Studienhilfe: Erfolgreiche Gruppenarbeit

Gruppenarbeiten können ziemlich nervig sein. Mit unseren Expertentipps aber werden sie erfolgreich

Zeichnung: Gruppe Menschen spricht miteinander

Das sogenannte ›Genie im Elfenbeinturm‹ gibt es schon lange nicht mehr. Mittlerweile hat man in allen Fächern und Disziplinen erkannt, dass durch Kooperation neue Ideen entstehen können, auf die ein Einzelner allein wahrscheinlich nie gestoßen wäre. Gleichzeitig wächst aber auch die Erkenntnis, dass es tatsächlich nicht ausreicht, viele intelligente Leute in einen Raum zu sperren und ihnen eine Aufgabe und einen Flipchartblock zu geben, damit etwas Gescheites dabei herauskommt. Damit Gruppenarbeit funktioniert, dürfen zwei Dinge nicht vernachlässigt werden: verbindliche Spielregeln und passende Gruppenzusammensetzung. Die Regeln müssen dabei fair und zielführend sein, von allen akzeptiert und vom Gruppenleiter vorgelebt sowie deren Nichteinhaltung sanktioniert werden. Zudem sollte auf die Zusammensetzung der Gruppe geachtet werden: In einem Team, in dem sich Leute mit fast identischem Wissenshintergrund finden, werden naturgemäß weniger Ideen weiterentwickelt werden können, als in kunterbunt zusammengesetzten Gruppen.

 

Wen braucht man für gelungene Gruppenarbeiten?

Essenziell ist ein (guter) Moderator. Dieser leitet die Gruppe an, sortiert Beiträge, ermutigt stillere Personen zur Mitarbeit und nutzt keinesfalls seine zentrale Position aus, um Ergebnisse zu beeinflussen. Da außerdem viele Gruppenmethoden darauf basieren, dass einmal geäußerte Ideen strukturiert weiterentwickelt werden, dürfen auch die Ergebnissicherung und Zeitnahme nicht vergessen werden. Denn wie so oft gilt auch hier: aus den Augen – aus dem Sinn.

 

Stichwort ›Brainstorming‹ bei Gruppenarbeiten

Die meisten werden beim Stichwort ›Gruppenarbeit‹ automatisch an ›Brainstorming‹ denken. Das liegt daran, dass leider allzuoft beide Begriffe synonym verwendet werden – dabei haben Gruppenarbeiten so viel mehr zu bieten und es gibt für verschiedene Einsatzzwecke etliche Methoden, die nur darauf warten, genutzt zu werden. Um dies zu demonstrieren, haben wir die ›Walt-Disney-Methode‹, die ›Kopfstandtechnik‹ und den ›Rasenden Reporter‹ ausgewählt.

 

Gelunge Gruppenarbeit mit der Walt-Disney-Methode

Die Walt-Disney-Methode hat nur am Rande etwas mit Zeichentrickfilmen zu tun. Diese Ideenfindungs- und Projektplanungsmethode wurde jedoch – zumindest der Legende nach – von Walt Disney selbst genutzt. Zur Lösung einer Problemstellung schlüpfen hier drei Teilnehmer in die Rolle des Realisten, Kritikers und Visionärs: Während dem Visionär bei seinen Vorschlägen keine Grenzen gesetzt sind, sieht der Kritiker alle verbundenen Risiken. Der Realist wiederum sucht einen Ausgleich dieser beiden Extreme. Was auf den ersten Blick vielleicht albern und chaotisch klingt, hat jedoch durchaus Methode, denn der entscheidende Punkt besteht nun in der Reihenfolge, in der diese drei Akteure miteinander kommunizieren: Zuerst schildert der Visionär seine Ideen dem Realisten. Dieser hat nun Gelegenheit, die Ideen des Visionärs an die Gegebenheiten der wirklichen Welt anzupassen, und erst dann erfährt der Kritiker von ihnen. Dabei ist es wiederum der Realist, der dem Kritiker die abgewandelten Ideen vorstellt. Die schlimmsten Befürchtungen des Kritikers ersetzt der Realist durch realere Szenarien und bespricht dann erst die Einwände des Kritikers mit dem Visionär. So verhindert der Realist, dass der Kritiker die Ideen des Visionärs sofort ablehnt.

 

Kopfstandtechnik bei Gruppenarbeiten

Ziel dieser Methode ist es nicht, direkt ein fertiges Lösungskonzept zu gewinnen, sondern vorerst zu klären, welche Fehler auf jeden Fall vermieden werden sollen. Dazu wird die eigentlich zu lösende Fragestellung in ihr Gegenteil verkehrt. Statt also zu fragen ›Wie kann der Dozent die Vorlesung spannender gestalten?‹, wird die Fragestellung ›Wie kann der Dozent die Vorlesung garantiert sterbenslangweilig machen?‹ beantwortet. Nach Durchführung der Methoden hat man so haufenweise Hinweise vorliegen, was man auf jeden Fall nicht umsetzen sollte, wenn der Dozent nicht vor einem Hörsaal schlafender Studenten stehen möchte. Es leuchtet möglicherweise nicht sofort ein, warum man für diese Methode direkt eine ganze Gruppe benötigt. Sicher ist es auch möglich, grobe Fehler und Schwachstellen in Einzelarbeit zu finden. Das Problem dabei ist jedoch, dass wir häufig zu geradlinig denken: Wird eine Fragestellung auf den Kopf gestellt, fällt es uns auf einmal schwer, diese zu beantworten. In der Gruppe jedoch hat jeder Teilnehmer für sich genommen einige wenige Ideen, die andere wiederum in ihrem Denkprozess anregen. Auch fällt es leichter, riskante Ideen zu äußern, wenn andere diesem Beispiel bereits gefolgt sind. So erhalten auch diejenigen Ideen, die sonst sofort der inneren Kritik zum Opfer gefallen wären, die Möglichkeit, zu Papier gebracht zu werden!

 

Rasende Reporter: Recherchieren für die Gruppenarbeit

Was zunächst nach Benjamin Blümchen klingt, ist eine Lerntechnik zum Wiederholen von Stoff. Der Dozent – oder wahlweise jeder Teilnehmer selbst – schreibt für das Thema relevante Fragen mit je einem Feld für die Antwort auf einen Zettel und kopiert diesen für alle anderen Teilnehmer. Nun werden die Teilnehmer selbst zu rasenden Reportern, denn statt die Fragebogen in Einzelarbeit auszufüllen, müssen sie die Lösungen gewissermaßen recherchieren, indem sie einen anderen Teilnehmer finden, der die entsprechende Frage beantworten kann und die Antwort in das freie Feld des Fragebogens seines Kollegen notiert. Jeder Teilnehmer ist dabei in einer Doppelrolle sowohl Reporter selbst als auch Interviewpartner für die anderen Teilnehmer. Um die Methode abwechslungsreich zu gestalten, darf ein Interviewpartner auf einem Fragebogen nie mehrere Fragen beantworten. Die Stärke dieser Methode liegt darin, dass die Teilnehmer zum Austausch gezwungen sind. Dadurch kann sich das Wissen verschiedener Teilnehmer zum einen ergänzen, zum anderen wirkt die Methode jedoch auch dem Effekt entgegen, den wohl viele Klausurlernende nur allzu gut kennen: Man selbst ist – in der eigenen Wahrnehmung – oft derjenige, der noch am wenigsten weiß und am schlechtesten vorbereitet ist. Durch den Austausch mit den anderen Teilnehmern erfährt man schnell, dass auch andere Teilnehmer noch Lücken haben und daher kein Grund für übertriebene Panik besteht.


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