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Studienabbruch: Weitermachen oder Schlussstrich ziehen?

In jedem Studium gibt es kleinere oder größere Krisen. Jede davon ist ein Anlass, den eingeschlagenen Weg zu überdenken. Sie bietet damit auch die Chance, Fehler zu korrigieren und noch größere Fehler zu vermeiden

Studienkrisen kommen meistens schleichend. Der Enthusiasmus des Studieneinstiegs lässt nach, bei manchen nach drei Wochen, bei anderen nach drei Semestern und bei manchen leider erst kurz vor der finalen Examenshürde. Es geht um mehr als nur um einen kleinen Durchhänger, der bei der nächsten bestandenen Klausur oder dem nächsten Sonnentag von selbst verschwindet.

Es geht um die Art von Krise, bei der wir das Gefühl haben, es müsse sich etwas ändern. Die Studienleistungen sind schlecht oder jedenfalls schlechter als sie sein müssten. Der Zufriedenheitsfaktor ist im Keller und das Interesse an den Inhalten des Studiums sinkt oder ist vielleicht schon bei null. Studienfortschritte müssen mühsam erkämpft werden und ein völliger Stillstand zeichnet sich ab. Der Ratgeber ›Studienabbruch und Alternativen‹ zeigt auf, was zu tun ist, wenn ein Studienabbruch droht.

Studienabbruch: Meist ist ein äußerer Anlass nötig!

Der Wille, etwas zu ändern, entsteht häufig durch einen äußeren Anlass: vielleicht ein Gespräch mit jemandem, dem wir vertrauen. Oder ein persönliches Ereignis verändert die Sicht auf das, was uns wirklich wichtig ist. Manchmal werden auch Unbehagen und Zukunftsängste so groß, dass ein weiteres Frusterlebnis (eine versiebte Prüfung, unangenehme Fragen von Freunden/Bekannten/Eltern oder die Beobachtung, bald der Letzte aus dem Anfängerjahrgang zu sein) den entscheidenden Anstoß gibt.

So oder so: Betroffene wollen etwas tun – aber was? Womöglich lässt sich das momentane Studium durch bessere Selbstorganisation wieder in den Griff bekommen. Oder ein Fachwechsel in ein geeigneteres Studium ist die Lösung. Und schließlich kann auch der Umstieg in die Berufswelt der ›richtige‹ Weg sein.
 

Schritt 1: Grenze zuerst das Problem ein!

Wenn ein Studium schlecht läuft, heißt das noch lange nicht, dass jemand falsch an der Hochschule ist und nur ein Studienabbruch in Betracht kommt. Es heißt zunächst einmal nur, dass die Studiensituation einer ehrlichen Bilanz unterzogen werden muss, und zwar sofort. Mit einer Studienkrise ist es wie mit einer verschleppten Erkältung: Wenn wir einfach so weiter machen wie bisher, wird sie schlimmer und irgendwann haben wir eine Lungenentzündung.

Wenn die Studienleistungen schlecht sind, werden sie auch schlecht bleiben, solange Studenten nichts ändern. So betrachtet, können Studenten froh sein über ihre Krise: Sie zwingt sie zum Handeln.

  • Stressbilanz ziehen: Stress ist nichts Negatives, solange die Situation nicht ausweglos ist und die Betroffenen immer noch wissen, was zu tun ist. Aber wenn er sie krank macht, wird es höchste Zeit, die Konsequenzen zu ziehen.
  • Klarheit über Leistungsrückstand verschaffen: Dabei wird, nach genauer Sichtung des Modul- oder Studienplans, das eine oder andere – manchmal – unangenehme Gespräch mit der Fachberatung nötig sein.
  • Ursachenforschung betreiben: In welchem Bereich zeigen sich die meisten Krisensymptome: Überforderung? Fehlende Motivation? Schlechtes Selbst- und Lernmanagement? Fehlende Berufsperspektive? Doppelbelastung?

Die gründliche Bestandsaufnahme liefert die Basis, um sich für eine der Lösungen – Weitermachen, Fachwechsel oder Berufseinstieg – zu entscheiden. Aber gerade das Entscheiden ist oft die größte Hürde bei der Lösung einer Studienkrise.
 

Schritt 2: Entscheide dich für oder gegen einen Studienabbruch!

Einen einmal eingeschlagenen Weg zu korrigieren, fällt schwer, da man damit einen vermeintlichen Fehler eingesteht und die investierte Zeit verloren zu sein scheint. Studenten sollten daher bei einer so weitreichenden Entscheidung einige Spielregeln beachten:

  • Sie sollten einen Zeitplan aufstellen, wie lange sie dem alten Studium noch geben wollen.
  • Keine gute Entscheidung ohne Informationsbasis! Der Ratgeber gibt Studenten Tipps, wie sie wichtige von unwichtigen Informationen trennen.
  • Studenten sollten sich darüber klar werden, was ihnen wichtig ist und welche Kriterien sie für sich festlegen wollen.

Eine Entscheidung über den weiteren Lebensweg ist keine Rechenaufgabe, die sich mit dem Verstand allein lösen lässt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es gut sein, wenn Studenten auch auf ihre Intuition vertrauen.
 

Variante 1: Weitermachen, aber nicht wie bisher

Das Weitermachen empfiehlt sich,

  • wenn Studenten grundsätzlich nach wie vor von ihrer Studienwahl überzeugt sind und der Leistungsrückstand auf Desorganisation und mangelnder Selbstkontrolle beruht.
  • wenn sie aufgrund ungünstiger äußerer Rahmenbedingungen nicht voran kommen.


Einfach weitermachen scheint zunächst die einfachste Lösung zu sein. Irrtum: So schleppt man auch die Probleme weiter mit und damit auch das Risiko, das Studium später doch noch abzubrechen. Der Schlüssel zur Überwindung eines Leistungstiefs liegt darin, effizienter zu studieren. Damit liegt harte Arbeit vor den Betroffenen, vor allem Arbeit an sich selbst, denn ohne ein bestimmtes Maß an Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit kann man sich nicht ›an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen‹. Es ist wie mit jeder Verhaltensänderung: Es ist nicht einfach, aber es geht.

Variante 2: Fachwechsel statt kompletter Studienabbruch

Ein Fachwechsel ist für Studenten die bessere Lösung, wenn sie zwar gerne studieren, aber

  • sich inhaltlich nicht (mehr) mit ihrem Studiengang identifizieren.
  • Berufspläne entwickelt haben, für die ein anderer Studiengang erforderlich ist.
  • auf der Suche nach einem leichteren oder stärker strukturierten Studium sind.

Er ist unvermeidlich: Wenn das eigene Studium hart wird, meldet sich unweigerlich der Gedanke an ein Studium, das Spaß macht. Aber Studieren nach dem Lustprinzip funktioniert leider selten, denn in jedem Studium gibt es Höhen und Tiefen. 


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