Frau in Bibliothek
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So gelingt die Themenfindung

Tipps und Tricks, wie du das richtige Thema für deine Hausarbeit findest

Fest steht: Um die Themenfindung kommt man beim Verfassen einer Hausarbeit nicht rum. Sie ist in den Augen unseres Autors einer der größten Stolpersteine und Zeitfresser beim Verfassen einer Arbeit. Grund genug, mit seinen griffigen Tipps zu arbeiten – und siehe da: Die Themenfindung ist gar nicht so schwer! Hier zeigt er das an einem griffigen Beispiel.

1. Ein Untersuchungsobjekt wählen

Dieser erste Schritt ist womöglich so schwierig, weil dir zu Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit geradezu die Welt offen steht – denn praktisch alles lässt sich zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit machen. Deshalb mein Rat: Such noch nicht nach einem Thema, sondern wähle zunächst dein Untersuchungsobjekt. Ein einfacher Ansatzpunkt: Lass das vergangene Semester Revue passieren, erinnere dich an interessante Seminarveranstaltungen oder Vorlesungen. Woran habt ihr gearbeitet? Ob ein Roman von Thomas Mann im Literaturseminar, Interviews mit Mitarbeitern einer Auslandszweigstelle eines deutschen Konzerns in BWL oder die Texte von Singer und Reagan zur Tierethik in Philosophie – all das sind Untersuchungsobjekte für eine wissenschaftliche Arbeit. Indem du solch ein Objekt wählst, hast du deinen Suchradius bereits um Kilometer verkleinert.

2. Ein Thema finden

Schritt eins: Das Untersuchungsobjekt in inhaltliche Bestandteile zerlegen.

Ab jetzt geht es nur noch um dein Untersuchungsobjekt. Daraus können wir ein Thema meißeln, indem wir herausfinden, was andere wissenschaftliche Arbeiten bereits darüber gesagt haben – und indem wir das Untersuchungsobjekt dann aus einer anderen Perspektive angehen. Dazu brauchst du eine Datenbank, in der du schon existierende wissenschaftliche Arbeiten finden kannst. Dein Bibliothekskatalog bietet sich an – offene Datenbanken wie www.jstor.org oder Google tun aber auch den Job.

Lass uns für Demonstrationszwecke annehmen, wir hätten als Untersuchungsobjekt die Interviews mit den Mitarbeitern der Auslandszweigstelle eines deutschen Konzerns gewählt. Und lass uns weiter annehmen, in den Interviews ginge es um das kulturelle Zusammenspiel zwischen dem deutschen Leiter der Zweigstelle und den irischen Mitarbeitern.

Eine einfache Methode, um wissenschaftliche Texte zu diesem Untersuchungsobjekt zu finden, ist:

1. Den Inhalt des Untersuchungsobjekts in W-Fragen zu verwandeln. Zum Beispiel: »Wie beeinflusst ein deutscher Chef die Unternehmenskultur in einem irischen Betrieb?«

2. Dieser Frage kannst du nun die hauptsächlichen inhaltlichen Bestandteile entnehmen, nämlich: ›unternehmenskultur‹, ›irland‹ und ›deutscher chef‹ –         wobei du letzteres wahrscheinlich eher mit ›expatriate (manager)‹ bezeichnen würdest.

Bitte sei dir bewusst, dass das mögliche inhaltliche Bausteine sind. Du kannst auch andere daraus extrahieren. Die sind dann nicht falsch oder richtiger – führen aber am Ende wahrscheinlich zu einem (leicht) anderen Thema.

Schritt zwei: Wissenschaftliche Texte über die inhaltlichen Bestandteile finden

Mit den gefundenen inhaltlichen Bausteinen können wir nun die von dir gewählte Datenbank füttern. Oder natürlich auch mehrere Datenbanken nacheinander. Das Wichtigste ist, die Begriffe systematisch in der Datenbank zu suchen – sonst verlierst du schnell den Überblick.

Suchsystematik:

1. Suche alle Begriffe zusammen, da dir das die spezifischsten Ergebnisse liefert – in unserem Fall also ›unternehmenskultur irland expatriate‹.

