Hallo? Ist da jemand? Hörsaal, Corona und die Gegenwart

Wie hat sich die Pandemie auf das Studienleben ausgewirkt? Fluch oder Segen? Studis erzählen.

Ciao Studi-Leben … oder so

»Durch Corona habe ich einen großen Teil des Studiums in Fernlehre über die Bühne gebracht. Der direkte Vergleich ist dabei gar nicht so einfach, da ich mich erst ein Semester vor Beginn der Pandemie immatrikuliert habe. In's normale Studierendenleben (Partys etc.) durfte ich also nur ein halbes Jahr eintauchen. Dann kam Covid und damit wandelte sich die bis dato normale Vollzeit-Präsenz in Online-Lehre. Einerseits war das ein Segen, da ich mir Fahrtwege gespart habe, viel von daheim aus erledigen und die ein oder andere Sache nebenher machen konnte. Auf der anderen Seite habe ich mich damals bewusst für ein Präsenzstudium entschieden, weil ich neugierig auf das Leben als Studentin war und das habe ich in der Form schlussendlich nicht gehabt. Jetzt finden die Vorlesungen zwar wieder in Präsenz statt, allerdings ist das Miteinander unter den Studierenden sehr verhalten, weil man sich nie richtig kennengelernt hat. Über Zoom gab es so etwas wie Flurgespräche in der Uni nicht. In der Fernlehre hat in den Pausen einfach jeder den Bildschirm ausgemacht, statt auf dem Campus über die nächste Party zu plaudern.« Selina, 26 Jahre

Große Vermissung

»Ich habe vor, während und ›nach‹ Corona (ist ein Ende wirklich in Sicht?) studiert. Außer einer gewissen finanziellen Entlastung aufgrund der wegfallenden Fahrtkosten und dem Luxus, der ein oder anderen Vorlesung in Fernlehre vom Bett aus folgen zu können, konnte ich der Online-Lehre nicht viel abgewinnen. Mir haben meine Kommiliton*innen und der Flair des Studierendendaseins sehr gefehlt und auch der persönliche Kontakt zu den Professor*innen, der an unserer Hochschule eigentlich groß geschrieben wird, fiel während der Pandemie mehr oder weniger unter den Tisch. Mit Rückkehr zur Präsenz brütete unser Jahrgang dann auch schon über den Abschlussarbeiten – ein ›Zurück‹ zum Normalzustand gab es für uns in dem Sinne nicht mehr.« Vivien, 33 Jahre

Gesteigeter Workload

Ich habe gemischte Erfahrungen mit Corona im Studium gemacht. Einerseits war der Beginn etwas holprig, da die Uni in Sachen Digitalisierung erst einmal alles umstellen musste. Insofern gab es besonders am Anfang technische Schwierigkeiten, die einen hier und da wertvolle Kurszeit gekostet haben. Viele Dozierende haben außerdem den Workload gesteigert, weil wir in der Fernlehre vermeintlich mehr Zeit hatten, wodurch die Online-Lehre stressiger war. Das Negativste aber war, dass viele soziale Kontakte in dieser Zeit weggebrochen sind, weil man nach den Kursen über die Bildschirme keinen Smalltalk betrieben oder gemeinsam die Mittagspause verbracht hat, wie man es an der Uni immer getan hat. Gut war, dass die Fahrtwege weggefallen sind und man die Zeit zwischen den Kursen effektiver nutzen konnte, um beispielsweise mal fix eine Maschine Wäsche anzuschmeißen.« Anika, 24 Jahre

Regelstudienzeit: unmöglich

»Mein Studiengang ist ziemlich klein und hatte deshalb eine geringere Priorität in der Verwaltung meiner Uni. Aufgrund von organisatorischen Problemen und geringen Ausweichmöglichkeiten sowie der teilweise fehlenden Kompetenz der Dozenten im Bereich Online-Unterricht sind viele Seminare und Prüfungen ausgefallen oder des öfteren verschoben worden. Dadurch verlängerte sich mein Studium um zwei Semester. Es wurden allerdings auch Vorlesungen angepasst. So hatte ich beispielsweise das Seminar ›Soziologie der Pandemie‹. Ein Vorteil war auch die gesparte Zeit für den Fahrtweg zur Uni, da dieser teilweise länger gedauert hat, als die Uni selbst. Im Großen und Ganzen war die Pandemie Fluch und Segen zugleich. Ich habe durch sie länger gebraucht und in Zeiten des Online-Unterrichts gefühlt nichts gelernt. Anderseits hatte ich mehr Zeit, um Texte in Ruhe zu lesen und die Hausarbeiten ordentlich auszuarbeiten.« Jana, 24 Jahre

Motivation, wo bist Du?

»Ich hatte nur ein Semester Präsenzunterricht, dann kam Corona. Ich fand es sehr schlimm, da die soziale Komponente des Studiums wegfiel. Wir hatten am Anfang gar keine Uni mehr und mussten den ganzen verpassten Stoff später blockweise nachholen. Ich habe zu vielen Kommilitonen den Kontakt verloren. Daheim fiel es mir oft schwer, mich zu motivieren und die Vorlesungen online zu verfolgen da ich, nicht wie in der Uni, den Zwang hatte, hinzugehen. Das hat dazu geführt, dass ich vor den Prüfungen sehr viel nachholen musste. Ich hatte bis zu meinem Bachelorabschluss nur noch Onlinevorlesungen und somit mein komplettes Studentenleben verpasst. Für mich war es der größte Fluch, der dem Studentenleben hätte passieren können.«  Friederike, 24 Jahre

Lernen neu erfunden

»Kurz gesagt: Die Noten gingen durch die Decke, aber Party blieb auf der Strecke. Für das Studentenleben war Corona richtig schlecht, für die Noten dagegen sehr gut. Zum Lernen und für die Vorbereitung auf Klausuren hat es einem in die Karten gespielt, weil man keine Ablenkung hatte. Man hatte jeden Tag viel Zeit – auch weil man nicht hin und her fahren musste.« Timo, 26 Jahre

 


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