst und beständig an dessen Erreichung arbeitest. Erkenne und stelle dich deinen Ängsten vor Erfolg.

Die Erfahrung lehrt: Von Zeit zu Zeit begleiten jeden von uns Angst oder Zweifel. Der Unterschied zwischen erfolgreicheren und weniger erfolgreicheren Menschen liegt im Umgang mit der Angst! 

  • Nimm deine Angst unter die Lupe: ›worst case‹ versus ›best case‹!
  • Stelle dich deiner Angst, das heißt frage dich: Was genau fürchte ich? Was ist das Schlimmste, das (mir) passieren kann? Und was ist dann?
  • Frage dich dann bitte auch: Was ist, wenn stattdessen das Beste, was ich mir vorstellen kann, eintritt? Was dann? 

Ängste werden durch Fantasie stärker

Zur Erinnerung: Ängste bekommen vielfach ihre Kraft durch eine blühende Fantasie. Das sind Vorstellungen darüber, was alles passieren könnte. Doch was geschieht, wenn plötzlich stattdessen ein Wunder passiert und alles gut wird? Ist das nun Träumerei? Oder gibt es auch Ausnahmen? Und hast du das vielleicht sogar auch schon mal erlebt? Provokativ formuliert: Warum nicht? Warum nicht auch du? Und: Warum nicht jetzt? Unter der Annahme, dass auch Ängste einen Zweck, einen Sinn haben, könnten wir einmal genauer hinsehen und uns fragen: Wofür sind Ängste nützlich, hilfreich? Was will uns diese Angst gerade sagen? Worauf möchte sie uns aufmerksam machen? Was benötigt gerade jetzt unsere bewusste Zuwendung? Wenn wir ängstlich sind, dann ist unsere Aufmerksamkeit gänzlich auf eine Situation, auf ein Ziel gerichtet! Manchmal erleben wir dann, dass wir zum Beispiel Aufgaben, vor denen wir uns fürchten, aufmerksamer und äußerst bedacht, behutsamer und konzentrierter angehen als gewöhnlich. So gesehen ist Angst ein mitunter hilfreicher Wegbegleiter, allerdings ist sie es auch nicht immer.

Probleme oder Ängste weisen uns den Weg!

Kurzum: Probleme oder Ängste weisen uns den Weg! Sie können uns Wegweiser dafür sein, was für uns im Leben wertvoll beziehungsweise wichtig ist.

Der deutsche Psychologe, Psychotherapeut, und Autor Jürgen Hargens hat es einmal wunderschön formuliert: »So wie es ist, ist es gut. Wofür wäre es sonst gut?« Dieser Denkansatz kann helfen, den Druck, die Verbissenheit zu lösen. Die Folge ist bekannt:

»Gerade das ist es ja, das Leben, wenn es schön und glücklich ist: ein Spiel! Natürlich kann man auch alles mögliche andere aus ihm machen, eine Pflicht oder einen Krieg oder ein Gefängnis, aber es wird dadurch nicht hübscher.“ Hermann Hesse (deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter und Maler, 1877-1962), aus: Die Morgenlandfahrt.


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