2. Falls das keine oder nur sehr wenige Ergebnisse liefert, kannst du jeweils einen Suchbegriff auslassen. Du würdest also nach ›unternehmenskultur irland‹, dann nach ›unternehmenskultur expatriate‹ und dann nach ›irland expatriate‹ suchen.

3. Falls du nun noch weitere Texte brauchst, kannst du diese wahrscheinlich den Literaturverzeichnissen der in Schritt 1 und 2 gefundenen Texte entnehmen.

In unserem Fall liefert Suchschritt Nummer 1 zum Beispiel folgendes: Gleich auf der ersten Seite von Google ein PDF mit dem Titel: ›Besonderheiten mitteleuropäischer Unternehmenskultur im Vergleich Deutschland-Polen-Tschechien‹.

Die richtigen Suchbegriffe verwenden

Das hilft uns in zweierlei Hinsicht: Erstens zeigt dieser Text, dass es wissenschaftliche Arbeiten gibt, die Unternehmenskulturen verschiedener Länder vergleichen – wir das also auch so machen könnten. Zweitens geht es in dieser Arbeit nicht um Irland – hier wäre also noch Publikationsbedarf für deine Arbeit. Allerdings fehlt hier ja noch das inhaltliche Element des ›expatriate‹. Versuchen wir also einmal den Suchbegriff ›unternehmenskultur expatriate‹. Hier finden wir auf den ersten Ergebnisseiten Texte zur Betrachtung von Expatriates ›aus organisationaler Perspektive‹, oder zu deren ›Arbeitszufriedenheit nach Auslandsentsendungen‹. Auch das sind mögliche Blickwinkel auf unsere Mitarbeiterinterviews – aber wir hatten ja auch die Unternehmenskultur im Sinn. Und wenn wir uns bis auf Seite 4 durchkämpfen, finden wir dort auch eine Arbeit mit dem Titel: ›Einfluss von Expatriates auf die Organisationsstrukturen deutscher Tochterunternehmen in Russland‹.

Schritt drei: Aus den wissenschaftlichen Textenein Thema ableiten

Dieser Fund ist Gold wert, denn durch ihn können wir in unserer eigenen Arbeit schwarz auf weiß belegen, dass eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen expatriate Management und dem Unternehmen Sinn macht. Nur geht es bei uns eben nicht um ein deutsches Tochterunternehmen in Russland, sondern in Irland.

Die Formulierung unseres Themas könnte also lauten: ›Einfluss eines expatriate Managers auf die Unternehmenskultur eines Unternehmens in Irland‹.
In der Arbeit würden wir dann anhand der obigen Text den derzeitigen Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen expatriate Management und Unternehmenskultur zusammenfassen – und diesen Zusammenhang anhand der Interviews für unseren spezifischen Fall in Irland untersuchen. Und damit wäre die Themensuche bereits abgeschlossen.

Klassische Vorgehensweise

Natürlich war das nur ein Beispiel dafür, wie die Themensuche verlaufen kann. Was ich dir zeigen wollte, ist das Prinzip, nach dem ich verfahre, nämlich:

1. Ein Untersuchungsobjekt wählen.

2. Die wichtigsten inhaltlichen Bestandteile dieses Objekts identifizieren.

3. Nach bereits existierenden wissenschaftlichen Arbeiten suchen, die diese inhaltlichen Bestandteile in ähnlicher Weise untersuchen und das eigene Thema davon ableiten.

Und wenn es mal nicht so schnell geht wie in unserem Fall: Du solltest das Prinzip hinter der Suche nicht aus den Augen verlieren.

Themenfindung als erster Schritt

Die Themenfindung ist, wie gesagt, nur der erste Schritt einer wissenschaftlichen Arbeit – und erst danach geht es an die eigentliche Textarbeit, das Sammeln und Strukturieren von Notizen, das Ausformulieren der Arbeit und das Zitieren, etc. Für all das ist hier kein Platz mehr, aber du kannst es – zum Beispiel – in #SchreibenKannIch nachlesen. Und auch wenn du das nicht tust: Die komplette wissenschaftliche Arbeit geht einfacher von der Hand, wenn der Grundstein gelegt und das Ziel der Arbeit klar ist.


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