Präsenzbibliotheken an deutschen Unis bald wieder zugänglich? Bildquelle: © pixabay.com | Pexels

Studienanfänger müssen sich jetzt programmieren

Das kommende Wintersemester wirft seine Schatten voraus

Die Tinte der Glückwunschkarten für das bestandene Abitur ist noch nicht ganz trocken, da geht es schon an die Planung für den Studienbeginn. Die Coronakrise bedingt Änderungen im fixen Plan der Meldefristen der deutschen Universitäten. Zwar wurde der Termin für die Einschreibung auf den 1.7.2020 zurückdatiert, damit alle Eventualitäten aufgrund von Prüfungsausfällen und -verschiebungen eingepreist werden können. Doch aufgrund der zu erwartenden Unwägbarkeiten, zum Bsp. einer durchaus möglichen 2. Infektionswelle, ist es dringend geraten, dass sich potenzielle Studienanfänger für die kommende Vorlesungszeit wappnen. Mit dem bundesweiten Start am 2.11.2020 wird das Wintersemester eines der kürzeren und inwieweit sich die Lehrveranstaltungen auf die digitale Abwicklung verlassen können, ist bisher noch nicht überschaubar. Es wird zwar wie in den allgemeinen Schulen ein normaler Betrieb angestrebt, aber ob sich die bisher üblichen Präsenzveranstaltungen wieder durchziehen lassen, dass weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand so recht.

Digitale Anbindung erweist sich als Stolperstein

Natürlich waren die Verwerfungen durch COVID 19 im aktuellen Sommersemester nicht vorhersehbar. So mussten die meisten Hochschulen improvisieren und der Großteil der Kurse wurde online gehalten. Nicht jede Uni ist auf dem neuesten Stand der Technik, zumal in Deutschland traditionell entscheidenden Wert auf Präsenzveranstaltungen gelegt wird. Es besteht also ein großes Gefälle zwischen den einzelnen Lehreinrichtungen und wie viele Abstriche an der Qualität der Kurse und Seminare gemacht wurden, das wird erst zukünftig zu erfahren sein. Wer zu Hause die Vorlesungen und Seminare anspruchsvoll verfolgen möchte, ist auf ein potentes und funktionierendes WLAN angewiesen. In WGs erweist sich dieses oft als ungenügend oder zu schwach und die Bewohner müssen in Zeitfenstern lernen, was besonders in Prüfungsphasen problematisch ist. Aus datenrechtlicher Sicht wird es zudem bedenklich, wenn aus Gründen der virtuellen Klausuraufsicht daran gedacht werden sollte, Softwareprogramme einzusetzen.

Finanzierungsprobleme sind zu erwarten

Das ein Studium nichts kostet, dieses Vorurteil wurde inzwischen ausreichend widerlegt. Neben den Semestergebühren muss für Wohnung, Kleidung und Nahrung aufgekommen werden. Wer keinen Anspruch auf Bafög hat und dessen familiäre Unterstützung rudimentär gestaltet ist, dessen Chancen auf ein entspanntes Studium waren noch nie besonders ausgeprägt. Zumindest aber konnte bisher in Nebenjobs in der Gastronomie als auch in der Industrie und in Dienstleistungsunternehmen ein erkleckliches Sümmchen steuerfrei verdient werden. In diesem Jahr fallen diese Einnahmequellen oftmals weg. Für Studierende in besonders akuten Notlagen bleibt die Möglichkeit der Beanspruchung eines Nothilfefonds des Deutschen Studierendenwerkes, der bei 500 Euro monatlich gedeckelt ist und seit 16.06. ausgezahlt wird. Dieser Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden, ist aber auf drei Monate begrenzt. Kritiker monieren, dass die Berechtigung nur dann erteilt wird, wenn das Konto des Antragstellers ein Guthaben von weniger als 100 Euro aufweist. Zudem sind die Anträge jeden Monat aufs Neue auszufüllen. Und so kann ein wichtiger Punkt jetzt sein, bis zum Semesterstart Geldreserven da anzusammeln, wo es noch möglich ist, um später dann Mitte des Wintersemesters nicht in die Schuldenfalle zu geraten. Zwar kann auch seit letztem Monat bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unter der Ägide von Bildungsministerin Anja Karliczek ein zinsloses Darlehen von bis zu 650 Euro monatlich beantragt werden, doch der Kredit muss zurückgezahlt werden. Da ab März nächsten Jahres Zinsen fällig werden, steigen die Belastungen unweigerlich in den roten Bereich. Bei Akkumulation während der gesamten Studienzeit bleibt da ein dicker Batzen zu tilgen.

Flexibel auf die nächsten Monate reagieren

Eine Situation wie die jetzige war noch nie gegeben und es bleibt zu hoffen, dass sich die Entscheider in der Politik zu vernünftigen Entschlüssen durchringen können. Ab der Einschulung Ende der großen Ferien können im allgemeinen Schulbetrieb Erfahrungen gesammelt werden, welche dann auf die Hochschulsituation umzusetzen sind. Eine ausreichende Grundausstattung an digitalen Anschlüssen und monetären Ressourcen ist auf jeden Fall unabdingbar, um den noch guten Ruf deutscher Lehranstalten nicht zu ruinieren!

Ein Gastbeitrag der externen Autorin Annett Jäger.


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