Alter Hörsaal mit Holzstühlen

Lieber Student, bleib doch bis zum Studienabschluss!

›Gesucht: Studienabbrecher. Alter und Studiengang: unbekannt. Prämie für das Fesseln an den Hörsaalklappstuhl bis zum Erhalt des Studienabschlusses: 4.000 Euro.‹

So oder ähnlich kam der Aufruf aus dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium. Ab 2016 verdienen die Universitäten in NRW nämlich bares Geld an jedem Studenten, der sein Studium abschließt, die Gelder, die sie für einen Studienanfänger erhalten, werden im Gegenzug gekürzt.

»Ein erfolgreiches Studium muss zur Selbstverständlichkeit werden«, begründet NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze den Beschluss. Die Abbrecherquote ist hoch – mehr als jeder Vierte beendet sein Studium nicht, vor allem in Fachbereichen wie Chemie, Physik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften.

Richtig, das ist keine gute Bilanz. Aber nur mit dem Abschlusszeugnis wedeln zu können, reicht auch nicht. Die Qualität des Studiums sollte genauso stimmen – und die Studenten müssen sich in ihrem Fachbereich und Lehrsaal wohlfühlen. Wird das weiterhin gegeben sein, wenn nun eher Masse statt Klasse zählt und die Universitäten durch finanzielle Anreize angehalten werden, noch mehr Studenten durch acht Semester und überfüllte Hörsäle zu schleifen?

Denn wenn dann die Standards der Ausbildung an den Universitäten zugunsten des schnellen Geldes leiden und Studenten trotz allem nicht besser motiviert und unterstützt werden, hat schlussendlich keiner gewonnen.


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