Leistungsdruck im Studium
Leistungsdruck im Studium Nan Palmero / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Leistungsdruck im Studium: Wie du damit umgehst!

Lernen, Arbeiten, Prüfungen schreiben: Und du? Willst allem gerecht werden. Schluss damit! Auswege und Strategien gegen Leistungsdruck

Permanenter Leistungsdruck, Zeitmangel und Stofffülle. Wer mit dem Studium beginnt, lernt gleich im ersten Semester das Fürchten. Von allen Seiten wird einem klar gemacht: »Wenn du es nicht in der vorgegebenen Zeit schaffst, fliegst du raus! Gerade in den ersten Semestern musst du alles geben! Wenn du nicht sehr gut bist, kommst du nicht weiter!«

Es sind diese Grundannahmen, die das Hamsterrad des atemlosen Turbostudiums antreiben. Wir haben mit älteren Studierenden, Mentoren und Studienberatern gesprochen und sie gefragt: »Muss das wirklich so sein?« und: »Welchen Rat geben Sie Erstsemestern mit auf den Weg?« Wir haben interessante Antworten erhalten:

So schnell fliegt niemand raus!

Der Zeitdruck ist da, das kann niemand bestreiten, aber er wird athmosphärisch verstärkt, wenn nicht sogar geschaffen. »Es wird viel Stress durch die Botschaft erzeugt: ›Wenn ihr das und das nicht macht, dann fliegt ihr raus!‹ Was nicht stimmt! Es ist hier bisher noch nie jemand rausgeflogen«, erläutert Holger Walther von der psychologischen Beratungsstelle der Berliner Humboldt-Universität. »Mit den schulischen Elementen der Bachelor-Studiengänge scheinen viele mental auch die repressiven Elemente der Schule mit ins Studium zu übernehmen, nicht nur die Studenten, auch Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter.« Hinzu kommt ein gesellschaftliches Klima, das – vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und Hartz IV – geprägt ist durch Ängste vor sozialem Abstieg auf der einen Seite und leistungs- und eliteorientierten Diskursen auf der anderen Seite. »Viele bringen die gesellschaftlich erzeugte Selbsterwartung mit: Nur wenn ich das oder das in der und der Zeit schaffe, bin ich was wert«, meint Florian Kaiser, Vorstandsmitglied des ›freiwilligen zusammenschlusses der studentInnenschaften‹. Conny Bredereck, studentische Mentorin an der Alice- Salomon-Hochschule in Berlin, rät: »Lasst euch nicht hetzen und unter Druck setzen! Wenn ihr arbeiten gehen müsst, um euer Studium zu finanzieren, dann braucht ihr eben drei Semester mehr. Was ist schlimm daran?«

Die Ansicht, die Vorgaben der Institute seien zwingend und unumgänglich, ist bei genauerem Hinsehen meistens falsch. Oft steht in der Studienordnung, dass das Studium in sechs Semestern abgeschlossen werden kann, das heißt aber nicht, dass es dann auch abgeschlossen sein muss. Selbst das BAföG wird unter bestimmten Bedingungen über die Regelförderzeit hinaus gezahlt, zum Beispiel bei Studienfachwechsel, Schwangerschaft oder Mitarbeit in einer Fachschaftsvertretung.

Tipp: Wie zwingend sind die Zeitvorgaben deiner Studienordnung? Was passiert, wenn du sie nicht einhalten kannst? Hol dir Rat bei Studienfachberatern, Tutoren und Mentoren. Außerdem kannst du konkrete Zeitprobleme mit deinen Dozenten besprechen. Eventuell ist es möglich, in besonderen Stressphasen längere Fristen für Hausarbeiten zu verhandeln.

Gerade in den ersten Semestern braucht man viel Zeit

Viele Studierende denken: »Wenn ich in den ersten Semestern die vorgegebenen Credit Points nicht zusammen bekomme, schaffe ich das Studium nie.« Ist der Stundenplan aber mit Pflichtveranstaltungen so voll, dass keine Zeit mehr für Wahlveranstaltungen bleibt, kann man kaum herausfinden, was einen wirklich interessiert. Das wirkt sich schließlich negativ auf die Motivation aus. Eine Studentin der Kunstgeschichte schrieb uns: »Kaum war man in eine Materie eingearbeitet, kam die nächste, ich konnte mich gar nicht spezialisieren.«

