Foto: Jazmin Quaynor/Unsplash

Voll flexibel

Orts- und zeitgebundenes Studieren war gestern. Dank virtueller Hochschulen kannst du lernen, wann und wo du willst

 

Erst mal ausschlafen, es sich im Bett gemütlich machen, bei einer Tasse Kaffee über den eigenen PC der Vorlesung des Profs lauschen und nach Lust und Laune pausieren – so oder so ähnlich stellen sich wohl zahlreiche Studenten ihren perfekten Vorlesungstag vor. Das Beste daran? Den kann es längst geben. Denn die deutsche Hochschullandschaft ist bereits viel virtueller als der Otto-Normal-Student vermuten mag.


Reise durch deutschlands virtuelle Hochschullandschaft

Würden wir uns auf eine Deutschlandreise von Nord nach Süd begeben, um die virtuelle Hochschullandschaft zu erkunden, dann wäre der erste Stopp die Virtuelle Fachhochschule (www.vfh.de). Dieser Hochschulverbund setzt sich hauptsächlich aus den Institutionen in Lübeck, Kiel, Bremerhaven, Emden und Berlin zusammen. Gemeinsam bieten sie sieben Bachelor- und vier Masterstudiengänge an, etwa in Medieninformatik und Betriebswirtschaftslehre. 

Den nächsten Halt könnten wir in Rheinland- Pfalz einlegen. Dort haben sich dreizehn Uni- versitäten und Hochschulen zum Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (www.vcrp.de) zu- sammengeschlossen. Die Einrichtung dient vor allem der Koordination und Unterstützung der örtlichen Hochschulen bei der Einführung digitaler Bildungsmedien. 

Im Süden stoßen wir schließlich auf die Virtuelle Hochschule Bayern (www.vhb.org). Sie besteht aus 31 Trägerhochschulen, zu denen auch die neun staatlichen Unis des Freistaats zählen. Das Kursprogramm des Verbundinstituts setzt sich aus rund 15 unterschiedlichen Bereichen zusammen, die sich wiederum in Fächergruppen unterteilen. Innerhalb dieser werden zahlreiche Kurse von den Dozenten der bayerischen Hochschulen angeboten. 

Daneben gibt es noch viele weitere Initiativen, die webbasiertes Lehren und Lernen fördern und ermöglichen sollen, zum Beispiel das Bildungsportal Sachsen.

Es gibt viele Vorteile, die dafürsprechen, die Angebote der virtuellen Hochschulen in Anspruch zu nehmen. Der erste Punkt liegt auf der Hand: Wenn du E-Learning-Kurse nutzt, dann kannst du lernen, wann und wo du willst. Plötzlich lässt sich das Studium viel einfacher mit dem Nebenjob oder der Familie vereinbaren. Und auch dass du oft zwischen Heimatort und Unistadt pendelst, spielt keine Rolle mehr – schließlich musst du dank der flexiblen Verfügbarkeit der Inhalte nicht rechtzei-tig zum Vorlesungsbeginn wieder zurück sein. Du bist spät abends besonders wach im Kopf? Dann zieh dir die Studieninhalte von nun an zu dieser Tageszeit zu Gemüte.

Der zweite Vorteil heißt: Wiederholung. Kennst du das: Mal kurz taggeträumt – und schon eine wichtige Info aus dem Mund des Dozenten verpasst? Das Tolle an den Online-Vorlesungen ist, dass du sie nach Belieben vor und zurückspulen, anhalten und nochmal anhören kannst. So stellst du sicher, dass du auch wirklich jedes Detail mitbekommst. Hin- und Verweisen, die in einer normalen Vorlesung vielleicht wegen des Getuschels der Sitznachbarn untergehen würden, kannst du gezielt folgen und so dein Wissen vertiefen. Natürlich lässt sich der Spieß auch rumdrehen: Dinge, die du schon in- und auswendig weißt, kannst du unkompliziert überspringen – und so wertvolle Zeit sparen. 


Virtuell Studieren: Sowohl intern als auch extern

Der dritte Vorteil gilt vor allem für diejenigen, die an einer der Verbunduniversitäten eingeschrie-ben sind. Für sie ist der Zugang zu Kursen – auch solchen, die nichts mit ihrem Studiengang zu tun haben – in der Regel kostenlos. Die Studierenden haben also die Möglichkeit, sich losgelöst von ihrer Fachrichtung fortzubilden. Allerdings muss bei den virtuellen Hochschulen differenziert werden: Während die ›Virtuelle Fachhochschule‹ komplette Studiengänge anbietet, für die sich Interessierte bewerben müssen, können Wissenshungrige bei der Virtuellen Hochschule Bayern auch als Externe kostenpflichtig einzelne Kurse belegen. Dafür bietet die vhb aber keine vollständigen Studiengänge an – diese müssen an einer der Hochschulen des virtuellen Verbundes absolviert werden.


Virtuelles Lernen: Bist du der Typ dafür?

Natürlich gibt es aber auch ein paar Punkte, die das virtuelle Studieren für manche unattraktiv machen. Was zum Beispiel fehlt, ist die direkte Kommunikation mit dem Dozierenden. Spontane Rückfragen kannst du nicht zwischenrein stellen, sondern musst dafür erst einmal Kontakt mit dem Prof aufnehmen. Auch Diskussionen in der Gruppe und mit Kommilitonen sind nicht ohne Weiteres möglich und müssten extra mit den anderen Kursteilnehmern vereinbart werden. Für manche Studenten stellt es daneben eine große Herausforderung dar, die Vorlesungen wirklich regelmäßig online anzusehen – und am Ende kann große Flexibilität in unglücklichen Fällen auch dazu führen, dass sich Teilnehmer ohne Disziplin nie mit den online gestellten Inhalten auseinandersetzen. Umso motivierender kann es da sein, gemeinsam mit seinen Freunden die Unibank zu drücken, sich von der Hochschul-Atmosphäre inspirieren zu lassen und die Pflicht der Vorlesung gleich mit sozialen Aktivitäten davor oder danach zu verbinden. 

Ob das virtuelle Lernen für dich geeignet ist, musst letztendlich du alleine entscheiden. Denn ob dir Online- oder Offline-Studieren besser liegt, ist oft auch einfach eine Typfrage. Es lohnt sich aber sicherlich, sich mit dem umfangreichen und qualitativ hochwertigen Kursangebot auseinanderzusetzen. Denn auch wenn ›virtuell pur‹ keine Option sein sollte, so lässt sich das eigene Studium und der persönliche Horizont doch sehr sinnvoll ergänzen. 

Auf einen Blick: 

Virtuell studieren ist etwas für dich, wenn …

… du gerne selbstbestimmt lernst
… du sehr diszipliniert bist
… du dich selbst sehr gut organisieren kannst
… du Vorlesungen jederzeit anhören können willst
… du örtlich ungebunden lernen willst
… du wichtige Inhalte gerne auch zwei, drei Mal anhörst
… dir eine direkte Kommunikation mit dem Prof nicht wichtig ist … es dir Spaß macht, ohne Störung für dich allein zu lernen

 

Text: Julia Wolf


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