Läuft nicht so bei dir? Mach dir keinen Kopf. Foto: @euniveeerse/unsplash

Warum es ok ist, mal keinen Masterplan zu haben

Einfach mal machen geht auch – du musst nicht immer gleich eine Grundsatzentscheidung fällen. Warum erklärt Buchautor Robert Haring

Vor einigen Jahren gab es in Mecklenburg-Vorpommern eine Kampagne mit dem Titel ›Einfach Anfangen‹. Doch was anfangs als Ermutigung für Existenzgründer gedacht war, ist inzwischen zum geflügelten Wort im Kampf gegen den Zweifel geworden. Wir alle stehen täglich vor unendlich vielen Entscheidungen. Mal kleinere, wie die Wahl der Hautcreme oder Senfsorte – mal größere, wie die Wahl des Studienfachs oder Wohnorts. Unser vertrauter Begleiter ist dabei: der Zweifel. Treffe ich die richtige Entscheidung? Könnte es auch anders sein? Der Zweifel gehört zwar zu den bedeutendsten Errungenschaften der Moderne – ohne Zweifel kein Wissen – und ist – ohne Zweifel – ein gutes Werkzeug, um das Denken zu fördern, aber oftmals steht er dir auch einfach nur im Wege. Wer sich alle Türen offen hält, verbringt sein Leben auch nur auf dem Flur.

Schwere Entscheidung

Aber warum tun wir uns mit Entscheidungen so schwer? Weil wir das Wesen einer Entscheidung häufig falsch verstehen. Eine Entscheidung funktioniert anders als bei ›Wer wird Millionär‹, wo nur eine Antwort richtig ist und alle anderen falsch. Im richtigen Leben ist es im Moment der Entscheidung unmöglich abzusehen, wie die Dinge sich entwickeln werden. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt keine guten Entscheidungen. Es gibt nur Entscheidungen, die gut werden könnten. Deshalb ist am wichtigsten, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Alles was danach kommt, darfst du in entspannter Gelassenheit auf dich zukommen lassen, denn das Wichtigste hast du erledigt: du hast dich entschieden.

Eine Entscheidung

Aber machen wir uns nichts vor. Wichtige Entscheidungen zu treffen, erfordert unglaublich viel Mut und Courage. Laut Studien sind nur fünf Prozent der Menschen überhaupt in der Lage Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, dass 95 Prozent der Leute nicht entscheidungsfähig sind. Zu groß ist die Angst, etwas zu verpassen. FOMO, fear of missing out, ist ein ernstzunehmender Gegner. Denn es wird immer jemanden mit mehr Freizeit, mehr Geld, mehr Spaß und mehr Freunden geben – zumindest denkst du das – und dann ist er wieder da: der Zweifel.

Was du jetzt brauchst ist Widerstandskraft a.k.a. Resilienz, ein Modethema das inzwischen ganze Buchregale füllt. Als Resilienz-Profi bleibst du geduldig, erträgst Widerstände und nimmst weder Erfolge noch Misserfolge persönlich. Sämtliche Biografien erfolgreicher Menschen gleichen sich in diesem einen Punkt, der Erfolg von Misserfolg unterscheidet: die Art und Weise mit Widerständen umzugehen. Also gehörst du zu den 95 Prozent oder triffst du eine Entscheidung und fängst einfach mal an?

Deine Entscheidung

Es hat wirklich lange gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, aber am Anfang weiß wirklich kaum jemand, was er mit seinem Leben anstellen soll. Weltreise, Studium oder Existenzgründung? Im Grunde ist es egal, du fängst einfach irgendwo an, wirfst dich auf das, was dich interessiert, gibst dein Bestes und sammelst auf dem Weg alles, was sich dir bietet. Bei Lichte betrachtet ist es ein Prozess, geprägt von Versuch und Irrtum. Geschichten von lückenlosen Biografien, makellosen Karrieren und traumhaften Erfolgen: schnurgerade, unausweichlich und zwangsläufig. Aber was wir uns da erzählen entspricht nicht der Realität. Das, was wir uns erzählen, sind Gewinnergeschichten, die im Rückblick immer so aussehen, als hätte es genau so kommen müssen. Aber: Was als linearer Prozess erzählt wird, ist niemals einer gewesen. Der Grund dafür ist einfach: Niemand kann in die Zukunft sehen.

Irgendeinen Plan haben sich zwar alle zurechtgelegt: Studium, Traumjob, Partner, Kinder, Familie und Doppelreihenendhaus. Aber beim Basteln an unseren Lebensplänen verlieren wir oft das Leben selbst aus den Augen. Ein Leben, das eben nicht linear verläuft. Bist du erst einmal auf dem Weg, ist es völlig in Ordnung die Spur zu wechseln, neue Dinge auszuprobieren und unbekanntes Gelände zu erobern. Indem du dich breit aufstellst, Erfahrungen sammelst, Ideen entwickelst und Kontakte aufbaust, erzeugst du immer neue Chancen und hast ein breiteres Fundament für Kommendes. Das Wichtigste ist deshalb: einfach anfangen!

  • 1. Vision Entwickle eine Vorstellung davon, wie das gute Leben aussehen soll.
  • 2. Ziele Formuliere als Zubringer vier konkrete Ziele – je spezifischer, desto besser.
  • 3. Prioritäten Du musst nicht alles richtig machen, um erfolgreich zu sein. Du musst nur eine Sache richtig gut können. So gut, dass niemand an dir vorbei kommt. In allen Bereichen Perfektion beziehungsweise Exzellenz zu erreichen, ist ohnehin unmöglich. Lass den anderen also auch noch etwas übrig.
  • 4. Stärken erkennen & umsetzen Suche etwas, das du magst, das dir leichtfällt und das du länger und besser kannst als andere. Bei welchen Tätigkeiten fühlst du dich voller Energie und Tatendrang? In welchen Bereichen lernst du schnell? Was würdest du tun, auch ohne Geld dafür zu bekommen?
  • 5. Handeln Einfach anfangen und viel machen, denn die Chance, deine Ziele und die Idee vom guten Leben auch tatsächlich zu erreichen, steigt durch die Anzahl deiner Versuche.

 

Über den Autor: Robin Haring ist Gesundheitswissenschaftler und Professor in Rostock. In seinem Anti-Ratgeber fasst er die Quintessenz seines Versagens zusammen – seine eigene Biografie des Scheiterns steht ganz vorne im Buch. Statt der üblichen Standardrezepte zur Selbstoptimierung versammelt dieses Buch daher insgesamt 32 Strategien, Fähigkeiten und Tricks, neudeutsch auch Life Hacks genannt, die Leben und Karriere schlicht leichter und besser machen. ›Läuft bei mir‹ ist im Redline Verlag erschienen. Preis: 14,99 Euro.

 


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