Außerdem: Wer mit einem Schnellstart beginnt, dem geht früher oder später die Puste aus. Das zeigt eine Studie zur Zwischenbilanz der Bolognareform eindrücklich: Zu Studienbeginn berichteten nur acht Prozent der befragten Studierenden von Verzögerungen. Dieser Anteil steigt jedoch mit jedem Studienjahr drastisch an. Im zweiten Studienjahr beträgt er bereits ein Viertel, im dritten steigt er auf ein Drittel und zum Studienende hin auf 81 Prozent. Gabriele Tellenbach betreut Stipendiaten bei der Heinrich-Böll-Stiftung und kennt die Probleme mit den Bachelorstudiengängen inzwischen sehr gut. »Auf die Dauer trägt ein Sprint nicht durchs ganze Studium«, bestätigt sie. »Man muss für sich herausfinden: Welcher Arbeitstyp bin ich? Wann muss ich für den Marathonlauf trainieren und wann kann ich einen Sprint einschieben?«

Tipp: Veränderungen brauchen Zeit. Du lernst in den ersten Semestern nicht nur das System Hochschule kennen, sondern meist ein ganz neues Umfeld. Gestalte diese Zeit bewusst als Zeit der Orientierung und der Umstellung und sei dabei nicht zu ungeduldig mit dir selbst. Solltest du dich dennoch während der ersten Semester nur durchs Studium quälen, erlaube dir ruhig zu überprüfen, ob du dich für das richtige Fach oder die richtige Hochschule entschieden hast. Wenn du daran zweifelst, kannst du dich beraten lassen, um herauszufinden, welche Alternativen es für dich gibt.

Noten sind nicht alles

Elite- und Begabtenförderung, Universitätsrankings und Exzellenz- Initiativen verstärken das Gefühl, ein Studium an sich sei gar nichts wert, es würde erst wertvoll durch beste Abschlüsse. Erhöht wird dieser Druck durch die vielen Prüfungen und die Tatsache, dass man sich für einen Masterstudienplatz bewerben muss. Es entsteht der Eindruck, mit jeder Bewertung würden Weichen fürs Leben gestellt. Aber Noten sind nicht alles. Selbst in der Wirtschaft wird zunehmend auf anderes als gute Noten geschaut. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird in einem Artikel über studentische Proteste ein Ressortleiter der Industrie- und Handelskammer Darmstadt mit dem Satz zitiert: »Wer es schafft, einen Demonstrationszug auf die Beine zu stellen, der beweist Organisationstalent« – und solche Leute könne die IH K gebrauchen. Wenn dich die Angst vor schlechten Noten quält, versuche dich von deinen sonstigen Qualitäten zu überzeugen. Nicht alle können Superabschlussnoten haben. Die meisten Absolventen bewerben sich mit durchschnittlichen Noten und überzeugen durch ihre Persönlichkeit. Bleibt die Anspannung zu hoch und hindert sie dich am Lernen, helfen Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga. Außerdem ist es sinnvoll, sein Lernverhalten zu überprüfen. Welche Lernmethoden nutzt du? Überprüfe, ob du deine Lernstrategien um gehirngerechte, aktive Lernmethoden erweitern kannst, die den Lernaufwand sogar verringern.

Es bringt nichts, durchs Studium zu hetzen
Sarah Keppler, ehemalige Bachelorstudentin und heute wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, rät: »Das Studium mit Gelassenheit, 100 Prozent Einsatz und Humor angehen und versuchen, das zu tun, wo man mit Leidenschaft dabei ist und nicht das, wovon man sich Karriere oder sonstwie Profit verspricht. Es bringt nichts, durchs Studium zu hetzen. Die interessanten Dinge entwickeln sich erst, wenn man mal in Ruhe gelassen wird.«

UTB-Schlüsselkompetenzen
Stress im Studium? UTB schafft Abhilfe! Und zwar mit einem neuen Webportal zu Schlüsselkompetenzen. Aufgeschlüsselt nach den Themenbereichen Recherchieren, Lesen und exzerpieren, Lesen und behalten, Arbeiten schreiben, Präsentieren, Prüfungen bestehen sowie Studium meistern stehen auf der Plattform Tipps, Checklisten und Arbeitsblätter zum Download zur Verfügung. Zudem sammelt auf der Facebookseite ›Studiertier – beflügelt durchs Studium‹ das ›Rotkehlchen‹ Studientipps. http://studium.utb.de und www.facebook.com/studiertier


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